„Wie gut” - so hat Karl Kraus einmal geätzt - „dass auf der Welt immer genau so viel passiert, wie in die Zeitung passt.” Die scheinbare Zunahme schlimmer und schlimmster Nachrichten ließe sich im Umkehrschluss mit dem Abschied von der papierenen Nachrichtenkonfektion erklären. Dazu passt, dass sich auch die fiktiven Geschichten immer öfter serienförmig zeigen. Oder leben wir tatsächlich in ereignisreicheren Zeiten, die alte Formen sprengen?
17 Juli, 2016
Passform
„Wie gut” - so hat Karl Kraus einmal geätzt - „dass auf der Welt immer genau so viel passiert, wie in die Zeitung passt.” Die scheinbare Zunahme schlimmer und schlimmster Nachrichten ließe sich im Umkehrschluss mit dem Abschied von der papierenen Nachrichtenkonfektion erklären. Dazu passt, dass sich auch die fiktiven Geschichten immer öfter serienförmig zeigen. Oder leben wir tatsächlich in ereignisreicheren Zeiten, die alte Formen sprengen?
08 Juli, 2016
Französisches Doppel
Am 27. August 2016 gebe ich eine „Masterclass” auf dem Festival Premiers Plans d'Angers (wo ich 2003 meinen ersten langen Film gezeigt habe) und betreue als Mentor eine Handvoll von Nachwuchsprojekten.
Am 23. September 2016 diskutiere ich mit Alban Lefranc in den Laboratoires d'Aubervilliers über die erotischen Unterströme staatlicher Gewaltinszenierungen „zwischen Notstand und Notgeilheit”.
07 Juli, 2016
The Assassin
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| Qi Shu in THE ASSASSIN (Hsiao-Hsien Hou, Taiwan 2015) |
Warum hat mich THE ASSASSIN so unberührt gelassen? Schwer zu sagen. Ein Grund ist die titelgebende Figur, die Attentäterin. Buch und Regie geben ihr keine Eigenschaften, keine Beziehungen, kein Ziel. Ihr Handeln ist erratisch, ihr Kampfstil anonym. Die Inszenierung zielt immer wieder auf Demutsgesten ab, markiert Empfindsamkeit, aber die Bezüge bleiben vage. Dem Gesicht der Darstellerin fehlt es an Durchlässigkeit. Ihre – wie mir schien: sehr westliche – Schönheit ist keine Einladung, bleibt ohne Überraschung. Irritierender Weise ist die Erzählweise des Films so opak wie dieses Gesicht. Die Einstellungen stehen unvermittelt nebeneinander, die Montage geht über die Summe der Teile nicht hinaus. Der Film besteht aus Tableaus, Bilder, die aus einem Fotokalender stammen könnten. Ich meine das nicht verächtlich. Aber die Kamera ist eben kein Zeuge, nimmt nie die Perspektive einer Figur ein, „blickt” nicht. Es ist einigermaßen anspruchsvoll, der Handlung zu folgen, aber die Mühe wird nicht belohnt, die Sache wird nicht reicher, nicht komplexer in der Dauer. Und wenn ich jetzt, kaum zwei Tage später, über den Film nachdenke, habe ich nicht das Gefühl, dass sich die Erfahrung noch ausdehnt, eher habe ich Mühe, mich zu erinnern.
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