03 März, 2026

Stimmen

Eine Auswahl an Pressestimmen zu DER TOD WIRD KOMMEN.


"„Der Tod wird kommen“ ist ein aus schweren Substanzen gewobener Film, der erst ganz zum Ende hin für eine einzelne, dafür aber umso beeindruckender inszenierte Sequenz auf Mittel des klassischen Spannungskinos setzt. Über weite Strecken geht es vielmehr um Figuren, die einander umschleichen, während sie Verschiedenes übereinander wissen, ahnen, nicht wissen – um ein stetiges, auch ein wenig somnambules Herumirren in einer Welt mit wenigen Gewissheiten."

Jochen Werner, Filmstarts


"Der Plot um den Auftrag eines dem Tode geweihten Gangsters und eine Killerin, die für ihn arbeitet, ist zwar nicht bedeutungslos. Doch „La mort viendra“ lebt weit mehr von all den scheinbar kleinen Details, die sich zu einer Atmosphäre und einer bestimmten Temperatur verdichten: Schauplätze, Lichtstimmungen, Oberflächen, Blicke und Bewegungen und eben Namen, die unabhängig von den dazugehörigen Figuren einen bestimmten Raum öffnen. Die fremde Sprache und Stadt eröffnen Hochhäusler, der erstmals auf Französisch und in Brüssel drehte, ganz neue Möglichkeiten der Anverwandlung oder vielleicht auch des Sich-Selbst-Fremdwerdens."

Esther Buss, Filmdienst


"Hochhäusler inszeniert die Handlung seines Films mit einer charmanten Mischung aus Stilbewusstsein, der Schmierigkeit einer gealterten Halbwelt und dem Muff von zu lange nicht gewechselten Teppichböden. „Der Tod wird kommen“ ist eine Perle des unprätentiösen Genrefilms, eine seltene Spielart jener Filmgattung, um die sich Festivals gerade wieder aktiv balgen."

Fabian Tietke, taz


"Along the way, Hochhäusler consistently pursues his long-held hope to activate viewers into collaborating in the telling of the story, rather than merely consuming it. In other words, a viewer might derive pleasure from watching Hochhäusler’s films (...) not primarily from the staging of variations of genre-typical set pieces; nor from the deconstruction (let alone destruction) of the logic of, in this case, the “gun for hire” subgenre. Rather, the location of pleasure in Hochhäusler’s films is in the agonistic struggle with the genre itself. Death Will Come performatively stages this very struggle by dint of its obvious admiration for the very genre rules that it nevertheless does not allow to atrophy into clichés precisely because (...) doing so would undo the demand for viewers to experientially participate in the agonistic struggle of telling the story – indeed, in addressing the question of how the story should end that, according to Tez, “everyone has to answer for themselves.”"

Marco Abel, Senses of Cinema


"[Der Tod wird kommen] ist eine geschmeidige, kompakte Angelegenheit mit Anklängen an Chabrol und/oder Patrick Modiano. Er ist auf eine Weise halbseiden, die Vergnügen bereitet, mit einer ordentlichen Portion Pulp. Ungewöhnlich daran ist, wie Hochhäusler in einer Szene nach der anderen immer neue Charaktere, neue Themen und eine Fülle narrativer Informationen einführt. Jede Szene fühlt sich an wie ein kurzes Kapitel, mit den anderen eher auf abstrakte Weise als durch Plotnotwendigkeiten verbunden. Im Ton romanhaft, geradezu irritierend darum bemüht, noch den scheinbar unbedeutendsten Nebenfiguren eine Form von Individuierung und Interiorität zukommen zu lassen."

Michael Scicinski, Cargo


"Christoph Hochhäusler ist indes ein Regisseur, auf den namenloses Terrain einen enormen Reiz ausübt. Seit FALSCHER BEKENNER filmt er gern Orte, die unverhofft bespielt werden. Nimmt es also Wunder, dass sein neuer Film ins Nachbarland führt? DER TOD WIRD KOMMEN folgt den Regeln des französischen Polar, lässt sie aber in der Halb- und Unterwelt Brüssels heimisch werden. Es handelt vom erbitterten Revierkampf zwischen dem Alten und dem Neuen. Die widerspruchsvolle Architektur der belgischen Hauptstadt spielt prächtig mit."

Gerhard Midding, epd Film


Zitiert (ungefähr) in Reihenfolge des Erscheinens. Wird fortgesetzt.

