13 Juni, 2015

Sie lieben ihn ...



... von Herzen:


„Hochhäuslers ästhetische Souveränität findet in DIE LÜGEN DER SIEGER einen neuen Höhepunkt: Ohne Vorbehalte gegenüber Genre und dessen Überschuss erzählt er hier im Modus der Veruneindeutigung von einer sich langsam herauskristallisierenden Wahrheit, die unter den Mechanismen der politischen und journalistischen Kultur kaum ans Tageslicht dringen kann. Die von Reinhold Voschneider meisterlich fotografierten filmischen Räume sind unübersichtlich und verspiegelt, geradezu hypnotisierende Lichtreflexe verstärken die trotz aller Aufklärungsarbeit sanft ins Irreale entrückte Atmosphäre, die sich als Allegorie auf einen Medienbetrieb lesen lässt, dem zusehends die Perspektive aufs große Ganze abhanden kommt.” Thomas Groh, Indiekino


”Die Arbeitsabläufe mittels Monitoren, Tastaturen und Papieren – ein Mobile wechselnder Einblicke, hineinwehender Sätze – halten nicht fest, was sie ins Bewusstsein rufen; alles dreht sich wie auf Walzen, immer greift etwas ins Denken ein; wie bei einer Frequenzverschiebung ist da plötzlich ein Moment aus einem völlig anderen Film (Richard Brooks‘ „Deadline“): Das versetzt einen in Trance und in ein Fühlen, obwohl es vielleicht nichts zu fühlen gibt. Oder ganz anderes zu fühlen gäbe. Bis ein Bild bleibt, das keineswegs die Wahrheit ist.” Silvia Szymanski, Hard Sensations

„Zunächst einmal verfangen die Bilder. „Die Lügen der Sieger” verschlägt einem weniger wegen des Sujets die Sprache als wegen der traumwandlerischen Atmosphäre des Films, wegen des hypnotischen Flows aus Licht und Schatten, Schärfe und Unschärfe. Nachtbilder, Überwachungs-Bilder, Glasfassaden, Lichtreflexionen, Schlieren, Überblendungen, verzeichnete Konturen, keine Übersicht, nirgends. Die Macht ist obskur, die Wirklichkeit aus dem Fokus geraten, fragmentiert und entmenschlicht – und sie sieht wunderschön aus dabei. Eine derart stilsichere, das Geschehen wachsam scannende Kamera (Reinhold Vorschneider), eine derart superbe Montage (Stefan Stabenow) sind selten im deutschen Kino.” Christiane Peitz, Tagesspiegel

Einerseits frustriert Hochhäuslers Methode, beständig auf Details einer Realität zu verweisen, ohne diese in einen schlüssigen, als unsere tatsächliche Gegenwart erkennbaren Zusammenhang zu bringen. Andererseits schafft er auf diese Weise eine Atmosphäre, die anders mitnimmt, als es ein spannender Plot etwa über die aktuelle "Nasarbajew-Connection" je könnte. Naturalistische Dialoge, die absichtsvoll "nicht erklärend" gehalten sind, bilden zusammen mit den eingeblendeten Berliner-Straßen-Impressionen und einer Kamera (Reinhold Vorschneider), die Parallelfahrten bevorzugt, einen faszinierenden Mix aus Künstlichkeit und Realismus. Ein verwirrendes Spiel mit Innen- und Außenperspektive, bei der viel von außen in Fenster hinein und von innen aus Fenstern heraus gefilmt wird, evoziert die Allgegenwärtigkeit eines Sehens, das nicht gesehen wird.” Barbara Schweizerhof, taz


Die Lügen der Sieger ist also ein seltsam beängstigender Film: Man sieht in einem untergehenden Medium, dem Autorenkino, einer Geschichte zu, die von einem Medium im Augenblick seines Untergehens handelt – dem Enthüllungsjournalismus. In zwanzig Jahren werden die Jungen wohl mit beidem nichts mehr anfangen können. Aber es ist schön, dass sich Hochhäusler nicht davon abhalten ließ, seinen hellsichtig-resignativen Film zu drehen.” Peter Praschl, Welt am Sonntag


„Aber wer überwacht hier eigentlich wen? Natürlich spähen die Lobbyisten die Journalisten mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln aus. Aber auch die Szenen in den Büros und den Restaurants der Macht sind von diesen Überwachungsbildern geprägt. Die Verschwörung umfasst längst schon alle. Der Glaube, es gäbe die eine oder andere Seite, die jeder einzelne für sich wählen kann, ist in Hochhäuslers düsterem Panorama unserer heutigen Wirklichkeit nichts als eine Illusion. Ein Entkommen aus den Verstrickungen des modernen Lobbyismus scheint nahezu unmöglich. Fazit: Mit „Die Lügen der Sieger“ ist der Politthriller, dieses Vorzeigegenre des Kinos der 1970er Jahre, im 21. Jahrhundert angekommen.” Sascha Westphal, Filmstarts / epd film


Hier steht also immer auch die Frage im Raum: Worin besteht der Dienst, den der Journalist als Ermittler der Öffentlichkeit erbringt? Was will der Ermittlende sehen? Was will er als Wahrheit zulassen? Auch Bilder, wie sich in “Die Lügen der Sieger” zeigt, können diese fundamentalen Fragen der Journalismus-Philosophie aufwerfen. Hochhäuslers Bilder lösen sich auf, verschwimmen, werden von kühlen Lichtströmen durchzogen und vollführen immer wieder Wischbewegungen, wie man es von der Nutzung des Tablet-Computers her kennt. So wird sinnlich erfahrbar, was ein Ort weitreichender Veränderungen ist: die Nicht-Wissensgesellschaft.” Krystian Woznicki, Berliner Gazette


„If Hochhausler’s aim was to make a sexy, clever, thought-provoking arthouse genre movie, he’s certainly pulled it off. There are shades of Polanski’s The Ghost Writer here, but in fact this good-looking film’s core theme – the frustrations of serious, investigative news reporting in an age when budgets are tight, legal challenges rife and targets increasingly media-savvy – is more reminiscent of Season 5 of The Wire, as created by David Simon, whose terse summary of that wrap season could well serve as a logline for this Berlin-set drama: “it’s about what stories get told and what don’t and why it is that things stay the same.”” Lee Marshall, Screen International


”Inszenierung und Kamera sind von bestechender Eleganz. Mehr noch als in "Unter dir die Stadt" werden die Figuren immer wieder durch spiegelnde Scheiben gefilmt, wodurch die rastlosen Bemühungen der beiden Protagonisten etwas seltsam Entrücktes bekommen. Gespräche werden oft nicht in Schuss und Gegenschuss aufgelöst, sondern die Kamera gleitet über die Gesichter der Figuren oder zwischen diesen hin und her, wobei der Fluss von abrupten Schnitten unterbrochen wird. Die Agentur, in der sich die Lobbyisten organisieren, wird in bläulichem Licht gehalten. Einmal ist ihre Büroetage von außen zu sehen, ein unheimliches Zentrum der Macht inmitten des anonymisierten urbanen Raumes. Bei einem Gespräch von einem von ihnen mit einem Minister verhindert die Lichtsetzung, dass man die Gesichter ganz erkennen kann. Die beiden werden zu albtraumhaften Schattengestalten.” Nicolai Bühnemann, Filmgazette


