15 August, 2017

Gedankenspaziergang (auf dünnem Eis)

Konrad Wolfs DER KLEINE PRINZ (DDR 1966)

Pauli (6 Jahre): „Was ist unmöglich?”

Ich: „Fliegen ohne Hilfsmittel zum Beispiel.”

Pauli: „Warum ist das unmöglich?”

Ich: „Naturgesetze...”

Pauli: „Und in Geschichten?”

Ich: „Da ist alles möglich.”

Pauli: „Was ist der Unterschied zwischen Wirklichkeit und Geschichten?”

Ich: „Wirklichkeit ist das, was wir nicht erzählen können.”

Pauli: „Verstehe ich nicht.”

Ich: „Sobald man es versucht, wird es wieder eine Geschichte.”

Pauli: „Zum Beispiel?”

Ich: „Wie war's heute im Kindergarten?”

Pauli: „Gut.”

Ich: „Siehst du.”

07 August, 2017

Krimskrams


Schöner Krimskrams war mir immer lieber als die nüchternen „Wertsachen” der Erwachsenenwelt. Warum eigentlich? Ich glaube, es hat letztlich magische Wurzeln. Das Stückwerk wird im Kopf lebendig – und funktioniert also ein bisschen wie das Kino. Das Bild unten ist aus der schönen Titelsequenz für TO KILL A MOCKINGBIRD von Stephen Frankfurt, das obere zeigt eine meiner Schubladen.

26 Juli, 2017

Das Übrige

„Die Geschichte geht noch weiter, aber meiner Großmutter, die sie erzählt hat, war das Gedächtnis schwach geworden; sie hat das Übrige vergessen.”
Aus: 'Die Gänsehirtin am Brunnen' (Gebrüder Grimm)

11 Juli, 2017

Die Beute wird geteilt

Die Nacht als Versprechen: John Altons fiebrige Kamera in 
Joseph H. Lewis' THE BIG COMBO.

Im November letzten Jahres habe ich auf Facebook um Empfehlungen gebeten in Sachen Gangster- Unterwelts- und Nachtfilme abseits des Kanons. Das Echo war groß, und weil die Liste schön ist, und einige Überraschungen enthält, möchte ich sie mit Verspätung auch hier öffentlich machen. Viele der Filme kannte ich schon, einige habe ich inzwischen gesehen, von manchen hatte ich noch nie gehört, alle machen mich neugierig (und den Einen oder Anderen unter den Parallelfilm-Lesern vielleicht auch).