23 Februar, 2026

Ab 12. März im Kino: „Der Tod wird kommen”


Nach der Weltpremiere im Wettbewerb von Locarno (und weiteren Festivalstationen in Mannheim, Tallinn, São Paulo, Shanghai usw.) kommt mein Film DER TOD WIRD KOMMEN („La Mort viendra”) am 12. März 2026 endlich regulär in die deutschen Kinos (Verleih: W-Film). Ich freue mich sehr darüber und werde den Film auch in einige Städte begleiten. Die Planung der Kinotour ist noch nicht abgeschlossen, fest stehen bislang folgende Stationen:

Köln
05.03.2026, 20 h @ Metropolis
in Anwesenheit von Sophie Verbeeck

Berlin

11.03.2026, 20.30 h @ Kino in der KulturBrauerei 

moderiert von Knut Elstermann


Hamburg

12.03.2026, 19.30 h @ Abaton-Kino 

Kinotour


Bielefeld

13.03.2026, 19.30 h @ Kamera Filmkunsttheater

Kinotour


Essen

15.03.2026, 17 h @ Astra Theater 

Kinotour


Wuppertal

16.03.2026, 19.45 h  @ Cinema Wuppertal

Kinotour


Düsseldorf

17.03.2026, 19 h @ Bambi

Kinotour


München

18.03.2026, 20 h  @ Werkstattkino

Kinotour


Sophie Verbeeck als „Tez”.

Erzählt wird die Geschichte des legendären Brüsseler Gangsters Charles Mahr (Louis-Do de Lencquesaing), der die Killerin Tez (Sophie Verbeeck) beauftragt, den Mord an einem seiner Kuriere zu rächen. Schnell gerät sie in das Dickicht einer Intrige, in der Mahrs Herausforderer Patric De Boer (Marc Limpach) eine undurchsichtige Rolle spielt. Tez wird selbst zur Gejagten und muss sich entscheiden, wessen Werkzeug sie sein möchte...

In weiteren Rollen spielen Mourade Zeguendi („Zinedine”), Nassim Rachi („Carlo”), Hilde Van Mieghem („Julie”), Delphine Bibet („Méla”), Laura Sépul („Louise”), Luc Feit („Dédé”), Pitcho Womba Konga („Yann”), Elsa Rauchs („Axelle”) u.a. 

Louis-Do de Lencquesaing als „Charles Mahr”.

Produktion: Bettina Brokemper, Heimatfilm (Köln), Bady Minck + Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Amour Fou (Luxemburg), Joseph Rouschop, Tarantula (Liège). Regie: Christoph Hochhäusler. Drehbuch: Ulrich Peltzer, Christoph Hochhäusler. Besetzung: Ulrike Müller. Kamera: Reinhold Vorschneider. Szenenbild: Renate Schmaderer. Kostümbild: Michèle Tonteling. Maskenbild: Garance Van Rossum. Haare: Pascal Joris. Ton: Marc Thill. Montage: Stefan Stabenow. Musik: Nigji Sanges. Sounddesign: François Aubinet. Mischung: Michel Schillings. Colorist: Dirk Meier. VFX: Thomas Löder. Künstlerische Mitarbeit: Aurélia Georges. Redaktion: Carlos Gerstenhauer, Harald Steinwender (BR), Barbara Häbe (Arte). BR, ARTE, BKM, Filmstiftung NRW, Filmförderung Luxemburg, FFA, MBB, Belgian Tax Shelter, Wallon Image.

P.S.: Der Film wird im französischsprachigen Original, aber auch in einer synchronisierten Fassung gezeigt werden, in der übrigens Henriette Confurius die Hauptrolle „Tez” spricht. 

Wellenbrecher


Für die neue Ausgabe von EPD Film (3/26) habe ich im Rahmen eines Specials zur Nouvelle Vague ein paar Zeilen zu François Truffauts Debüt LES QUATRE CENTS COUPS beigesteuert.

02 Februar, 2026

Sünden

F.W. Murnau FAUST (D 1926)

Die Vergehen, die im Kino zum Skandal werden, unterscheiden sich von den „Todsünden“ der Kirchenlehre. Trägheit, Neid und Stolz werden vom Zuschauer zwar kritisch beäugt, Zorn, Wollust und Völlerei aber eher milde beurteilt. Die Zehn Gebote schneiden noch schlechter ab: Moderne Zuschauer sind tolerant gegenüber Vielgötterei (1.), Verwünschungen (2.), Ehebruch (6.) oder dem Begehren seines Nächsten Frau (9.). Bei Diebstahl (7.) hängt es stark von den Umständen ab und sogar Mord und Totschlag (5.) können im Kino auf Nachsicht hoffen, je nach dem, wer das Opfer ist und welche Umstände zur Tat führen. 

