20 Februar, 2009

Cannes '09?



In Lars von Triers ANTICHRIST haben die Tiere Namen
(Bild: Website Zentropa).

Seit heute (23.04.09) offiziell: Official Selection Cannes 2009

THE COMPÉTITION :

Opening Film : Peter DOCTER - UP - Out of Comp.- 1h35

***
Pedro ALMODÓVAR - LOS ABRAZOS ROTOS (Broken Embraces) - 2h09

Andrea ARNOLD - FISH TANK - 2h02

Jacques AUDIARD - UN PROPHÈTE - 2h35

Marco BELLOCCHIO - VINCERE - 2h08

Jane CAMPION - BRIGHT STAR - 2h00

Isabel COIXET - MAP OF THE SOUNDS OF TOKYO -1h44

Xavier GIANNOLI - A L’ORIGINE - 2h30

Michael HANEKE - DAS WEISSE BAND (The White Ribbon) - 2h24

Ang LEE - TAKING WOODSTOCK -1h50

Ken LOACH - LOOKING FOR ERIC - 1h59

LOU Ye - CHUN FENG CHEN ZUI DE YE WAN (Spring Fever) - 1h55

Brillante MENDOZA - KINATAY - 1h45

Gaspar NOE - ENTER THE VOID - 2h30

PARK Chan-Wook - BAK-JWI - (Thirst) - 2h13

Alain RESNAIS - LES HERBES FOLLES - 1h36

Elia SULEIMAN - THE TIME THAT REMAINS - 1h45

Quentin TARANTINO - INGLOURIOUS BASTERDS - 2h40

Johnnie TO - VENGEANCE - 1h48

TSAI Ming-liang - VISAGE (face)- 2h18

Lars VON TRIER - ANTICHRIST - 1h44

***
Closing Film : Jan KOUNEN - COCO CHANEL & IGOR STRAVINSKY - Out of Comp. - 2h00

UN CERTAIN REGARD


BONG Joon Ho - MOTHER - 2h10

Alain CAVALIER - IRENE -1h23

Lee DANIELS - PRECIOUS - 1h49

Denis DERCOURT - DEMAIN DES L'AUBE - 1h36

Heitor DHALIA - À DERIVA (Adrift)- 1h43

Bahman GHOBADI - KASI AZ GORBEHAYE IRANI KHABAR NADAREH (Nobody Knows About The Persian Cats)- 1h06

Ciro GUERRA - LOS VIAJES DEL VIENTO (Les Voyages Du Vent) - 1h57

Mia HANSEN-LOVE - LE PÈRE DE MES ENFANTS - 2h00

Hanno HÖFER, Razvan MARCULESCU, Cristian MUNGIU, Constantin POPESCU, Ioana URICARU:
AMINTIRI DIN EPOCA DE AUR (Tales from The Golden Age) - 2h18

Nikolay KHOMERIKI - SKAZKA PRO TEMNOTU (Tale In The Darkness)- 1h12

HIrokazu KORE-EDA - KUKI NINGYO (Air Doll)- 2h05

Yorgos LANTHIMOS - KYNODONTAS (Dogtooth) - 1h34

Pavel LOUNGUINE - TZAR (Le Tsar) - 1h56

Raya MARTIN - INDEPENDENCIA - (Independence) - 1h17

Corneliu PORUMBOIU - POLITIST, ADJECTIV (Policier, Adjectif) - 1h55

Pen-Ek RATANARUANG - NANG MAI (Nymph)- 1h49

João Pedro RODRIGUES - MORRER COMO UM HOMEM (Mourir Comme Un Homme) - 2h13

Haim TABAKMAN - EYES WIDE OPEN - 1er film -1h31

Warwick THORNTON - SAMSON AND DELILAH - 1er film - 1h41

Jean VAN DE VELDE - THE SILENT ARMY - 1h32

OUT OF COMPETITION:

Alejandro AMENABAR - AGORA - 2h08

Terry GILLIAM - THE IMAGINARIUM OF DOCTOR PARNASSUS - (L'imaginarium du Docteur Parnassus) - 2h02

