20 Oktober, 2018

Ekkehard Knörer über 'Gruppenfilme'

Still aus A PARADE IS A PARADE, der Episode von William Klein in dem Gruppen-
film LOIN DU VIÊT-NAM (Frankreich 1967).


Anlässlich des 2. Revolverkino-Programms (24. + 25. + 26.10.2018, Gropius Bau) habe ich Ekkehard Knörer ein paar Fragen gestellt. Ich hoffe, wir sehen uns im Kino!

11 Oktober, 2018

Revolverkino + Cargo: Gruppenfilme

Das zweite Programm im Oktober steht unter dem Motto „Gruppenfilme” und wurde von Ekkehard Knörer, Herausgeber und Redakteur von CARGO, kuratiert.

„Gruppen filmen“, das sind: Gruppen, die filmen. Zum Beispiel die Einzelkämpfer-Auteurs, die einmal ein gemeinsames Ding drehen: Joris Ivens, William Klein, Claude Lelouch, Agnès Varda, Jean-Luc Godard, Chris Marker und Alain Resnais in Loin du Viêt-nam von 1967. „Gruppen filmen“, das sind: Gruppen, die einer filmt. Seit 1964 verfolgt Michael Apted 14 britische Jugendliche in einer Langzeitdokumentation, in Siebenjahresschritten. 56 Up von 2012 ist der bislang jüngste Film der Reihe, die die einzelnen Figuren zu einer komplexen Sozialchronik gruppiert. „Gruppen filmen“, das kann heißen, Schauspieler*innen und Regisseur*innen bei der Probenarbeit zu beobachten wie in Ensemble von Eva Könnemann, 2010 oder im noch radikaleren Fall: Material Beton von 2013, eine Gruppe filmt sich als selbstreflexiver Film- und Künstler*innen- und Protagonist*innenverbund.


Ekkehard Knörer


































19:30 Loin du Viêt-nam
Joris Ivens, William Klein, Claude Lelouch, Agnès Varda, Jean-Luc Godard, Chris Marker, Alain Resnais, Frankreich 1967, restaurierte Fassung, 115 Min., DCP, Originalversion mit englischen Untertiteln
Mit freundlicher Unterstützung des Institut Français
































19:30 56 Up
Michael Apted, Großbritannien 2012, 180 Min., DVD, Englisch






















19:30 Material Beton
Katja Lell, Babek Behrouz, Eva Könnemann, Nick Koppenhagen, Marco Kunz, Laura Nitsch, Deutschland 2013, 53 Min., HD, Deutsch


Jeden Monat an drei Abenden in Folge quer durch die Filmgeschichte, Formate und Genres: Die Filmzeitschrift Revolver zeigt im Gropius Bau was Kino sein kann.


Gropius Bau
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin

Das Kino befindet sich im Untergeschoss.

20 September, 2018

Das Kino als Hellseher

Anke Stelling, Silvia Szymanski

Ich freue mich sehr, am kommenden Dienstag (25.09.2018) direkt nach dem tollen Brando-Western ONE-EYED JACKS (USA 1961)* mit den geschätzten Schriftstellerinnen** Anke Stelling und Silvia Szymanski über „Das Kino als Hellseher” sprechen zu können. Kommt alle! Es wird bestimmt interessant, der Eintritt ist frei. (Der Film beginnt um 19.30 h, die Diskussion um 22 h.)

Wir wollen – ausgehend von dem Film, aber ganz bestimmt auch darüber hinaus – der Frage nachgehen, wie sich das Kino als Maschine gebrauchen lässt, mit der man in die Zukunft sieht. Geplant ist kein filmhistorisches Expertengespräch, sondern ein persönlicher Austausch entlang ganz unterschiedlicher Seherfahrungen, über individuelle und gesellschaftliche Erschütterungen im Resonanzraum des Kinos sozusagen.

Christoph


*)
Auftakt des ersten Revolverkino-Programms The End, das ich mit Hannes Brühwiler zusammengestellt habe.

**)
Anke Stelling schreibt Prosa (zum Beispiel: Schäfchen im Trockenen”, „Fürsorge”), aber auch Drehbücher (Die GeschwisterGlückliche Fügung). Silvia Szymanski schreibt Prosa (zum Beispiel: „Chemische Reinigung”, „Kein Sex mit Mike”), aber auch Filmkritiken (hard sensations, critic.de u.a.und macht Musik. Silvia kam übrigens auch in Revolver 35 zum Thema „Cinephilie” zu Wort.

10 September, 2018

Revolverkino

Jeden Monat an drei Abenden in Folge quer durch die Filmgeschichte, Formate und Genres: Die Filmzeitschrift Revolver zeigt im Gropius Bau was Kino sein kann. Im September startet das erste Programm: Revolverkino im Gropius Bau beginnt mit The End.

„Wir leben in Zeiten des Fiebers. Krämpfe schütteln die Gegenwart. Gewalt bricht sich Bahn. Etwas geht zu Ende. Neues kündigt sich an. Aber was?” schreiben die Kuratoren Christoph Hochhäusler und Hannes Brühwiler. 