Hatte die League of Decency also doch recht? Ist das Kino ist im Kern unchristlich? Oder sollte man Kinogefühle nicht so ernst nehmen? Vielleicht kommen wir einer Antwort näher, wenn wir zunächst die Frage klären, aus welcher Position wir als Zuschauer urteilen. Wir sind anwesend als Augen- und Ohrenzeugen, leihen uns aber nicht nur einen Blick, sondern fühlen uns auch in fremde Körper ein. Und wir muten uns viel mehr Nähe zu, als wir das im wirklichen Leben tun würden, weil wir hier der Schwerkraft und anderen, vor allem sozialen Konsequenzen enthoben sind. 

Ein bisschen ist es so, als würden wir eine Tarnkappe tragen. Niemand weiß, dass wir dabei sind, zumindest so lange die vierte Wand nicht durchbrochen wird – und wir selbst vergessen (nur zu gerne) den Illusionscharakter. Obwohl wir die Blicke/Einstellungen nicht selbst gewählt haben, machen wir sie uns zu eigen und nehmen es furchtbar persönlich, wenn unsere Stellvertreter und Ersatzkörper leiden müssen. Wenn das Publikum also launenhaft mit der „Sünde” umgeht – einerseits harsche Urteile fällt, wenn es um Ungerechtigkeiten geht, zugleich aber milde auf Gewalttaten reagiert – sind das in erster Linie Identifikationseffekte. 

26 Januar, 2026

Schwere Zeiten, leichte Unterhaltung?

Wolf Strache: „Berlin, Kurfürstendamm, nach einem Bomben-
angriff”, 23.11.1943.

B. meinte in einem Halbsatz kürzlich, dass wir, zynisch betrachtet, die falschen Filme machten für diese aus den Fugen geratene Welt und ob es nicht schon immer so gewesen sei, dass in schweren Zeiten die leichten Geschichten gefragt gewesen wären? 

Ich war um eine Antwort verlegen. Es klang einleuchtend. Wer könnte es den sogenannten „normalen Menschen” verübeln, wenn sie ihr hartes Schicksal mit Unterhaltungsopiaten aufhellen? 

Falls sich unsere Gegenwart also zu den „schweren Zeiten” rechnen lässt – wofür manches spricht –, wäre die Frage, welche filmischen Eskapismen die Diagnose stützen. Und wie unsere Reaktion darauf aussehen soll. 

Steigt in der (moralischen) Not nicht auch der Bedarf nach glaubwürdigen Geschichten? Nach Wahrheit?


P.S.: Der annoncierte Film im Bild oben ist übrigens ein Drama von Hans Zerlett von 1943, über den Friedemann Beyer schreibt: „Zerlett gelingt hier ein Tableau beklemmenden menschlichen Elends, das im Film der NS-Zeit seinesgleichen sucht.”

16 Januar, 2026

Ich habe eine Bitte:

Revolver, die Filmzeitschrift, die ich 1998 mitbegründet habe, braucht mehr Abonnements, wenn sie überleben soll. 

Zwei Hefte im Jahr, lesenswert über den Tag hinaus, klein und schmuck, zum Preis von zwei Kaffee und einem Croissant, 15.-. 


Wie wäre es, wenn Sie sich ein Herz fassen und uns abonnieren? Das wäre eine große Hilfe.


Einfach eine formlose E-Mail schicken an info(at)etk-muenchen.de, also zum Beispiel: „Hiermit möchte ich gerne ein Revolver-Abo für 15€/Jahr zzgl. Porto bestellen.” Liefer- und Rechnungsadresse bzw. Bankdaten für ein Lastschriftverfahren nicht vergessen. Die Edition Text + Kritik, die den Vertrieb besorgt, bestätigt Ihnen dann die Bestellung.


Falls Sie schon abonniert haben, bitte ignorieren oder noch besser: an Interessierte weiterleiten.


Vielen Dank!




Was ist Revolver?


Die Zeitschrift, gegründet 1998, erscheint zweimal im Jahr im Verlag der Autoren. Die Idee war und ist es, eine „Theorie der Praxis” zu organisieren. Das heißt: Filmemacher*innen sprechen mit Filmemacher*innen, über Methode und Prozess und darüber, wie das Kino von morgen aussehen könnte. Ergänzend gibt es „Bekenntnistexte” von Filmpraktiker*innen. Revolver entsteht nebenbei und unbezahlt. Die Abonnements decken die Druckkosten.