„Das Resultat erinnert in seiner Unbestimmtheit atmosphärisch an Antonionis „Blow up“, was in der Kombination mit Sphären des Politischen und der Öffentlichkeit schlüssig und auf der Höhe der Zeit erscheint, dem Zuschauer aber eine forcierte Verunsicherung zumutet. Selbst das ohnmächtige Mitansehenmüssen der Ermordung des Protagonisten in klassischen Polit-Thrillern hatte immerhin noch das Scheitern einer zutreffenden Recherche auf der Habenseite. Der potentiell aufklärerische Impuls blieb letztlich intakt und wurde an die Zuschauer weitergereicht.” Ulrich Kriest, Filmdienst


„No badges are flashed, there are no guns, no arrests. Victors is a reminder that democracies are dysfunctional at best without a robust press and yet, as the editor of Die Woche notes, the magazine’s heyday lies in the distant past. Resources are thin and growing thinner. Most crucially, Hochhäusler keeps Victors honest. Berlin, even as marvelously shot as it is by cinematographer Reinhold Vorschneider, looks like Berlin, neither a romanticized metropolis nor a noirish underworld. The pace is quick but decisive moments aren’t unrealistically bled for the sake of suspense.” David Hudson, Keyframe Daily


„...gutes, altes, großes Kino auf der Höhe der Zeit (...) ein mit ausladenden Kamerabewegungen souverän hingestellter und musikalisch kongenial unterstrichener Politthriller aus der deutschen Gegenwart, in dem sich ein ambitionierter Magazinjournalist (...) im Netz einer Intrige verfängt. Isabella Reicher, Der Standard


„Pures Genrekino, Abteilung Thriller (...) Hochhäusler geht es nicht um die strenge Politkeule, sondern um einen Film, der sich mit den Widersprüchen des Prinzips „Öffentliche Meinung” beschäftigt. „Die Lügen der Sieger” erzählt von den Wegen und Irrwegen, auf denen Meinungen sich heute bilden und gesteuert werden.” David Steinitz, Süddeutsche Zeitung


„Man kann dem Film (...) vorwerfen, dass er die Geschichte, der das Reporterduo Groys und Nadja nachspürt, mehr und mehr aus den Augen verliert – weil er den Kinozuschauer, statt ihn mit einer Krimiauflösung zu beruhigen, lieber mit einer Lektion über das Misstrauen zwischen Menschen und über die Verbrecherrolle der Politiklobbyisten aus dem Zuschauerraum entlassen will. Zum Glück begreift Hochhäusler den Beruf des Regisseurs dann doch weniger als Job eines Predigers denn als Mission eines Visionärs. Für eine Welt, die alles in allem ein Löwenkäfig ist, wie uns dieser Film weismachen will, findet „Die Lügen der Sieger” nicht nur finstere, sondern auch verblüffend schöne Bilder.” Wolfgang Höbel, Der Spiegel


Die Story, an der sich Groys und Nadja entlanghangeln, ist aktuell, sie ist relevant; und sie ist manipuliert, man weiß es, man sieht es, wie die Lobbyisten die Journalisten zu ihren Marionetten machen, und obwohl, nein: weil man es weiß, erfüllt Hochhäusler die Vorgaben an Spannung und an Enthüllung über die Verhältnisse, die ein Politthriller, wenn er denn tatsächlich als solcher gelten möchte, erfüllen muss: dem Zuschauer die Augen öffnen, ohne sein Unterhaltungsbedürfnis zu hintergehen.” Harald Mühlbeyer, Kino-Zeit.de 


„Sowas kann doch kein richtiger Politthriller sein? Vielleicht, aber gerade das macht "Die Lügen der Sieger" so spannend. Wenn die Lobbyisten hinter Glasfassaden tagen, mag das nach Transparenz aussehen, das Gegenteil ist der Fall. Wenn Fabian sich mit seinem Gewährsmann im Park trifft, wähnt er sich verschwiegenen Fakten auf der Spur, dabei ist er selbst es, der überwacht wird. Wenn er das Handy ablegt, werden sofort seine Daten gezogen, und der Rechner in der Redaktion ist sowieso manipuliert. Kameramann Reinhold Vorschneider findet flirrende Bilder für die permanente Bedrohung im modernen Überwachungsstaat und sprechende Kontraste für die Spielerwelten, in denen Fabian sich bewegt” Gabriele Schoder, Badische Zeitung


„...inszeniert Hochhäusler mit beunruhigend ungewöhnlichen Perspektiven, raffiniert kribbelig machendem Soundtrack und unruhigem Schnitt. Während US-Thriller mit ähnlichem Sujet („Staatsfeind Nr. 1") mit einem Overkill an Überwachung und Tricks beeindrucken, es aber am Ende alles wieder gut sein lassen, bleibt hier eine tiefe Verstörung. Die Irritation im Detail verwebt sich mit einer hinterhältigen Geschichte zu einem ungewissen Gefühl, dass da draußen Einiges ganz und gar nicht stimmen könnte. So ein Antiklimax, wirkungsvoller als das übliche Happy End, erfordert Mut und Können. Hochhäusler beweist wieder einmal beides.” Günter H. Jekubzik, FILMtabs


Eine Figur, wie das Genre-Kino sie braucht: charismatisch, arrogant und mit seelischen Abgründen. Und: Die Hauptfigur des besten deutschen Polit-Thrillers seit Jahren. 

"Die Lügen der Sieger" von Christoph Hochhäusler ist so großartig, weil er Genre-Erwartungen ernst nimmt. Und sie dann, wie alle intelligenten Polit-Thriller, unterläuft. Zum Helden bringt es dieser Fabian Groys nämlich nicht. Die Zeiten, in denen Reporter Polit-Skandale aufdeckten und damit die Demokratie retteten - wie in dem Klassiker "Die Unbestechlichen" von 1976 - sind hier längst vorbei. Zu unübersichtlich und fragmentiert der politische Raum, zu undurchsichtig die Motive der Handelnden, zu viele Unbekannte im Spiel.” Oliver Kaever, Spiegel Online


...mit Schmerzen:


Hoch­häusler komplexer, hervor­ra­gend gefilmter Film inter­es­siert sich dafür, wie man Eindrücke zu einer Erzählung verdichtet, für Wirk­lich­keit als Konstruk­tion. Der Regisseur stellt die Frage, was eigent­lich wirklich ist? Man kann ihm vorwerfen, dass es Wahr­heits­an­sprüche allzu leicht­fertig preisgibt, dass er mit dieser sehr allge­meinen Form der Kritik feine, aber entschei­dende Unter­schiede eher verwischt, und der Paranoia des Publikums auch Vorschub leistet, dass sein Gegen­ent­wurf auf die Aussage hinaus läuft, dass man nichts mehr glauben soll, was in der Zeitung steht.” Rüdiger Suchsland, Artechock


„Man möchte Florian David Fitz und Lilith Stangenberg schütteln, um ihnen die Energie einzuverleiben, die ihnen Drehbuch und Regie nicht geben können – während die Nebenfiguren allesamt elektrisieren. Umso erstaunlicher ist es, dass ein Film, dessen wichtigste Gestalten sich nicht mit Leben füllen, dennoch so intensiv in Erinnerung bleibt. Das mag, wie gesagt, an der überragenden visuellen Gestaltung, an Schnitt und Kamera liegen. Aber auch am geradezu tragischen Scheitern des Helden.” Katja Nicodemus, Die Zeit


„Doch diese etwas zu konstruierten Momente verblassen hinter den Qualitäten eines Films, der es wie kaum ein anderer deutscher Film der letzten Jahre wagt, sich mit der politischen Gegenwart zu befassen und zu zeigen, dass auch die deutsche Wirtschafts- und Politelite nicht vor Machtmissbrauch und korrupten Methoden zurückschreckt. Und vor allem, dass auch das deutsche Kino dazu in der Lage ist, einen packenden Polit-Thriller zu drehen.” Michael Meyns, Programmkino.de