MISS MEND (Boris Barnet, UdSSR 1926)
VORUNTERSUCHUNG (Robert Siodmak. Deutschland 1931)
RAZZIA IN ST. PAULI (Werner Hochbaum, Deutschland 1932)
PICTURE SNATCHER (Lloyd Bacon, USA 1933)
THE BLACK CAT (Edgar Ulmer, USA 1934)
MAD LOVE (Karl Freund, USA 1935)
STRANGER ON THE THIRD FLOOR (Boris Ingster, USA 1940)
BLUEBIRD (Edgar Ulmer, USA 1944)
HANGOVER SQUARE (John Brahm, USA 1945)
CROSSFIRE (Edward Dmytryk, USA 1947)
ODD MAN OUT (Carol Reed, GB 1947)
NON COUPABLE (Henri Decoin, Frankreich 1947)
BORN TO KILL (Robert Wise, USA 1947)
APENAS UN DELINCUENTE (Hugo Fregonese, Argentinien 1949)
DER FALL RABANSER (Kurt Hoffmann, Deutschland 1950)
HE RAN ALL THE WAY (John Berry, USA 1951)
TOUCHEZ PAS AU GRISBI (Jacques Becker, Frankreich 1954)
THE BIG COMBO (Joseph H. Lewis, USA 1955)
RAZZIA SUR LA CHNOUF (Henri Decoin, Frankreich 1955)
VIELE KAMEN VORBEI (Peter Pewas, Deutschland 1956)
NIGHTFALL (Jacques Tourneur, USA 1956)
MURDER BY CONTRACT (Irving Lerner, USA 1958)
AM TAG ALS DER REGEN KAM (Gerd Oswald, Deutschland 1959)
INTIMIDATION (Koreyoshi Kurahara, Japan 1960)
BLAST OF SILENCE (Allen Baron, USA 1961)
ALIAS GARDELITO (Lautaro Murúa, Argentinien 1961)
TOKYO DRIFTER (Seijun Suzuki, Japan 1966)
CASH CALLS HELL (Hideo Gosha, Japan 1966)
HEISSES PFLASTER KÖLN (Ernst Hofbauer, Deutschland 1967)
ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN (José Bénazéraf, Deutschland 1967)
THE INCIDENT (Larry Peerce, USA 1967)
JOE CALIGULA – DU SUIF CHEZ LES DABES (José Bénazéraf, Frankreich 1969)
INVASIÓN (Hugo Santiago, Argentinien 1969)
THE WOLVES (Hideo Gosha, Japan 1971)
BLUTIGER FREITAG (Rolf Olsen, Deutschland 1972)
MILANO KALIBER 9 (Fernando di Leo, Italien 1972)
THE FRIENDS OF EDDIE COYLE (Peter Yates, USA 1973)
BATTLES WITHOUT HONOR AND HUMANITY (Kinji Fukasaku, Japan 1973-1976)
THE NICKEL RIDE (Robert Mulligan, USA 1974)
GRAVEYARD OF HONOR (Kinji Fukasaku, Japan 1975)
HUSTLE (Robert Aldrich, USA 1975)
MIKEY AND NICKY (Elaine May, USA 1976)
THE SQUEEZE (Michael Apted, GB 1977)
VENGEANCE IS MINE (Shohei Imamura, Japan 1979)
GESCHICHTE DER NACHT (Clemens Klopfenstein, Schweiz 1979)
THE LONG GOOD FRIDAY (John Mackenzie, GB 1980)
MANILA BY NIGHT (Ishmael Bernal, Philippinen 1980)
VICE SQUAD (Gary Sherman, USA 1982)
MONA LISA (Neil Jordan, GB 1986)
HENRY: PORTRAIT OF A SERIAL KILLER (John McNaughton, USA 1986)
AT CLOSE RANGE (James Foley, USA 1986)
SCHATTENBOXER (Lars Becker, Deutschland 1992)
LIFE ACCORDING TO AGFA (Assi Dayan, Israel 1992)
LIGHT SLEEPER (Paul Schrader, USA 1992)
C’EST ARRIVÉ PRÈS DE CHEZ VOUS (Rémy Belvaux, André Bonzel, Belgien 1992)
THE GENERAL (John Boorman, GB 1998)
CROUPIER (Mike Hodges, GB 1998)
SECRET DÉFENSE (Jacques Rivette, Frankreich 1998)
THE LONGEST NITE (Patrick Yau, Hongkong 1998)
NUEVE REINAS (Fabián Bielinsky, Argentinien 2000)
FRIEND (Kyung-taek Kwak, Südkorea 2001)
GRAVEYARD OF HONOR (Takashi Miike, Japan 2002)
UN OSO ROJO (Adrián Caetano, Argentinien 2002)
PUBLIC ENEMY (Woo-Suk Kang, Südkorea 2002)
PTU (Johnnie To, Hongkong 2003)
ONE NITE IN MONGKOK (Derek Yee, Hongkong 2004)
THE PASSENGER (François Rotger, Frankreich/Japan 2005)
A BITTERSWEET LIFE (Jee-woon Kim, Südkorea 2005)
EL AURA (Fabián Bielinsky, Argentinien 2005)
A DIRTY CARNEVAL (Yoo Ha, Südkorea 2006)
MR 73 (Olivier Marchal, Frankreich 2008)
KINATAY (Brillante Mendoza, Philippinen 2009)
THE YELLOW SEA (Hong-jin Na, Südkorea 2010)
VALLANZASCA - GLI ANGELI DEL MALE (Michele Placido, Italien 2010)
CARNE DE NEÓN (Paco Cabezas, Spanien 2010)
NAMELESS GANGSTER (Jong-bin Yun, Südkorea 2012)
NEW WORLD (Hoon-jung Park, Südkorea 2013)
NIGHTCRAWLER (Dan Gilroy, USA 2014)

07 Juli, 2017

Lidschlag


Der Lidschlag wird manchmal als 'natürliches Äquivalent' des Filmschnitts bezeichnet und wirklich blinzeln wir oft in Momenten des „Einstellungswechsels”, oder unterbrechen eine Sehphase, um unser Auge zu erfrischen. Man könnte daraus eine - etwas wackelige - Theorie der Auflösung ableiten: Jede neue Einstellung soll den Gegenstand von einer anderen Perspektive zeigen, etwas Neues offenbaren, und zwar nicht, weil Abwechslung ein Wert an sich wäre, sondern weil wir das Sehen als einen fortwährenden Ergänzungsprozess verstehen müssen, der auf ein möglichst vollständiges, das heißt wahrheitsgetreues Abbild aus ist.

(Das Bild stammt meiner Sequenzanalyse zu Hitchcocks THE WRONG MAN.)

15 Juni, 2017

01 Juni, 2017

Le Corbeau



Am 14. Juni 2017 mache ich eine Einführung zu Henri-Georges Clouzots großartigem LE CORBEAU im Zeughauskino.
An anderer Stelle habe ich über den Film geschrieben: "LE CORBEAU, Henri-Georges Clouzot's bitter 1943 noir, made under German occupation, convincingly shows how denunciation—even when accurate—destroys the social fabric of a community. The truth telling anonymous here is initially welcomed by many, as a distraction from drab routines, or because they hope to profit from the change the scandal will inevitable bring; but letter after letter, it becomes clear that truth without the (moral) concept of visibility is terror..."