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12 August, 2016

Notaufnahme

Schon immer ist das Kino die Notaufnahme der Einsamen. Wir sinken in den Samt der künstlichen Nacht, um Gesichter aufscheinen zu sehen, vertraute Stimmen zu hören. Einmal, ca 1993, bin ich wie so oft mit dem Fahrrad von dem Zehlendorfer Schwesternheim, in dem ich als Zivi untergebracht war, ins Moviemento gefahren, um in der „langen Coppola-Nacht” alte Bekannte aus der Corleone-Familie zu treffen. Aber dieser Trost stand plötzlich in Frage, als zur Einlasszeit die Mindestzahl notwendiger Zuschauer nicht erreicht war. Die einzige andere Zuschauerin schien ebenso enttäuscht wie ich. Da beschlossen wir, für einen unsichtbaren Dritten zusammen zulegen. Zu zweit sahen wir Michael Corleone dann dabei zu, wie er nach und nach in den Schatten seiner Möglichkeiten tritt - und kamen uns näher. So habe ich einmal im Kino eine Freundin gefunden.

10 August, 2016

Lust, Caution

1987, da war ich 15, hat mich A., die damalige Freundin meines älteren Bruders, in EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE mitgenommen. Ihr gefiel es, mir zu gefallen - und meine Erinnerung an den Film ist ganz sublimiertes Begehren. Am Ende, wenn die von den Filmemachern für meine (und ihre) Lust bestrafte Glenn Close noch einmal mit dem Messer aus dem Wasser taucht, bin ich vor Schreck aufgesprungen, der Klappsitz schnellte zurück und ich landete auf dem Boden. A's Gelächter höre ich immer noch gellen.