Robert GUÉDIGUIAN - L'ARMÉE DU CRIME - 2h05


MIDNIGHT SREENINGS :

Stéphane AUBIER, Vincent PATAR - A TOWN CALLED PANIC (Panique au village) -1er film - 1h15

Sam RAIMI - DRAG ME TO HELL (Jusqu'en enfer) - 1h39

Marina de VAN - NE TE RETOURNE PAS - 1h50


SPECIAL SCREENINGS:


Anne AGHION - MY NEIGHBOR, MY KILLER (Mon voisin, mon tueur) - 1h20

Adolfo ALIX, JR., Raya MARTIN - MANILA -1h30

Souleymane CISSE - MIN YE - 2h15

Michel GONDRY- L'EPINE DANS LE COEUR - 1h22

Zhao LIANG - PETITION (La Cour des plaignants) - 2h00

Keren YEDAYA - KALAT HAYAM (Jaffa) - 1h50

Hinweis:



DIESE NACHT - NUIT DE CHIEN Werner Schroeter, F/D/P 2008, 118 min

5. März / 20 Uhr: Berlin-Premiere mit Werner Schroeter und den Schauspielern Pascal Greggory, Amira Casar, Nathalie Delon, Bulle Ogier, Pascale Schiller und Lena Schwarz in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Kooperation mit der Akademie der Künste. Anschließend Filmgespräch mit Werner Schroeter und Ralph Eue. (Karten unter 030/2406577 oder ticket@volksbuehne-berlin.de)

KINOSTART am 2. April 2009

Gewürzmischung



Johannes Krisch als „Alex”, Irina Potapenko als „Tamara”.


REVANCHE von Götz Spielmann, formal auf der Höhe der Zeit und vor allem schauspielerisch herausragend, versammelt ein paar ziemlich angestaubte Weisheiten:

In der Stadt werden die Leute „Lumpen” oder arrogant (sagt „der Hausner“, und der Film widerspricht nicht).

Und umgekehrt:

Landluft läutert, besonders beim Holzhacken (beim Holzhacken, beim Holzhacken).

Verbrecher sind brutal, aber fruchtbar.

Und umgekehrt:

Polizisten sind sensibel, aber unfruchtbar.

Und natürlich: Eine Frau spürt so was - darum lässt sie sich vom Verbrecher ein Kind machen.

Ausserdem:

Bei einem Banküberfall geht immer was schief.

Prostituierte wollen gerettet werden.

usw.

Ich frage mich, ob man, auch wenn man seine Dramaturgie so bündig machen möchte wie Spielmann, diese alte Gewürzmischung wirklich braucht...

14 Februar, 2009

MATERIAL




Ich habe nur wenige Filme auf der Berlinale gesehen, aber die Begegnung mit Thomas Heises MATERIAL war, ganz unabhängig von der künstlichen Aufregung, die Festivals gerne produzieren, ein unglaubliches, eindrückliches Erlebnis. Sehr unwahrscheinlich, dass wir dieses Jahr einen besseren Film aus Deutschland zu Gesicht bekommen werden.

Hier der Link zu einem Interview, das Eugenio Renzi von den Cahiers du Cinéma mit Thomas Heise auf der Berlinale geführt hat (die Frau im Bild ist die Filmemacherin und Revolver-Mitherausgeberin Saskia Walker, die das Gespräch gedolmetscht hat).

Hier ein älteres Interview mit Thomas Heise, über die Entstehungsgeschichte von MEIN BRUDER, WE'LL MEET AGAIN.

05 Februar, 2009

Herzliche Einladung:

Revolver Berlinale Party

Sonntag, den 8.02.2009 // ab 22 Uhr
Festsaal Kreuzberg // Skalitzer 130
Direkt am U-Bhf Kottbusser Tor (U1, U8)
Eintritt 3 Euro

Live: WHITE CIRCLE CRIME CLUB (Antwerpen).
Am Teller: DJ JOHNNY NO.
Im Keller: BARA.