„Im Rahmen dessen, was man nicht mehr „Berliner Schule” nennt, ist Hochhäuslers Film insofern etwas Besonderes, als er nicht auf stilistische Reduktion setzt, sondern auf die autonome Ausformung und Differenzierung seiner Bestandteile. Am auffälligsten betrifft das die Kameraarbeit von Reinhold Vorschneider: Immer wieder anders werden Dialoge aufgelöst; Schuss und Gegenschuss sind seltene Ausnahmen; häufiger zieht die Kamera von links nach rechts an zwei Sprechern vorbei, um nach einem Schnitt wieder an derselben Stelle mit derselben Fahrt zu beginnen (...) Autonom entwickelt sich auch die wunderbare Filmmusik von Benedikt Schiefer – leider hört man derart moderne und expressiv vielfältige Klänge viel zu selten. Autonom schliesslich – und das ist wirklich kurios – stehen die Figuren der Handlung gegenüber, und spätestens damit wird der Film schwer auffassbar.” Peter Uehling, Berliner Zeitung


A very spatially attuned director, Hochhäusler makes the viewer acutely aware of Berlin in general and the specific physical structures of each scene, letting the camera lingeringly explore a hanger or spin around a car – the camera sometimes seems more interested in setting than characters. But more than physical structures, or individuals, Hochhäusler seems interested in large-scale economic structures and how vulnerable our system makes us to the deceptions of states and major corporations.” Joe Blessing, Stagebuddy


„Hochhäusler ist im deutschen Kino eine Ausnahmeerscheinung: ein Filmemacher, der in Bildern denkt und das Kino tatsächlich noch als Erzählmedium versteht. Seine Kinobilder fungieren nie als Beweisketten, die lediglich plot points verbinden, vielmehr erschließen sie gesellschaftliche Zusammenhänge erst. (...) Doch so überzeugend Hochhäuslers Inszenierung von den klandestinen Herrschaftsverhältnissen auch ist, es hapert in „Die Lügen der Sieger” vor allem an der Erzählmatrix. Als procedural im Stil des Watergate-Thrillers „Die Unbestechlichen” oder der HBO-Serie „The Wire” interessiert sich der Film zu wenig für die journalistische Arbeit. Karikaturenhaft klingen die Dialoge zwischen Starreporter Groys und seinem Chef, peinlich mitunter die Wortgefechte zwischen Groys und seiner Volontärin...” Andreas Busche, Konkret


„...dass es Hoch­häusler nicht nur um eine Kritik unserer wirt­schafts­po­li­ti­schen Realität und der Glaub­wür­dig­keit medialer Wahr­heiten geht, sondern auch um die Dekon­struk­tion des Genres Polit-Thriller: Da, wo gemeinhin das Tempo angezogen wird, verlang­samt Hoch­häusler; da, wo sonst Fakten stehen, gibt es plötzlich Leer­stellen und da, wo stan­dard­mäßig eine tiefere charak­ter­liche Schraffur erwartet wird, operiert Hoch­häusler mit dem Radier­gummi. Hoch­häusler schafft damit eine zusätz­liche, völlig über­ra­schende, höchst subver­sive und kluge Meta- und Refle­xi­ons­ebene und distan­ziert sich damit von im Ansatz ähnlichen und ebenfalls ambi­tio­nierten, poli­ti­schen Produktionen (...) Doch der Preis ist hoch, denn gleich­zeitig entzieht er seinem Plot damit die im Kern angelegte, pulsie­rende Kraft und die für einen enga­gierten, poli­ti­schen Film zwin­genden Iden­ti­fi­ka­ti­ons­ebenen.” Axel Timo Purr, Artechock


„Aber Hochhäusler schafft es, mit visuellen Mitteln von Beginn an eine Atmosphäre der Ungewissheit und latenten Bedrohung zu erzeugen. (...) Es sind solche Momente und Pointierungen, es ist das Gespür für gute Schauplätze, die man sogar in Berlin noch finden kann, es ist die ganze Bildsprache des Films, die immer wieder über die Schwächen des Plots hinweghilft.” Peter Körte, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung



... ein wenig:


„...Stereotype durch und durch, zwar bewusst stereotyp und sich des wissenden Zuschauers bewusst („ihr wisst, dass ich weiß, dass ihr jetzt ‚stereotyp‘ denkt“), aber die Frage „What’s the point?“ bleibt trotzdem im Raum. Denn für einen Durchbruch zu richtigen Genrefiguren sind sie dann doch noch zu realitätsverhaftet, wirken aber auch nicht wie Leute, die Genrefiguren imitieren, eigentlich sind sie vor allem erschöpft, und etwas blass. Wenn Fabian jedenfalls mitten im Arbeitsgespräch in Gedankenblitzen heiße Küsse mit Nadja imaginiert oder der Smalltalk an der Currywurstbude mit freejazzigen Klängen verfremdet wird, dann fühlt sich das ein wenig so an, als ob Hochhäusler seine eigene Filmsprache wie eine Fremdsprache spricht.” Maurice Lahde, critic.de


„Das große Problem von Die Lügen der Sieger ist letztlich, dass diese Bilder, diese Montage, diese Musik allesamt viel klüger sind als der Plot und das Drehbuch. Dieses Buch, das Hochhäusler zusammen mit dem Schriftsteller Ulrich Peltzer geschrieben hat, liebt die schwarz-weißen Gegensätze und weiß zu jedem Zeitpunkt, wie Gut und Böse verteilt sind; es ist grobschlächtig und besserwisserisch. Alles, was an den Bildern und Tönen fein und differenziert ist, die nervöse Spannung und diffuse Alarmbereitschaft, die von ihnen ausgeht, droht das Drehbuch tonnenschwer hinunterzuziehen. Schade.” Elena Meilicke, Der Freitag


„...hat auf visueller Ebene internationales Niveau. Kameramann Reinhold Vorschneider (...) kreiert mit dunklen Farben und schwachen Kontrasten eine wabernde Atmosphäre. Auch die Zuhilfenahme von Spiegelbildern, eingeschobenen Szenenmontagen sowie in der Position eines Voyeurs verharrenden Aufnahmen erhalten die paranoide Atmosphäre aufrecht. Hätte sich Hochhäusler auf das sukzessive Zustandekommen einer waschechten Skandalstory konzentriert, hätte «Die Lügen der Sieger» vermutlich sämtliche Chancen auf nationale Kritikerpreise. Doch leider versucht sich der Filmemacher an verschiedenen Ansätzen und nutzt Einschübe ob Fabians Spielsucht, um den dynamischen Filmverlauf noch weiter voranzutreiben. Leider ist genau das Gegenteil der Fall: Szenen, in welchem Groys‘ nächtliche Zockereskapaden zu einer besseren Einordnung von Fabians Seelenleben genutzt werden, hemmen das ansonsten schnörkellose Treiben und erfüllen darüber hinaus nicht einmal ihren Zweck.” Antje Wessels, Quotenmeter


„Although the film is too crammed with plot, which becomes unwieldy in the first half and could use some editorial tweaking, its themes gradually meld together as a hip newshound discovers he’s been led a merry dance during an investigation of slush funds and toxic-waste disposal. Damning the culture of lobbyists, as well as the way truth is circumvented or ignored when inconvenient, “Lies” gets bogged down by Hochhaeusler’s tendency to show off, yet remains a solid, absorbing drama that could see decent Euro returns.” Jay Weissberg, Variety


