05 Januar, 2009

Körperchronik



"Jedes Leben gespeicherte Erfahrung, jeder Körper Chronik der Taten, zur Anschauung für uns Andere, die wir auch Beispiel geben." (Aus meinem Notizbuch)

Ich bin zur Zeit in Uruguay, der Heimat meiner Frau, und was mich hier mehr als alles andere begeistert sind die Gesichter und Körper, gezeichnet von einem anderen Leben.

Weil ich selbst nicht gerne fotografiere, oben stellwertretend eines der ikonischen Bilder aus August Sanders Jahrhundertwerk "Menschen des 20. Jahrhunderts".

Die verwickelten Zusammenhänge von innerer und äusserer Verfassung und der "entsprechenden" Ausprägung der Gesichter und Körper hat kein Fotograf je so umfassend und empfindsam studiert wie Sander; er ist ein Meister, auf den ich immer wieder zurückkomme.

Für mich kann Kunst nicht mehr erreichen, als eben das: ein Bild vom Menschen geben...

Kommentare:

  1. Gibt es bestimmte Gründe dafür, dass Sie nicht gerne fotografieren?

    Liegt es an einem Wunsch nach stilistischer, formaler Perfektion, die in Ihren Filmen sichtbar ist, bei spontaner Fotografie aber nicht so leicht zu erreichen ist?

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  2. Nein, eher fürchte ich die Medialisierung des eigenen Lebens, das Nachdenken über ein "gutes Bild", das meiner eigenen (und eben nicht nur visuellen) Wahrnehmung Konkurrenz macht. Hinzu kommt die Scheu, mich unbekannten Menschen gegenüber in eine Art Nutzverhältnis zu setzen ... das kommt mir oft sehr unhöflich vor, dieses "ihrBild kann ich gebrauchen" ... Das ist womöglich der Hauptgrund, warum ich Spielfilme mache...

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