04 Februar, 2009

Cargo #1























Aus dem Inhalt:
Thomas Harlan im Gespräch mit Bert Rebhandl und Simon Rothöler,
Ekkehard Knörer am Set von IM ANGESICHT DES VERBRECHENS von Dominik Graf,
Daniel Eschkötter über THE WIRE,
Bert Rebhandl über Tom Tykwer,
Olaf Möller über neue Filme aus Korea,
Diedrich Diederichsen über 35 RHUMS von Claire Denis,
Christian Petzold über das Comic HAWAIIAN GETAWAY von Adrian Tomine.

u.v.a.

30 Januar, 2009

Poster...



Ach ja: Hier eine Art Portrait über mich / meinen Beitrag, von Markus Zinsmaier (Zeit Online).

23 Januar, 2009

Digitale Wunder

Aus einem Artikel des Wall Street Journal über religiöse Nischen im Filmgeschäft:

(...) Joe Eszterhas, screenwriter of "Basic Instinct" and "Showgirls" who was nefariously antireligious until, cancer-stricken, he became a reborn Catholic several years ago.

"I tried to get a project going about [St.] Paul, but there was no interest in it," said Mr. Eszterhas, who bolted Hollywood for exurban Cleveland. "And we live in an era of remakes, but 'Ben Hur' and 'The Ten Commandments' aren't being remade. Imagine the parting of the Red Sea with digital effects!"


Eszterhas mag Christ geworden sein - Sensationalist ist er geblieben...

16 Januar, 2009

Vormerken:

08.02.2009
REVOLVER Berlinale Party, im Festsaal Kreuzberg.


13.02.2009
Premiere von DEUTSCHLAND '09 (an dem ich beteiligt bin), im Wettbewerb, ausser Konkurrenz.

Ein Bild aus meinem Kurzfilm SÉANCE.

Deutlich

Mein Spanisch ist leider miserabel, was jede direkte Ansprache unter Druck setzt. Interessanter Weise verstehe ich aber um so mehr, je beiläufiger die Kommunikation passiert.

Vielleicht, weil der Stress viele Kanäle verstopft, aber auch, weil in der Überartikulation wichtiger mimischer Subtext unter den Tisch fällt.

Könnte diese Regel auch für den Film gelten? Gibt es Überartikulation in der Filmsprache?

Facelifters

Im Flugzeug: Schrecklicher Schmonz im Filmprogramm. Faltige Nebendarsteller müssen dafür herhalten, „Jugend und Schönheit” des gleichalten Maincasts im Kontrast zu bestätigen. Ausserdem sind die Nicht-Operierten wahlweise als dumme / wilde / verrückte Alte immer wieder für einen Lacher gut. Es ist eine Message der Reichen an die Armen: „Unsere Geschichte geht weiter”, sagen sie, „Eure ist nur noch ein Witz”.

Zeitmaschine

Ich habe die Tage zwischen den Jahren mit Familie am Atlantik verbracht. Wir wohnten in einem sehr einfachen Haus, nur zu Fuss erreichbar, ohne fliessendes Wasser, ohne Strom, wenige Meter vom Meer entfernt. Zwar hatte die Schwiegermutter ein Mobiltelefon (Klingelton: Froschgesang), mit dem sich Pferdekarren rufen liessen - fast schon Zauberei -, aber davon abgesehen lebten wir wie unsere Vorfahren um 1800 und wie viele Millionen in allen Teilen der Welt bis heute.

Der stärkste Eindruck: Das Leben ist Verbrauch. Wasser, Wärme, Licht, Wäsche, Lebensmittel - alles muss permanent erneuert, beschafft, verarbeitet werden - und zwar in einer Umwelt, die, wenn nicht feindlich, so doch beschwerlich ist. Die sogenannten Naturgewalten diktieren den Rhythmus und vermitteln das überwältigende Gefühl, Teil eines Kreislaufes zu sein. Als Erkenntnis nicht der Rede wert, aber die Erfahrung macht den Unterschied.