„It’s a fairly classic setup underlining the collusion between ministry and industry, although Hochhausler and co-writer Ulrich Peltzer throw a few bogies our way, giving the corporate baddies enough technical wizardly to take the upper-hand at almost every step. (...) While the story generally remains intriguing, even if the message is nothing new (i.e. Big Business = Satan), Hochhausler adds plenty of stylistic flourishes to keep up the pace, with DP Reinhold Vorschneider (The Robber) constantly pivoting his camera back and forth, or in 360° circles, to provide a flurry of movement in front of the lens.” Jordan Mintzer, The Hollywood Reporter


„Und das sieht wirklich recht gut aus. Hochhäusler, einer der Hauptvertreter der sogenannten Berliner Schule, kreiert einen international anmutenden Film, der trotz kühl entsättigter Farben weniger beengt daherkommt als für diese Schule üblich. An manchen Stellen ist der durch und durch pessimistische Film sogar fast leicht, gar fröhlich. Meist geht es dann um sexuelle Spannungen zwischen dem Reporter und der Volontärin. Das hält natürlich nicht lange an. Denn auch wenn der Regisseur „Die Lügen der Sieger” seinen ersten Genrefilm nennt, wird man doch immer wieder an seine Ursprünge erinnert.” Felix Zwinzscher, Die Welt



... oder gar nicht:

„Geschichte wird aus den Lügen der Sieger gemacht, Filme aus den Lügen der Regisseure. Aber sie müssen gut sein. Christoph Hochhäuslers Lügen wirken oft kokett, selbstbezogen, wie ein Buch, in dem die Fußnoten größeren Raum einnehmen als der Text. Hochhäusler kann einen Flur vor einem Konferenzsaal aussehen lassen wie den Gang eines Raumschiffs. Aber in der Welt jenseits des Flurs wirkt sein Film so unbeholfen wie ein Außerirdischer mit einem sehr großen Kopf und einem kleinen Körper. Er denkt wie ein Weltmeister. Und er spricht wie ein Schüler. Das ist nicht genug.” Andreas Kilb, Frankfurter Allgemeine


„Das Problem ist nun nicht, dass manche Szenen handwerklich einfach misslingen und die Zuschauer auf eine falsche Fährte führen. Das kann auch viel größeren Regisseuren passieren. Das Problem ist, dass diese Szene [der FB-Chat im Auto], die nichts entscheidendes erzählt und komplett verzichtbar wäre, in dem fertigen Film, wie er jetzt ins Kino kommt, immer noch drin ist. Und das ist dann der Moment, wo man am deutschen Kino wieder einmal verzweifeln möchte. Wir bräuchten Cutter in diesem Land, die solche Dinge bemerken und gar nicht erst durchgehen lassen. Wir bräuchten Produzenten mit der Macht, derart verunglückte Ideen aus einem Film hinauszuwerfen, selbst wenn der Regisseur sie verzweifelt verteidigt.” Tobias Kniebe, Süddeutsche Zeitung


„...Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht: Die Enthüllungen fügt Hochhäusler gar nicht schlüssig zusammen, ihn interessiert mehr, wie Medien zu Marionetten werden. Dafür geht er aber zu angestrengt locker und kühl verspielt vor, gleichzeitig zu abgehoben mit künstlich anmutender Kadrage. Das redet und filmt enervierend lange um den heißen Brei herum und tut sehr mysteriös-konspirativ. Zugleich bedient es sich fader Genre-Elemente, etwa Florian David Fitz (...) als verschuldeter Zocker und Einzelgänger. Das überflüssige Verhältnis mit seiner Volontärin ist der Qualität ebenfalls abträglich.” Gnaghi, Komm und Sieh


„An Nihilismus mangelt es Regisseur Hochhäusler also nicht, so offen er die Wirkung von Presse und Wahrheit lässt. Immerhin bestätigt er, dass Mächte mit nicht allzu ethischen Absichten hinter der Regierung lauern. Seine These hält sich aber oberflächlich; manch einer könnte ja auch am Spekulativen hadern, drum vermeidet er direkte Auflösungen der politischen Infrastruktur. Wer weiß, ob das simple narrative Konstrukt überhaupt mehr tragen könnte, wo es doch schon mit beinahe ironischer Unnatürlichkeit, Prävention und Trivialität gefüttert wird.” Christian Witte, Cereality.net


„Sehr schnell schiebt Autor und Regisseur Christoph Hochhäusler eine Demonstration des Filmemachens vor den Stoff. Die Kamera beobachtet Fabian und Nadja aus bizarren Blickwinkeln. Oder sie pendelt lange und aufdringlich zwischen ihnen, damit man sich auch ganz sicher an den Godard-Streifen erinnert, in dem das einmal bezaubert hat. Wenn Nadja mit rotem Kussmund und auf die Wagenfarbe abgestimmter Kleidung mit Fabian im Porsche durch Berlin gleitet, ist nur noch die Auratisierung eines längst vergangenen Kinos wichtig.” Tsch, Showbiz.de


Hollywoods Politthrillern gelingt es immer wieder, auch wilde Verschwörungstheorien plausibel erscheinen zu lassen. Hochhäusler aber hat, obwohl er die Stilmittel zitiert, nichts im Sinn mit dieser Art von Geschmeidigkeit. „Die Lügen der Sieger“ ist ein Film so voller Widersprüche, dass man beim Zuschauen kaum umhin kann, eigene Verschwörungstheorien zu entwickeln.” Daniel Kothenschulte, Frankfurter Rundschau


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Ich werde versuchen, die markantesten Stimmen hier (unregelmässig) nachzutragen. Die Einordnung zwischen „von Herzen” und „oder gar nicht” stammt von mir. Wer sich falsch eingeordnet fühlt, kann gerne Bescheid sagen.

12 Juni, 2015

no place like home

Wenn man anfängt, denkt man, das, was man gerade macht, sei eine beinahe beliebige Probe des Möglichen, die von den größeren Taten der Zukunft bald überschattet sein wird, und dass man nicht nur noch viele weitere Projekte, sondern vor allem auch Filme aller Art, in den unterschiedlichsten Tonarten und Genres wird machen und meistern können. 

Später, oft unmerklich, verengt sich die Perspektive, Schubladen tun sich auf, man soll "eine Marke" werden und muss lernen, die eigenen Grenzen zu akzeptieren. Das wäre vielleicht eine taugliche Definition von Reife: seine Grenzen kennen, und trotzdem nicht vor ihnen zurückweichen. 

Aber nicht nur die eigenen Grenzen schieben sich in den Vordergrund, auch die gesellschaftlich bedingten werden konkreter, oder jedenfalls lichtet sich der Nebel mitunter so, dass wir die Umrisse des Möglichen erahnen können. 

Es ist die (zwiespältige) Gnade demokratischer Verhältnisse, dass wir diese Grenzen kaum je nackt vor uns stehen sehen, denn natürlich ist immer zu wenig möglich, erwünscht, finanzierbar. Kunst entwickelt Kante in der Reibung mit den Tabus und Verboten ihrer Zeit. 

Wenn ich mit meiner Familie über Film spreche, dann oft in der Form eines – utopischen – Wunschkonzerts. „Mach doch mal einen Film über …” , sagen sie dann, eine Komödie, einen Kinderfilm, etwas mit Rittern, und dieses Zutrauen und auch die Robustheit dieser Wünsche gegenüber meinen eigenen künstlerischen Interessen (und den Bedingungen meiner Arbeit) rühren mich.

