16 Januar, 2009

Zeitmaschine

Ich habe die Tage zwischen den Jahren mit Familie am Atlantik verbracht. Wir wohnten in einem sehr einfachen Haus, nur zu Fuss erreichbar, ohne fliessendes Wasser, ohne Strom, wenige Meter vom Meer entfernt. Zwar hatte die Schwiegermutter ein Mobiltelefon (Klingelton: Froschgesang), mit dem sich Pferdekarren rufen liessen - fast schon Zauberei -, aber davon abgesehen lebten wir wie unsere Vorfahren um 1800 und wie viele Millionen in allen Teilen der Welt bis heute.

Der stärkste Eindruck: Das Leben ist Verbrauch. Wasser, Wärme, Licht, Wäsche, Lebensmittel - alles muss permanent erneuert, beschafft, verarbeitet werden - und zwar in einer Umwelt, die, wenn nicht feindlich, so doch beschwerlich ist. Die sogenannten Naturgewalten diktieren den Rhythmus und vermitteln das überwältigende Gefühl, Teil eines Kreislaufes zu sein. Als Erkenntnis nicht der Rede wert, aber die Erfahrung macht den Unterschied.

Dass dieser Zusammenhang in der Großstadt weniger Präsenz hat, bedaure ich übrigens nicht. Die Gewissheit, selbst bald Sand zu sein, ist nicht produktiv zu machen - im Gegenteil lähmt die „mittelalterliche” Dunkelheit eher. Die Illusion, Meister des eigenen Schicksals zu sein, lässt sich in der „Zivilisation” (und ohne Schwiegermutter) jedenfalls deutlich besser pflegen.

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