Dass dieser Zusammenhang in der Großstadt weniger Präsenz hat, bedaure ich übrigens nicht. Die Gewissheit, selbst bald Sand zu sein, ist nicht produktiv zu machen - im Gegenteil lähmt die „mittelalterliche” Dunkelheit eher. Die Illusion, Meister des eigenen Schicksals zu sein, lässt sich in der „Zivilisation” (und ohne Schwiegermutter) jedenfalls deutlich besser pflegen.

05 Januar, 2009

Körperchronik



"Jedes Leben gespeicherte Erfahrung, jeder Körper Chronik der Taten, zur Anschauung für uns Andere, die wir auch Beispiel geben." (Aus meinem Notizbuch)

Ich bin zur Zeit in Uruguay, der Heimat meiner Frau, und was mich hier mehr als alles andere begeistert sind die Gesichter und Körper, gezeichnet von einem anderen Leben.

Weil ich selbst nicht gerne fotografiere, oben stellwertretend eines der ikonischen Bilder aus August Sanders Jahrhundertwerk "Menschen des 20. Jahrhunderts".

Die verwickelten Zusammenhänge von innerer und äusserer Verfassung und der "entsprechenden" Ausprägung der Gesichter und Körper hat kein Fotograf je so umfassend und empfindsam studiert wie Sander; er ist ein Meister, auf den ich immer wieder zurückkomme.

Für mich kann Kunst nicht mehr erreichen, als eben das: ein Bild vom Menschen geben...

23 Dezember, 2008

Im Licht der jüngsten Filme

Filme bilden Familien in meinem Kopf. Manchmal trifft man auf ein schwarzes Schaf und plötzlich wird klar, warum die anderen „Kinder” des Regisseurs – die man unter Umständen zuvor bewundert hat – auch nichts taugen. Die Enttäuschung über einen Film kann die ganze Verwandtschaft in Verruf bringen...

Ich weiss, ästhetische Sippenhaft ist nicht unbedingt fair, aber Urteile über Filme sind eben immer kontextuell und ständig in Bewegung – im Licht der jüngsten Filme haben zum Beispiel Bruno Dumont (FLANDRES) und Nuri Bilge Ceylan (THREE MONKEYS) radikal an Glaubwürdigkeit verloren für mich. Auch den umgekehrten Fall gibt es: dass ein „abgeschriebener” Filmemacher plötzlich überzeugt und so seine älteren Filme eine neue Chance bekommen (so ist es mir immer wieder mit Werner Herzog gegangen).

Klar ist, dass diese Neu- und Umbewertungen oft weniger mit der Entwicklung der Regisseure als mit den Gezeiten der eigenen Wahrnehmung zu tun haben. Oder mit dem Zeitgeist. Oder der Begleitung im Kino. Manchmal auch mit einer präzise geschriebenen Kritik. Oder oder. Fast ein Wunder, dass man sich dann doch so oft auf bestimmte Filme einigen kann...

P.S.:
Nach VICKY CHRISTINA BARCELONA fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Woody Allen hat schon immer Telenovelas für die besseren Stände gedreht. Nur weil das Personal aus Intellektuellen besteht und der Erzähler ein bisschen Ironie verteilt, ist der Film noch lange nicht geistreich – geschweige denn tief. Die Komplikationen der Handlung sind Routine, die Figuren Funktionäre durchsichtiger Absichten... Aber waren seine Filme früher wirklich anders? Tja. Genau das meine ich.

P.S.2:
Doch, sie waren anders, finde ich. Wenn es hart auf hart kommt, geht es um Nuancen... Gleich noch einmal MANHATTAN ansehen...

15 Dezember, 2008

Georges Simeon:

"Rechts und links von ihm sass jemand, und überall waren Gesichterketten, die durch den Widerschein von der Leinwand halb aus dem Dunkel gehoben wurden. Es war warm. Eine Frauenstimme sagte mit verstärkter, übermenschlicher Stimme lange Sätze, und manchmal war zwischen den Worten ihr Atem zu hören, als streife er die Tausende von Zuschauern, während auf der Leinwand ein riesenhaftes Gesicht die Lippen bewegte."