Auch in der größeren Familie des deutschen Kinos gibt so eine Wunschhaltung, allerdings weniger wohlwollend und mit weniger Vertrauen in meine Möglichkeiten. „Bitte eine richtige Geschichte...” heißt es dann oft, „Bitte nicht so anstrengend/ so prätentiös” und natürlich: „Nicht schon wieder Berliner Schule”. 

Der letzte Satz ist sozusagen der Klassiker, ich habe ihn immer wieder gehört - von Redakteuren, Produzenten, Kritikern, Zuschauern, Kollegen. Als vor zwei Jahren im MoMA die Filme der Berliner Schule gefeiert wurden, war die Reaktion in Deutschland eine Art Stoßseufzer. Die Musealisierung schien zu belegen, worauf alle gewartet hatten: das Ende. 

Also gut, die Schule ist aus. Jetzt kann es richtig losgehen. Mein neuer Film ist „eine Art Politthriller”, sage ich, wenn ich gefragt werde. Anders als von anderen Künstlern wird vom Filmemacher stets erwartet, dass er seine Werke kategorisiert. Aber kann man einen Politthriller machen, obwohl dieses Genre in Deutschland keinen Boden hat? 

Einerseits: ja, natürlich, warum nicht, was kümmern mich Genre-Etiketten, irgendwo muss man anfangen. Mein Olymp ist frei gewählt. Andererseits: nein, ein Genre entwächst dem kollektiven Unbewussten, braucht das Schwären einer Wunde und kommt erst in der Wiederholung zu sich. 

Unwahrscheinlich, dass „Deutschland” (oder eben jener kleine Teil der Bevölkerung, der in diesem Land ins Kino geht) auf meinen Film gewartet hat. Eher rechne ich mit dem Gegenteil: ich wollte den Film ja machen, um Bewusstsein zu schaffen. Aber so einfach ist es nicht mit der Kommunikation. Ein Thema muss „reif” sein. Wenn es überreif ist, nennt sich die Veröffentlichung „Skandal”. Das ist der Glücksfall.

Nach einer Vorführung meines Debütfilms wurde ich aufgeklärt. Ein Redakteur nahm mich beiseite, wohlwollend, so in etwa: Kino alles gut und schön, aber der Tatort sei die „Königsdisziplin”. Wer brav ist, darf einen machen. Ich bin nicht sehr Krimi-affin, ganz ehrlich. Immer dieses „Eine Leiche, wer war’s?”. 

Aber was ich jetzt erst verstehe: dass dieses Genre eine Art Heimat ist für viele, viele. Die Leute wollen es sehen, versammeln sich am Lagerfeuer dieser immer gleichen Geschichten, diskutieren die Folgen, twittern und schreiben darüber, der Spiegel macht den „Fakten-Check”. 

10 Millionen Zuschauer an einem Wochenende: davon kann das deutsche Kino nur träumen. Auch deshalb ist die Ankündigung, Tatort-Ermittler ins Kino zu schicken, irritierend. Gut, auch Schimanski war mal auf Leinwand, aber zuhause (vor dem Fernseher) wollen die Deutschen doch sehen, wie alles in Ordnung kommt, wieder und wieder, das Kino dagegen ist „eine erotische Angelegenheit” (A. Kluge), gefährlich. 

Nur die Mutigen trauen sich in die Höhle des Kinos, denn es könnte sein, dass sie etwas sehen, was sie nie mehr vergessen können...

07 Juni, 2015

Termine Kinostart


Ein paar Termine im Zusammenhang mit DIE LÜGEN DER SIEGER: morgen, Montag, den 8. Juni um 20 h findet in Essen (Lichtburg) um 20 h die große Kinopremiere mit Gästen statt (darunter Florian David Fitz, Lilith Stangenberg, Arved Birnbaum, Jakob Diehl). Am Dienstag und Mittwoch, den 9. + 10. Juni stelle ich den Film in Madrid vor, zusammen mit Lilith Stangenberg. In der Woche darauf werde ich die Vorpremieren in Freiburg (15. Juni, 19 h, Harmonie), Hannover (16. Juni, 20.45 h, Kino am Raschplatz) und Braunschweig (17.Juni, 20 h, C1 Cinema) besuchen. Am 18. Juni startet der Film bundesweit, in welchen Kinos erfährt man hier. Am 27. September stelle ich den Film in Marseille vor, am 18. November startet er dann regulär in Frankreich unter dem Titel LES AMITIÉS INVISIBLES.

Website. Facebook. TwitterTrailer.


04 Juni, 2015

Kinoliste

In diesen Kinos wird mein Film DIE LÜGEN DER SIEGER zu sehen sein ab 18. Juni:


(Es kann natürlich noch zu Änderungen kommen.)

21 Mai, 2015

Unter Tage

Ist Bloggen „vorbei”? Für mich durchaus nicht, aber im Sinne direkter Resonanz vielleicht. Hier jedenfalls hat es seit langer Zeit keine Kommentare mehr gegeben, ohne dass sich die Klick-Zahlen merklich vermindert hätten. Die Debatten oder flüchtigen Kommentar-Ping-Pongs sind in die sozialen Netzwerke abgewandert, zu Facebook größtenteils, wo ich seit kurzem auch solo zu finden bin (die Facebook-Seite von Revolver pflege ich schon länger).

Richtig glücklich bin ich darüber nicht. Auf Facebook kann man sich spontaner äussern, ja, aber es ist eine Öffentlichkeit zweiter Ordnung: Mich stören die Zugangsbeschränkungen und undurchsichtigen Interessen des Betreibers, die jedes Mitglied zum unbezahlten Arbeiter einer Datenmine machen. Mich stört auch die Bestätigungsökonomie, die einer Logik der Überwachung folgt. Und natürlich ist das Ausmass an Nichtigkeiten, denen man sich unwillkürlich aussetzt, riesig. Wenn man sich bewusst macht, wie eng die Grenzen unserer Aufnahmefähigkeit sind, muss man darin ein gefährliches Moment der Entpolitisierung erkennen, den vielen weltverbesserischen Posts zum Trotz.

(Demnächst mehr)

18 Mai, 2015

Bekenner


Lese eben, dass mein Film FALSCHER BEKENNER (2005) im Rahmen des sogenannten „Lola-Festivals” zu sehen sein wird, auf Vorschlag von Edward Berger.

Am 30.05.2015 um 16 h in der Astor Film Lounge (Berlin).

06 Mai, 2015

La Cinetek


Laurent Cantet schrieb mir kürzlich, ob ich Lust hätte, zusammen mit Regie-Kolleg(in)en aus der ganzen Welt „1000 Filme des 20. Jahrhunderts” auszuwählen, die auf einer neuen VoD-Plattform einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Jeder sollte 50 Filme benennen, die für sie oder ihn persönlich wichtig sind, um so „die Liebe zum Kino” zu befördern. Am 20. Mai wird das Projekt La Cinetek, das ab Herbst in Frankreich, später überall auf der Welt „sehr preiswert” abrufbar sein soll, in Cannes vorgestellt. 

26 April, 2015

Kinostart


Mein Film DIE LÜGEN DER SIEGER startet am 18. Juni 2015 in den deutschen Kinos, im Verleih der NFP. Trailer. WebsiteFacebook. TwitterKinoliste.

Erzählt wird die Geschichte einer Täuschung. Ein Journalist (Florian David Fitz) und seine junge Kollegin (Lilith Stangenberg) geraten während einer Recherche ins Machtfeld einer Lobby. Statt auf Konfrontation setzt die Gegenseite auf die Sehnsucht nach der perfekten Story...