The End kombiniert bewusst gegensätzliche Filme, Formate und Genres und will „entlang der Schmerzgrenze in den Eingeweiden des Kinos lesen.” Am ersten Abend wird es unter der Überschrift „Das Kino als Hellseher” außerdem ein Gespräch darüber geben, wie gesellschaftliche Erschütterungen im Resonanzraum des Kinos spürbar werden.

The End erzählt von den Grenzen der Freiheit und den Versuchen der Gesellschaft, Abweichungen von der Norm zu unterbinden – nicht zufällig waren viele der Filme selbst von diesem Schicksal betroffen. Sie wurden verboten (Titicut Follies), zensiert oder verstümmelt (One-Eyed Jacks - wir zeigen die restaurierte Fassung) und erzählen vom Schmerz als Korrektiv obszöner Macht (Audition), vom unaussprechlichen Horror der Normalität (Totem), dem unmenschlichen Regime der Gesunden über die Kranken (Titicut Follies), von der Suche nach der Frage für die Antwort Gewalt (Inter-View) und vom Wind auf die Glut des schlechten Gewissens (One-Eyed Jacks).



19:30 One-Eyed Jacks
Marlon Brando, USA 1961, Restaurierte Fassung, 141 Min., Englisch, FSK 12
22:00 Diskussion: „Das Kino als Hellseher” mit Anke Stelling, Silvia Szymanski und Christoph Hochhäusler.

19:30
Titicut Follies
Frederick Wiseman, USA 1967, 84 Min., Englisch, FSK 18

21:00 Totem
Jessica Krummacher, Deutschland 2011, 86 Min, Deutsch, FSK 12


19:30 Inter-View
Jessica Hausner, Österreich 1999, 48 Min., 35 mm Kopie, Deutsch

20:30 Audition
Takeshi Miike, Japan 1999, 115 Min., 35 mm Kopie, Japanisch mit deutschen Untertiteln, FSK 18

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Blick in den Saal.


Das Programm der kommenden Monate entsteht dann jeweils in Kooperation mit wechselnden Revolver-Partnern wie Cargo, Critic.de und Filmkollektiv Frankfurt. Revolverkino ist Ausdruck für das neue Programm des Gropius Bau und aktiviert das Kino vor Ort mit einem neuen Format. Stephanie Rosenthal, Direktorin des Hauses, setzt damit ihr Anliegen fort, den Gropius Bau zu öffnen und als Plattform für zeitgenössische Themen in Berlin zu etablieren. 

Das nächste Revolverkino findet am 24., 25. und 26.Oktober statt und wird von dem Kritiker und Kulturwissenschaftler Ekkehard Knörer (Cargo) kuratiert. 

Weitere Informationen zum Programm auch unter gropiusbau.de 

Gropius Bau
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin


Das Kino befindet sich im Untergeschoss.

Der Eintritt ist frei.

27 August, 2018

Filmgespräch 'M'


Am Mittwoch, den 12. September um 20 h mache ich ein Filmgespräch zu Fritz Langs M (D 1931), im Rahmen der von Frederik Lang kuratierten Hommage Peter Lorre im Zeughauskino (12.07.-30.09.2018). Der Film bedarf natürlich nicht meiner Einführung, aber ich freue mich sehr darauf, seinen Reichtum filmischer Erfindungen mit dem Publikum zu diskutieren.

06 August, 2018

The Touch

Ernst Lubitsch bei der Arbeit. 

Ernst Lubitschs Ästhetik, oder auch: 'Touch', ist bekanntermaßen schwer zu definieren. Ich versuche es trotzdem: Lubitsch sucht nach einem Kino, in dem das Wie wichtiger ist als das Was - und zwar gleichermaßen die Figuren (wie sie etwas tun) und die filmische Form (wie wir davon erfahren) betreffend. Es geht ihm weniger um Plot oder Thema und auch nicht um die abstrakte Schönheit einer filmischen Lösung, vielmehr ist diese schöne Abstraktion Ausdruck seines Wunsches, in der Andeutung und Auslassung so etwas wie ein zärtliches Verhältnis zwischen Figuren und Publikum zu etablieren. Man könnte auch sagen: Er spielt über Bande, um im Publikum Großherzigkeit zu stiften. Ausgehend von einer emphatischen Mitarbeit, die beinahe immer die Schwächen der Figuren betrifft („zwei und zwei zusammenzählen”, wie Billy Wilder das genannt hat) idealisiert er das Publikum, damit er seine Figuren nicht idealisieren muss. Dem ersten Anschein zum Trotz sind seine Filme nicht nostalgisch oder sentimental, sondern auf einen Handel mit dem Publikum aus: wer bereit ist, die „Löcher in Lubitschs Emmentaler” (Truffaut) zu stopfen, bekommt die Chance, die Zerbrechlichkeit des Glücks, der Liebe, des Lebens so leicht zu nehmen, dass Alternativen plötzlich möglich scheinen.


(Ich komme darauf, weil ich gerade Joseph McBride "How did Lubitsch do it?" gelesen habe. Anregende Lektüre.)