Aus: Georges Simeon: Die Verlobung des Monsieur Hire, 1933 (Deutsch von Linde Birk 1978). Diogenes Verlag.

...als Anfang einer kleinen Serie über das Kino aus der Perspektive der Literatur. Beiträge sind willkommen.

11 Dezember, 2008

Kluges Nachrichten...

Hier mein Text zu Kluges NACHRICHTEN AUS DER IDEOLOGISCHEN ANTIKE, der gestern in Berliner Zeitung erschienen ist.

06 Dezember, 2008

Der Traum von Kontrolle


Weil wir in den Kommentaren gerade darauf gekommen sind. Hier meine HFF-Technikarbeit (2003) zum Thema „Previsualisierung” am Beispiel von Coppolas ONE FROM THE HEART. Vielleicht interessiert es den einen oder anderen.

03 Dezember, 2008

AUSSEN, WÜSTE - TAG

Als Syd Field Anfang der 80er Jahre den Rufer in der Wüste spielte von wegen „Plot Point One: Page Twentyseven”, da konnte man nicht ahnen, dass sich die Ratgeber-Literatur einmal so wuchernd ausbreiten würde. Auch in Deutschland, einem Land, in dem man als Drehbuchautor besonders schlecht verdient, gibt es heute viele Meter Empfehlungsprosa im Regal - aber kaum ein richtiges Drehbuch zu kaufen.

Wer für die Bühne schreibt, hat selbstverständlich Zugriff auf eine große Fülle dramatischer Werke, aber Drehbuchautoren, die die Meister studieren wollen, sind oft genug auf die Filme selbst angewiesen. Und wenn dann doch einmal ein Drehbuch auftaucht, bevorzugt im „Buch zum Film”, stösst man oft auf trügerische Textfassungen, die im Zweifel lieber den Schnitt als das Drehbuch dokumentieren. Der Fan, der die Devotionalie zum Erfolgsfilm kauft, darf nicht verwirrt werden! Aber auch die alten Spektakulum-Bände von Suhrkamp, von Frieda Grafe und Enno Patalas verantwortet, haben die Filme literarisiert, statt Drehbücher zu veröffentlichen. Letztere sind wunderschöne Bände, sprachlich sehr elegant, aber eben weit davon entfernt, die Lücken, Widersprüche und Friktionen zwischen Buch und Film sichtbar zu machen, die zum Alltag des Filmemachens gehören.

Abhilfe schafft zumindest für den amerikanischen Raum das Netz, wenn auch nicht immer mit zuverlässig editierten Fassungen. Allerdings ist die Qualität der Download-Drehbücher sehr gestiegen, seit die Autoren eingesehen haben, dass es besser ist, selbst zu liefern als krude Fassungen zu bekämpfen. Kritische Editionen, wie es sie im Printbereich gelegentlich gibt, sind im Netz jedoch die große Ausnahme (Ich besitze zum Beispiel Ernest Lehmans Drehbuch zu NORTH BY NORTHWEST - aus der „MGM Library of Film Scripts”, Viking Press 1973 - eine ausgesprochen vergnügliche Lektüre mit feinen, aber mitunter vielsagenden Abweichungen zum fertigen Film, die jeweils mit eckigen Klammern gekennzeichnet sind).

Ich komme darauf, weil die Deutsche Filmakademie gestern angekündigt hat, in Zukunft deutsche Drehbücher als E-Books bzw. downloadbare PDFs zu verkaufen, für 9,90 Euro das Stück. Den Anfang machen wenig überraschend Dörries KIRSCHBLÜTEN und Akins AUF DER ANDEREN SEITE. Welche weiteren Titel geplant sind, nach welcher verlegerischer und editorischer Systematik man dabei vorgehen möchte, ist der Pressemitteilung leider nicht zu entnehmen. So oder so, den Vorstoss als solchen begrüsse ich sehr. auch wenn ich geduldiges Papier bevorzugen würde.

Zum (kostenpflichtigen) Download der beiden deutschen Drehbücher geht es hier.