In weiteren Rollen: Horst Kotterba, Ursina Lardi, Gottfried Breitfuss, Arved Birnbaum, Jean-Paul Comart, Zinedine Soualem, Jakob Diehl, Karl Fischer, Irina Potapenko, Seyneb Saleh, Cornelius Schwalm, Thilo Werner u.a.


Produktion: Bettina Brokemper. Regie: Christoph Hochhäusler. Drehbuch: Ulrich Peltzer, Christoph Hochhäusler. Kamera: Reinhold Vorschneider. Szenenbild: Renate Schmaderer. Kostümbild: Peri de Bragança. Schnitt: Stefan Stabenow. Besetzung: Ulrike Müller. Musik: Benedikt Schiefer.

Trailer

15 März, 2015

Hipster?

Was ist ein Hipster? Ich etwa: Ein wendiger Großstädter, der sich über ein Code-Set definiert, das er sich mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter teilt, wobei dieser Dress- Sprech usw Code sich in einem gleichbleibendem Abstand zum Mainstream befindet; auf diesen zwar wirken möchte, aber nie mit ihm zusammenfallen darf. 

Interessanterweise gibt es zwar eine Menge Hipster in der deutschen Filmszene, aber keine hippen Filme. Jedenfalls fällt mir kein Beispiel ein. Warum ich das als (selbstdefinierter) Anti-Hipster bedauere? Weil ich gegen ein (gut) schaumschlagendes Kino weniger einzuwenden habe als gegen den simulierten Tiefgang. Ich vermisse ein Interesse an Oberflächen, die ganz unserer Zeit gehören.

Da fällt mir Frieda Grafe ein, die über Ernst Lubitsch schrieb:
„Mode ist nicht Nachahmen zuerst, sondern Wechsel. Lubitschs bevorzugter Drehbuchautor in Hollywood, Samson Raphaelson, erinnert sich, dass Lubitsch bei jedem Einfall immer zuerst sich vergewisserte, ob es auch ›different‹ sei - was anderes. So kommt es zu dem mechanischen Rhythmus seiner Filme; die Formen schnurren ab, als brauchten sie sich um Inhalte nicht zu kümmern.”
„Lubitschs Filme sind gemacht wie Mode und wirken wie Mode. Sie sind verführerisch. Sie wecken Wünsche und Lüste. Er demonstriert von innen, mit den Mitteln des Kinos, unsere Anfälligkeit für Ansteckung. Er zeigt ganz unverblümt, dass davon das Kino lebt. Wünsche und Lüste in der industriellen Gesellschaft sind nicht natürlich, sie sind berechnet.”

Ich will nicht behaupten, dass Lubitsch ein Hipster war. Aber seine Filme, besonders natürlich die „Sex Comedies” der 30er Jahre, entfalten ihre Raffinesse ganz an der Oberfläche ...

11 März, 2015

Schlachtplatte


SCHLEPPZUG M17, Heinrich Georges einzige Regiearbeit, funktioniert wie eine Schlachtplatte. Alles wird (nebeneinander) serviert, auch die Innereien. Der Film selbst ist aus den Fugen, die Nähte sind schmutzig. Da ist das herbe Idyll der Flussfahrt. Das City-Girl, das, wie in Murnaus SUNRISE, vorschlägt, man könnte die Ehefrau verunglücken lassen. Da sind die Stadtmontagen, die zwischen Rhythmus (Ruttmann) und Verité (Menschen am Sonntag) schwanken. Und da ist, als Magnet, als Zentrum, Georges Henner, ein Verlorener, noch bevor er der aparten Diebin verfällt.

Heinrich George war das, was man im Süddeutschen ein „gestandenes Mannsbild” nennt: nicht so sehr dick als „stark” (das war das Wort, wenn meine Großmutter anerkennend von schweren Männer sprach), im Spiel proletarisch breit, fast schmierenhaft, aber ein Genie darin, mit seinem Publikum „intim” zu werden. Es ist, als könnte man ihn riechen. Ekkehard Knörer hat seinen Stil kürzlich mit flacher Klinge als „Sentimentalitätsschauspielerei” abgewehrt, aber wie immer man Georges unreines, instinktnahes Spiel nennen möchte, mich elektrisiert es:

Wie er seine Pranke um die Hüfte der jungen Frau legt und wie ihm die gleiche Hand später zum Pfötchen wird, das einen Ballon hält, Luftschlangen im Haar. Seine wässrigen Hundeblicke, die den Abgrund der Enttäuschung offenbaren, weil die Befriedigung nicht von Dauer ist, weil der Hunger bleibt. Die Kraft und die Ohnmacht, die bei ihm kindisch zusammen gehen, nicht nur in diesem Film...

SCHLEPPZUG M17 ist am kommenden Samstag, 14.03.2015, 19 h, noch einmal im Zeughaus Kino zu sehen (als Teil der Werner Hochbaum Reihe; Hochbaum hat einige Zusatzaufnahmen für den Film gemacht). Im Zuge des 14. Hofbauer-Kongresses wurde zuletzt leidenschaftlich über den Film geschrieben, so von Sano CestnikOliver Nöding, Udo Rotenberg und Michael Kienzl.

07 März, 2015

Stateside

DIE LÜGEN DER SIEGER

Am 22. März 2015 wird DIE LÜGEN DER SIEGER in Boston zu sehen sein (Cooldige Corner Theatre), am 10. + 11. April werde ich meinen Film dann in New York (Cinema Village) persönlich vorstellen. Aus diesem Anlass findet am 11. April im Deutschen Haus ein Gespräch zwischen mir und der Künstlerin/Filmemacherin Amie Siegel statt. Thema ist Berlin im Spiegel des Kinos. Was uns insbesondere interessiert ist die Frage, wie man Stadt filmen kann, und welches Bild von Stadt die Berlin-Filme quer durch die Zeiten und Systeme produziert haben. Amie Siegel hat sich intensiv mit Berliner Filmgeschichte auseinandergesetzt, u.a. in ihrer schönen Arbeit „Berlin Remake”. DIE LÜGEN DER SIEGER ist der erste meiner Filme, der in Berlin spielt. Moderiert wird die Veranstaltung von Ulrich Baer.

Sergei Loznitsa - Facing History



Am 17. März mache ich im Roten Salon ein Revolver Live mit dem russisch-ukrainischen Regisseur Sergei Loznitsa. Aus dem Einladungstext:

„Von der „Vergangenheitsbewältigung” hierzulande wird oft behauptet, sie sei vorbildlich und einmalig. Sieht man einmal nur auf die Spielfilme, die in Deutschland zum Thema NS-Diktatur entstanden sind, kommt man zu einem anderen Schluss. Die stärkste Tendenz könnte man als Romantisierung der Ausnahme beschreiben. Besonders populär sind Geschichten, die den Krieg als „Schicksal“ beschreiben, in dem alle Opfer sind. Filme, die versuchen, die deutschen Verbrechen direkt zu adressieren, sind einsame Ausnahmen. 

Sergei Loznitsa, der seit 2001 in Deutschland lebt, hat sich in seinen Dokumentar- („Blockade”, „Die Vorstellung”, „Maidan") und Spielfilmen („Im Nebel”) immer wieder mit Geschichte konfrontiert. Die Vergangenheit ist für ihn „keine Schatztruhe, aus der man sich bedienen kann”, sondern „Bedingung unserer Gegenwart”, die es zu verstehen gelte. Anhand einiger Ausschnitte möchte ich mit ihm über die Frage diskutieren, wie man Geschichte erzählen, zeigen, filmen kann, ohne in die Fallstricke melodramatischer Personalisierung zu geraten und warum es „ohne Distanz kein Verständnis” geben kann, wie Loznitsa immer wieder betont.”