In den letzten 53 Ausgaben gab es Interviews und Beträge von/mit Abbas Kiarostami, Lars von Trier, Lucrecia Martel, Michael Haneke, Claire Denis, Hou Hsiao Hsien, Maren Ade, Harun Farocki, Ulrich Seidl, Radu Jude, Eric Rohmer, Alexander Kluge, Terry Gilliam, Katrin Cartlidge, Christian Petzold, Tankred Dorst, Mia Hansen-Løve, Hanns Zischler, Jean-Claude Carrière, Athina Rachel Tsangari, Ruben Östlund, Jean-Pierre & Luc Dardenne, Romuald Karmakar, Céline Sciamma, Sergei Loznitsa, Albert Serra, Michael Ballhaus, Ute Aurand, Nadav Lapid, Denis Lavant, Thomas Heise, Jonas Mekas, Lav Diaz, Werner Herzog, Peter Kubelka, Mariano Llinás, Apichatpong Weerasethakul, Wim Wenders, Frederick Wiseman, Carlos Reygadas, Alexandre Koberidze, Adam Curtis, Andreas Goldstein, Matías Piñeiro, Harmony Korine, Bruno Dumont, Kleber Mendonça Filho, Angela Schanelec und vielen anderen.


Der Redaktion gehören zur Zeit an: Hannes Brühwiler, Gordon Dohle, Leo Geisler, Istvan Gyöngyösi, Benjamin Heisenberg, Christoph Hochhäusler, Szuszanna Király, Sebastian Ladwig, Franz Müller, Johanna Schorn, Marcus Seibert, Cécile Tollu- Polonowski, Nicolas Wackerbarth, Saskia Walker. Gestaltung: Mathilde Lesueur und Jérémie Harper.


www.revolver-film.de

22 Dezember, 2025

Meine Filme des Jahres 2025

Meine Filme des Jahres 2025. Weil es das Kino der Gegenwart dieses Jahr besonders schwer hatte, sich gegen die älteren Jahrgänge durchzusetzen, ist die Liste mit den Entdeckungen dreimal so lang.

Neue Filme:
A LETTER TO DAVID (Tom Shoval, Israel 2025)
ONE BATTLE AFTER ANOTHER (Paul Thomas Anderson, USA 2025)
REGEN FIEL AUF NICHTS NEUES (Steffen Goldkamp, D 2025)
SEX (Dag Johan Haugerud, Norwegen 2024)
HENRY FONDA FOR PRESIDENT (Alexander Horwath, Österreich 2024)
YES (Nadav Lapid, Israel 2025)
TARDES DE SOLEDAD (Albert Serra, Spanien 2024)
REFLECTION IN A DEAD DIAMOND (Hélène Cattet, Bruno Forzani, Frankreich/Belgien 2025)
MISERICORDIA (Alain Guiraudie, Frankreich 2024)
DAS DEUTSCHE VOLK (Marcin Wierzchowski, D 2025)

Neu für mich entdeckt:
GENTLEMEN JIM (Raul Walsh, USA 1942)
THERE ONCE WAS A SINGING BLACKBIRD (Otar Iosseliani, Georgien 1970)
WAIT TILL THE SUN SHINES, NELLIE (Henry King, USA 1952)
THE LONG FAREWELL (Kira Muratova, UdSSR 1971)
TAKING OFF (Milos Forman, USA 1971)
WESTWARD THE WOMEN (William Wellman, USA 1951)
THE MAD FOX (Tumo Uchida, Japan 1962)
THE EXILE (Max Ophüls, USA 1947)
ANTOINE & ANTOINETTE (Jacques Becker, Frankreich 1947)
TWO CENTS WORTH OF HOPE (Renato Castellani, Italien 1952)

Encore:

UNCERTAIN GLORY (Raoul Walsh, USA 1944)
THE LONG GRAY LINE (John Ford, USA 1955)
NIGHT AND THE CITY (Jules Dassin, Großbritannien 1950)
THE KILLER IS LOOSE (Budd Boetticher, USA 1956)
RETOUR À SEOUL (Davy Chou, Frankreich 2022)
STARS IN MY CROWN (Jacques Tourneur, USA 1950)
ARMORED CAR ROBBERY (Richard Fleischer, USA 1950)
EIGHTEEN YEARS IN PRISON (Tai Kato, Japan 1967)
PLAY DIRTY (André de Toth, USA 1969)
LE PARC (Damien Manivel, Frankreich 2016)

Encore Encore:

REMORQUES (Jean Grémillon, Frankreich 1941)
LAST TRAIN FROM GUN HILL (John Sturges, USA 1959)
SHAKEDOWN (Joseph Pevney, USA 1950)
THE STORE (Frederick Wiseman, USA 1983)
HEDGEHOG IN THE FOG (Yuri Norstein, UdSSR 1975)
THE OUTFIT (John Flynn, USA 1973)
THE TERMINATOR (James Cameron, USA 1984)
DEVI (Satyajit Ray, Indien 1960)
THE MAN WHO LAUGHS (Paul Leni, USA 1928)
HOBSON'S CHOICE (David Lean, Großbritannien 1954)


(Ich entschuldige mich für die inkonsequente Mischung aus Original- und englischsprachigen Titeln.)