Drei Hollywood-lastige amerikanische Seiten (auf denen sich aber auch der eine oder andere Dörrie-Film findet), allesamt kostenlos: Script-o-rama, Simply Scripts, Movie Scripts Database.

28 November, 2008

Interpassive Cineasten

„Es kommt vor, dass Leute, anstatt selbst fern zu sehen, lieber ihre Videorekorder programmieren, um Filme aufzunehmen. Sie sind schon zufrieden, wenn sie sehen, dass die Aufnahme stattgefunden hat, und sehen sich das Band dann niemals mehr an. Dieses Verhalten, bei dem ein Genuss an ein Gerät, eine Person, ein Tier oder eine Pflanze delegiert wird, bezeichne ich als Interpassivität.”

(...)

„Seit Filme auch in Ausstellungen gezeigt werden, müssen interpassive Menschen nicht mehr unbedingt ihre Freunde ins Kino schicken oder ihre Rekorder programmieren. Es genügt auch, dass sie selbst ins Museum gehen. Das Video, das sie sich nicht ansehen, läuft in voller Länge im Nebenraum, aus dem sie es beim Betrachten anderer Werke derselben Ausstellung ab und zu lärmen hören; der Nebenraum betrachtet es dann an ihrer Stelle.”


...schreibt Robert Pfaller in der neuesten Ausgabe von LIEBLING, einer extrem unhandlichen Lifestyle-meets-Tiefsinn-Zeitung (31 x 47 cm), in der Moritz von Uslar und andere Trendologen beweisen, dass sie älter geworden sind.

In der selben Ausgabe: 24 Bilder aus meinem neuen Kurzfilm SÉANCE (Teil des Episodenprojektes DEUTSCHLAND '09), eine „obsessionelle Befragung” des Autors Clemens Meyer zu Sylvester Stallones RAMBO-Filmen sowie Bekenntnisse eines schlaflosen Helmut Dietl...

21 November, 2008

Hoch-die-informationelle-Solidarität!

Ein Paradoxon steht im Mittelpunkt der Netzkultur: das Versprechen, zugleich sehr persönlich und ganz anonym agieren zu können. Ich habe mich noch nicht daran gewöhnen können, dass viele Leser dieses Blogs zum Beispiel, die sich in Kommentaren äussern, namenlos bleiben wollen.

Umgekehrt vermutet man „hinter” gewissen Seiten oft eine anonyme Macht und ist dann überrascht, wenn man die Macherin / den Macher als Einzelkämpfer kennen lernt. Eine solche Überraschung war es für mich, die Betreiberin der von mir täglich besuchten Filmlinkseite film-zeit.de gestern auf dem Podium zu erleben: Ines Walk. Dass hinter ihrem Projekt, dessen Geschäftsmodell ich nie hinterfragt habe, nicht nur viel Arbeit, sondern auch eine Menge Idealismus steckt, hat mich überrascht. Danke für die Mühe!

Man könnte in diesem Zusammenhang vielleicht von informationeller Solidarität sprechen, die der Netzkultur jenes Quentchen utopischen Glanz gibt, das die ökonomische Misere für den Moment vergessen macht. Auf lange Sicht aber lässt sich die Vielfalt, die wir heute erleben, nicht mit Idealismus allein erhalten. Ich denke, es wird Zeit für ein realpolitisches Erwachen, das die Hardware- und Kommunikationsindustrie (die ihre Geräte und Verträge mehr und mehr wegen „unserer” Inhalte verkaufen) zwingt, einen fairen Anteil ihrer Gewinne an die Urheber zu verteilen.

Das wird nicht ohne Kampf gehen, denn aus Sicht der Industrie ist die Situation natürlich traumhaft: man nimmt Eintritt für die Bühne (die User bezahlen für Computer, Anschluss und Nutzung), aber die Künstler spielen umsonst. Eine Umverteilung würde allerdings einen Bewusstseinsprozess voraussetzen, der die informationelle in eine robustere Form von Solidarität verwandelt, was notwendig auch mit einer Ent-Anonymisierung verbunden wäre.

Was könnte unsere Boston Tea Party sein?