Das Gespräch wird auf Deutsch und Russisch stattfinden. Dolmetscherin: Olga Radetzkaja. Mit Videobeispielen. Tickets kosten 8,- Euro bzw. 6,- Euro (ermäßigt).

03 März, 2015

Sieben Jahre






Sieben Jahre ist das schon wieder her: Bilder von der Arbeit an SÉANCE. Fotos von Jörg Koopmann (wer dem Link folgt, findet auch Bilder von Romuald Karmarkar, Dominik Graf, Angela Schanelec u.a.).

02 März, 2015

Maschine


„Das Kino ist eine Maschine aus Bildern”, sagt Hollis Frampton. Und Tönen. Wozu ist diese Maschine gut, fragst du mich. Ich glaube, sie kann uns fühlen lassen, wer wir sind. Das heisst: unsere (Un-) Menschlichkeit, in allen Konfigurationen. Sie zeigt uns, wozu wir fähig sind. Das ist es jedenfalls, was sie mit mir macht: ich erlebe, was mit mir geschehen könnte, ich verstehe, wie unentwickelt ich bin.

(Geschrieben für die 700. Ausgabe der Cahiers)

18 Februar, 2015

(Wieder-) Gesehen [6]

Die Erinnerung bildet Ketten: vier sehr verschiedene Filme, die das Thema des fremden Blicks variieren (und die ich alle im letzten Jahr gesehen habe).


DE OFRIVILLIGA (Ruben Östlund, Schweden 2008)

Ein Abfolge unverbundener Szenen, die zusammen ein erschreckend glaubwürdiges, komisches Muster gesellschaftlicher Abhängigkeit ergeben. Unser „normales” bürgerliches Leben erscheint als Schnittmenge sinnloser Regeln und archaischer Gruppenzwänge, die den Glauben an die individuelle Entscheidung zu einer ziemlich verzweifelten Sache machen. Östlunds Kamera verhält sich zur Handlung dabei wie ein Spion, er ist auf ein „neutrales” Bild aus, das sich wie von selbst ergibt.


UNDER THE SKIN (Jonathan Glazer, UK 2013)

Die „Menschwerdung” einer ausserirdischen Erscheinung ist hier ein Kniff, unseren Alltag (zum Teil mit versteckter Kamera gefilmt) „fremd” zu sehen. Zugleich aber will Glazer ein poet of strange sein, und wirklich gelingen ihm einige sehr unheimliche, rätselhafte Szenen. Ein überzeugendes Ganzes, eine schlüssige Metapher entsteht so nicht für mich, aber das habe ich dem Film nicht übel genommen.


ICH WAR NEUNZEHN (Konrad Wolf, DDR 1968)

Der fremde Blick auf das Eigene bestimmt auch diesen spät-neorealistischen Film. Konrad Wolf erzählt entlang ähnlicher, eigener Erfahrungen, wie ein junger Deutscher mit der Roten Armee nach Deutschland zurückkehrt. Jaeckie Schwarz gibt „Gregor Hecker” überzeugend brüchig als eine Art kulturelles Waisenkind, das nur zögernd begreift, was ihn dieses verheerte Land angeht. Wolfs Film hat eine Schärfe und Ehrlichkeit, die im Gegenwartsfilm der DEFA zuverlässig verboten wurde.


DIE LEGENDE DER PRINZESSIN KAGUYA (Isao Takahata, Japan 2013)

Und noch einmal: alien eyes. Wie kaum ein anderer Zeichentrickfilm der Ästhetik – und Logik – der Handzeichnung verpflichtet, interpretiert Takahata die alte Legende ganz im Sinne des Ghibli'schen Naturmystizismus', hält aber Abstand zum New-Age-Kitsch seines Kollegen Miyazaki. Die Geschichte vom Mondmädchen, das in der Endlichkeit den Sinn des Menschseins entdeckt, ist auf eine oft herzzerreissende Weise der Tradition verpflichtet; der Film betrauert nicht nur die unwiederbringliche Schönheit eines Augenblicks, sondern zugleich das Verschwinden seiner eigenen Form, der (überwiegend) handgezeichneten Animation – aber er wird nicht nostalgisch dabei. Atemberaubend: wie in einer Sequenz die Flucht in Gedanken und die Flüchtigkeit der Zeichnung zusammenfallen. (Wahrscheinlich der beste Film, den ich 2014 gesehen habe.)

Genie des Systems

Billy Wilder und Charles Brackett am Set von THE LOST WEEKEND (1945). 

Ich lese gerade die Tagebücher von Charles Brackett, bekannt vor allem als Tandem-Partner von Billy Wilder, mit dem er zum Beispiel „Ninotschka” (für Ernst Lubitsch) oder „Sunset Boulevard” (für Wilder) geschrieben hat, der aber natürlich auch vorher und nachher interessante Arbeiten vorzuweisen hat.

Die Tagebücher sind kurze, oft auch stark editierte Notizen, viele Namen tauchen auf, die heute Legende sind (von Dorothy Parker bis Marlene Dietrich, von David Selznick bis Irving Thalberg), Privates spielt keine Rolle (oder wurde vom Herausgeber entfernt), was die Lektüre manchmal etwas monoton geraten lässt.


William Holden und Nancy Olsen als Autorenteam in SUNSET BOULEVARD (1950).

Interessant finde ich vor allem die Arbeitsweise im Studiosystem, die hier sehr plastisch wird. Permanent werden Geschichten erzählt: an Studiobossen oder Schauspielern oder Kollegen testen Brackett und Wilder Storyideen, immer wieder auch lesen sie (noch unfertige) Drehbücher vor, diskutieren in Storykonferenzen, fragen Lubitsch um Rat („wie immer hatte er Recht”), auch während des Drehs wird umgeschrieben, man reagiert auf Krisen, Besetzungsfehler, Testscreenings mit neuem Dialog, neuen Szenen. Dieser Prozess scheint mir viel flüssiger und selbstverständlicher zu sein, als das heute der Fall ist. Das oft beschworene „Genie” des Systems damals bestand womöglich genau in dieser Unendlichkeit der Erzählbewegung, die sich von Film zu Film fortsetzen konnte.

18 Januar, 2015

Berliner Freiheit



Mein Film DIE LÜGEN DER SIEGER wird (nach Rom, Hof und Rotterdam) am 12.02.2015 um 20.30 h im Rahmen der Berliner Woche der Kritik zu sehen sein. Kuratiert von fünf deutschen Kritikern tritt diese Parallelveranstaltung zur Berlinale an, um „intellektuelle Reflexion mit sinnlicher Lust am Filmerlebnis [zu] verbinden”. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der (über den Rahmen üblicher Q&A-Veranstaltungen hinausgehenden) diskursiven Begleitung der Filme.

01 Januar, 2015

Fantasy Double Features of 2014


Zwei Filme zu kombinieren, einen Alten, einen Neuen: das ist die Regel bei dem jährlichen Mubi Fantasy Double Feature. Ich habe die Bezeichnung „neuer Film” ein bisschen gedehnt.

Schön: Unter den vielen Vorschlägen dieses Jahr taucht zweimal Christian Petzolds PHOENIX auf, bei Marie-Pierre Duhamel und James Lattimer.

03 Dezember, 2014

Über EXHIBITION


Heute ist der Kinostart von Joanna Hoggs schönem Film EXHIBITION im Berliner Kino FSK. Ich kann den Film sehr empfehlen. Das zuvor an dieser Stelle angekündigte Gespräch mit der Architektin Louisa Hutton muss leider ausfallen!

