Ich bin gerade dabei, meinen neuen Spielfilm zu besetzen und sehe in diesem Zusammenhang viele Bänder, Zusammenschnitte von Auftritten einzelner Schauspieler.
Das Bild, das dabei im Nebenbei von Deutschland entsteht, wird von der Frage nach dem Alibi dominiert. „Wo waren Sie am ...” fragen die Kommissarinnen und Kommissare in allen erdenklichen Betonungen.
Das Trauma der schon besiegelten Schuld zieht sich durch beinahe alle Fernsehkrimis, der Modus ist immer
post mortem, man kann das Verbrechen nur mehr ermitteln, vielleicht verstehen, aber nicht mehr abwenden.
Ein Toter beginnt den Film und viele leblose Figuren später wird der Täter aufgeräumt, während die Ermittler unberührt bleiben, womöglich beschützt von der Gnade der späten Geburt.
Das Genre braucht die Resonanz im kollektiven Unbewussten, um in der Wiederholung wirksam zu werden, insofern ist der deutsche Fernsehkrimi Nutzniesser der Leichen im Keller unserer Geschichte.
Aber angesichts all der Kommissare und ihrem Gewissensterror sehne ich mich nach Filmen, die sich auf die Seite der Verbrecher schlagen, nach Filmen, in denen die Bösen davon kommen - ohne aufzuhören böse zu sein natürlich.
Wäre das nicht auch die ehrlichere Erzählung über unsere Geschichte?