| Dreharbeiten zu FIEBER, ca. 1998. Auf dem Monitor und im Hintergrund zu erahnen: Hauptdarsteller Uli Hakel, Sarah Masuch. Foto: Stephan Vorbrugg. |
Buster's Bedroom: Donald Sutherland, der Geraldine Chaplin einredet, sie könne Energie sparen, speichern, wenn sie sich ruhig verhielte. Und ihre Ungeduld, aus der Bewegungslosigkeit im Rollstuhl Superkräfte zu entwickeln. All diese Bilder und Geschichten, die wir sitzend zu uns nehmen - auch hier ist von Superkräften nichts zu spüren. Das Kino ist eine Täuschung.
Verdauungsgeschichten, Kreislauf. Wenn alle Geschichten erzählt worden sind und das Echo alter Filme die neuen übertönt - warum dann nicht gleich aus alten Bildern neue Filme machen? Kompilation als Autorenform. Aber natürlich sind meine Augen einzig.
Terry Gilliam sagt, seine besten Ideen sind kümmerlich gegen das, was aus ihnen wird im Prozess… Eine schreckliche Vorstellung für Kontrollfreaks wie mich, aber natürlich wahr.
Auf Sternen kann man nicht landen, sagt ein Kind, weil sie Zacken haben.
Ich transportiere meine Kopie im Rucksack - ich spüre ihr Gewicht. Ein angenehmer Anachronismus, dieses körperliche Verhältnis. Schließlich ist es doch nur Licht.
Die Befriedigung, Holz zu hacken. Ich will Schwielen auf den Händen haben. Aber die Leute von A-clip sagen: Wir brauchen eine Gesellschaft, die sich nicht über die Arbeit definiert.
Drehbuchregel: Ein Charakter definiert sich durch Handlung. Vielleicht ist der Ordnungsversuch "Dramaturgie" die erfolgreichste Philosophie der letzten 2000 Jahre. Mein Leben ist voller plot points, aber das Drama habe ich noch vor mir? Was weiß schon die Figur.
Ein Hotelzimmer, das mich mit laufendem Fernseher empfängt. Sogar mein Name steht auf dem Bildschirm und ich werde freundlich gebeten, nicht auszuschalten. Ein Hauch von Hal. Aber als ich abschalte, singt der Fernseher kein Lied.
Immer und immer wird behauptet, was zähle, seien die Geschichten, oder falls nicht vorhanden, die Charaktere, oder, wenigstens, die Ideen. Mir ist dieses grundsätzliche Misstrauen gegen die "Oberfläche Bild“, nicht wirklich verständlich.
Ist es gut, viele Filme zu sehen? Orson Welles sagt nein, und wer bin ich, ihm zu widersprechen. Aber natürlich: Petersilie ist Gift in großen Mengen. Augenmaß ist gefragt.
Das Schöne am Kino ist für mich dieser Impuls: Das will ich sehen - und dann darf ich mich im anonymen Dunkel verlieren. Hier sieht dir der Regisseur zu, wie du auf dem Sessel rutschst und fragt sich: Ist das persönlich gemeint?
Nach der Vorführung wird diskutiert. Die Diskussionsleiter haben sich sogar Fragen ausgedacht. Das Publikum ist freundlich. Die Schwachstellen meines Filmes bleiben nicht verborgen, aber niemand findet sie so schlimm wie ich. Ich gebe alles zu, was mit Enttäuschung aufgenommen wird. Lieber würde man verführt werden von der Lüge, alles habe einen ganz bestimmten Sinn.
In Wirklichkeit sind wir nur kleine Götter. Wir wissen auch erst hinterher, was gut war.