13 November, 2014

Montag in München

Am kommenden Montag bin ich in München, um mit dem Künstler-Duo M+M „fünf Thesen zum Kino der Zukunft” oder, bescheidener, die eigene Arbeit im Kontext aktueller filmästhetischer Entwicklungen zu diskutieren.

Rroomonday #10, 17. November 2014, 20 h in der Lothringer Straße 13, 81667 München. www.lothringer13.com

31 Oktober, 2014

Ruben Östlund

Am Sonntag, den 2.11.2014 mache ich zusammen mit Peter Hecker ein Revolver Live mit dem schwedischen Regisseur Ruben Östlund. Mehr dazu hier.

15 Oktober, 2014

Deutsche Premiere


Mein neuer Film DIE LÜGEN DER SIEGER wird gleich nach seiner Weltpremiere in Rom (am 17. und 18.10.2014) auf den Hofer Filmtagen zu sehen sein, und zwar am 22., 23. und 26.10.2014. Uhrzeiten und Spielstätten hier.

Voraussichtlicher Kinostart: Juni 2015.

14 Oktober, 2014

Citizenfour


Vor zwei Wochen hatte ich Gelegenheit, Laura Poitras' neuen Film CITIZENFOUR zu sehen (in einer noch nicht ganz endgültigen Version), der von Edward Snowden und seiner Entscheidung handelt, die umfassende elektronische Überwachung durch NSA und andere Dienste öffentlich zu machen. An dem Screening nahm auch George Packer teil, ein Journalist des New Yorker. Sein sehr gut informierter Text ist seit ein paar Tagen online und mit ihm einige meiner an dem Abend geäusserten, spontanen Reaktionen.

Das Erstaunliche an dem Film war für mich seine Nähe zur Gegenwart. Die in CITIZENFOUR beschriebenen Vorgänge sind medial so präsent, dass die Bilder auf mich manchmal wie doppelt belichtet, von ihrem Medienecho überschrieben wirkten. Solche Dopplereffekte werden auch im Film selbst thematisiert. Wenn Edward Snowden in Hong Kong in diversen Fernsehkanälen nur seine eigene Geschichte, sein eigenes Gesicht zu sehen bekommt, wirkt sein Hotelzimmer wie ein Spiegelkabinett, aus dem es kein Entkommen gibt. 

CITIZENFOUR ist das faszinierende Dokument einer „unmöglichen” Situation für einen Filmemacher: unsichtbar im Zentrum der Weltgeschichte zu stehen. Poitras konzentriert sich ganz auf Snowden, dessen beinahe unheimliche Sachlichkeit auch die Tonart des Films bestimmt. Von ihrer Person sieht sie weitgehend ab – wie ihr Protagonist versucht sie, hinter ihrer Mission zu verschwinden. Mir nötigt das großen Respekt ab, zumal ich beider Motive für aufrichtig halte. Gleichzeitig macht das den Film wie körperlos. Ich weiss nicht, ob das ein Verdienst oder ein Defizit ist. Mit wachsender Distanz, so viel ist sicher, wird sich der Film verändern, erkennbarer werden. Ich bin gespannt auf ein Wiedersehen.


Der Film kommt am 6.11.2014 in Deutschland ins Kino.

30 September, 2014

Wer war Hans Hillmann?

Noch einmal Hans Hillmann: heute ist in der Welt mein Artikel über den Ausnahme-Grafiker erschienen.

29 September, 2014

Premiere

Florian D. Fitz als 'Fabian'
Lilith Stangenberg als 'Nadia'
Horst Kotterba als 'Hubach'

Mein neuer Film DIE LÜGEN DER SIEGER wird auf dem Film Fest Rom in der Reihe Cinema d'oggi Premiere feiern. 

Erzählt wird die Geschichte einer Täuschung. Ein Journalist (Florian David Fitz) und seine junge Kollegin (Lilith Stangenberg) geraten während einer Recherche ins Machtfeld einer Lobby. Statt auf Konfrontation setzt die Gegenseite auf die Sehnsucht nach der perfekten Story...

In weiteren Rollen: Horst Kotterba, Ursina Lardi, Gottfried Breitfuss, Arved Birnbaum, Jean-Paul Comart, Zinedine Soualem, Jakob Diehl, Karl Fischer, Irina Potapenko, Seyneb Saleh, Cornelius Schwalm, Thilo Werner u.a.

Deutscher Kinostart: 18. Juni 2015.


Gottfried Breitfuss, Ursina Lardi, Arved Birnbaum
Florian D. Fitz, Cornelius Schwalm
Jean-Paul Comart als 'Jaali'

(Der Film ist übrigens im Scope-Format gedreht – Kamera: Reinhold Vorschneider -, die Bilder oben sind beschnitten.)

26 September, 2014

Über Thomas Heise




ÜBER THOMAS HEISE, herausgegeben von Simon Rothöhler und Matthias Dell, „versammelt Texte zum Werk eines Dokumentaristen, dessen Bilder »auf Geschichte warten« können, ohne die Ge­gen­wart aus den Augen zu verlieren. Heises Filme erzählen unter anderem von jungen Neonazis (STAU, 1992) und deren Familien (»Neustadt«, 2000; »Kinder. Wie die Zeit vergeht«, 2007), von DDR-Institutionen (»Das Haus / Volkspolizei«, 1985), von Dorfgemeinschaften im Schatten von Wehrmacht und Roter Armee (»Vaterland«, 2003), von »1989« (»Material«, 2009), von der Stasi und von der eigenen Familie (»Mein Bruder«, 2004), von den Schwierigkeiten einer Jugend in der sozialistischen Planstadt Eisenhüttenstadt (»Eisenzeit«, 1992), vom kalten (Familien-)Krieg eines Doppel­spions (»Barluschke«, 1997) und dem Erfurter Papstbesuch (»Die Lage«, 2012). Die Geschichte in diesen Filmen wird zwar weiterhin fortschreiten (da die Bilder dergestalt montiert sind, dass sie weiter »warten« können), aber schon jetzt lassen sich Be­obachtungen, Deutungen, Kontexte formulieren.”

U.a. mit Beiträgen von: Dirk Baecker, Michael Baute, Barton Byg, Anett Gröschner, Rembert Hüser, Michael Jäger, Jürgen Kuttner, Maximilian Linz.

Ich habe einen kurzen Text über die Filme IMBISS SPEZIAL (1989) und IM GARTEN (2010) geschrieben.

Über Thomas Heise
Vorwerk 8
224 Seiten, Br, zahlr. Abb.
19,00 Euro | 29,80 SFr
ISBN 978-3-940384-55-3

17 September, 2014

Hillmann in London

Blick in die Ausstellung
Auf der Webseite von Sight & Sound gibt es ein kleines Tribute für den großen Filmgrafiker Hans Hillmann, dem die Londoner Galerie Kemistry eine Ausstellung gewidmet hat (noch bis Ende September). Zu Wort kommen die Regisseure Edgar Reitz, Volker Schlöndorff und Peter Strickland. Ich habe ein paar Zeilen zu vier Lieblingsplakaten beigesteuert (die sich mit Stricklands Favoriten überschneiden). Der einführende Text ist von Isabel Stevens.

Zu Hillmann siehe auch das Revolver-Interview sowie meinen Artikel über Hillmanns „Fliegenpapier”.

Ergänzung 30.09.2014:
Heute ist in der Welt mein Artikel anlässlich der Londoner Ausstellung erschienen.