03 Dezember, 2008

AUSSEN, WÜSTE - TAG

Als Syd Field Anfang der 80er Jahre den Rufer in der Wüste spielte von wegen „Plot Point One: Page Twentyseven”, da konnte man nicht ahnen, dass sich die Ratgeber-Literatur einmal so wuchernd ausbreiten würde. Auch in Deutschland, einem Land, in dem man als Drehbuchautor besonders schlecht verdient, gibt es heute viele Meter Empfehlungsprosa im Regal - aber kaum ein richtiges Drehbuch zu kaufen.

Wer für die Bühne schreibt, hat selbstverständlich Zugriff auf eine große Fülle dramatischer Werke, aber Drehbuchautoren, die die Meister studieren wollen, sind oft genug auf die Filme selbst angewiesen. Und wenn dann doch einmal ein Drehbuch auftaucht, bevorzugt im „Buch zum Film”, stösst man oft auf trügerische Textfassungen, die im Zweifel lieber den Schnitt als das Drehbuch dokumentieren. Der Fan, der die Devotionalie zum Erfolgsfilm kauft, darf nicht verwirrt werden! Aber auch die alten Spektakulum-Bände von Suhrkamp, von Frieda Grafe und Enno Patalas verantwortet, haben die Filme literarisiert, statt Drehbücher zu veröffentlichen. Letztere sind wunderschöne Bände, sprachlich sehr elegant, aber eben weit davon entfernt, die Lücken, Widersprüche und Friktionen zwischen Buch und Film sichtbar zu machen, die zum Alltag des Filmemachens gehören.

Abhilfe schafft zumindest für den amerikanischen Raum das Netz, wenn auch nicht immer mit zuverlässig editierten Fassungen. Allerdings ist die Qualität der Download-Drehbücher sehr gestiegen, seit die Autoren eingesehen haben, dass es besser ist, selbst zu liefern als krude Fassungen zu bekämpfen. Kritische Editionen, wie es sie im Printbereich gelegentlich gibt, sind im Netz jedoch die große Ausnahme (Ich besitze zum Beispiel Ernest Lehmans Drehbuch zu NORTH BY NORTHWEST - aus der „MGM Library of Film Scripts”, Viking Press 1973 - eine ausgesprochen vergnügliche Lektüre mit feinen, aber mitunter vielsagenden Abweichungen zum fertigen Film, die jeweils mit eckigen Klammern gekennzeichnet sind).

Ich komme darauf, weil die Deutsche Filmakademie gestern angekündigt hat, in Zukunft deutsche Drehbücher als E-Books bzw. downloadbare PDFs zu verkaufen, für 9,90 Euro das Stück. Den Anfang machen wenig überraschend Dörries KIRSCHBLÜTEN und Akins AUF DER ANDEREN SEITE. Welche weiteren Titel geplant sind, nach welcher verlegerischer und editorischer Systematik man dabei vorgehen möchte, ist der Pressemitteilung leider nicht zu entnehmen. So oder so, den Vorstoss als solchen begrüsse ich sehr. auch wenn ich geduldiges Papier bevorzugen würde.

Zum (kostenpflichtigen) Download der beiden deutschen Drehbücher geht es hier.

Drei Hollywood-lastige amerikanische Seiten (auf denen sich aber auch der eine oder andere Dörrie-Film findet), allesamt kostenlos: Script-o-rama, Simply Scripts, Movie Scripts Database.

Kommentare:

  1. Zugegeben, ich kenne Drehbücher nur aus der Position des Lesers. Die ganze produktionelle Seite ist mir also recht fremd geblieben: also das Drehbuch als Vertragsgrundlage, das Drehbuch als Arbeitsbasis, das Drehbuch als Markierungsfläche beim Drehvorgang. Als Leser von Drehbüchern ist mir aber immer wieder aufgefallen, wie sehr das Drehbuch nur Dialogbuch sein will/darf und auf die Literarisierung des zu drehenden Films verzichtet. Insofern bleibt der Leser des Drehbuchs, (der ja im Zweifelsfall professioneller Leser ist, Produzent, Förderer, Redakteur) oftmals von der filmischen Vision ausgeschlossen, was vielleicht im Sinne der Gleichung Autor=Regisseur folgerichtig sein mag, aber den gemeinschaftlichen Aspekt des Filmemachens eher behindert. Vielleicht liegt dies auch daran, dass die "filmische Vision" in die initialen Prozesse (Exposé, Treatment) verlagert wurde. Gleichwohl wird das Drehbuch so nur zum Werkzeug der Konzeptumsetzung.

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  2. Ja, das ist ein Problem. Der Leser will, um Vergnügen an der Lektüre zu haben, erleben, und das bedeutet in diesem Fall fast immer: Dialog. Beschreibungen von Kamerafahrten, Montagen oder auch nur stummen Bildern, meinetwegen das Rauschen der Blätter betreffend - kurz: alles, was „bildsinnlich” ist - stört den Fluss. Ich glaube, das ist einer der Hauptgründe für das Fehlen solcher Momente in vielen Filmen. Denn was im Drehbuch nicht organisiert wurde, ist nur schwer in den Drehplan zu pressen. Das meinte ich, als ich neulich schrieb: „die Medien der Kontrolle mischen sich ein.”

    Man könnte argumentieren, dass die extreme Verkausalisierung des Films in dieser Form der Planung seinen Ursprung hat. Andererseits zwingt die Abstraktion des Drehbuchs zu gedanklicher Klarheit und macht die Übersetzungsleistung von Regie & Co notwendig. Oft sind die Fantasien von Produzent und Regisseur trotz Einigkeit über das Drehbuch unüberbrückbar, was sich aber (glücklicherweise) erst im Schneideraum zeigt...

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  3. Heute in Variety:

    „Fincher describes himself as a "workflow guy," heralding a data-processing system called PIX (Project Information Exchange), which includes everything related to the film from the script to location photos to dailies, as "one of the ways we made 'Benjamin' possible. To me, that's as important as making the digital process work or having the right camera," he says. "It's not just about the aesthetic, but how do you communicate that aesthetic among 350 people?"

    Coppolas Idee des Electronic Cinema, in dem jeder kreative Schritt - Drehbuch, Storyboards, Locationfotos, Proben, provisorischer Soundtrack etc. - eine Art Update des werdenden Films ist, wird nach und nach doch noch Industriestandard. So viel zur Zukunft des Drehbuchs.

    C.

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  4. Was meint Electronic Cinema hier? So eine Art Skizzen oder Ideenbuch "vor" dem Film? Ich musste da unweigerlich an Scénario du film 'Passion' denken und in wie weit das mit Coppola zu tun haben könnte? Schließlich hat er bei JLGs vorhergegangenem Film Sauve qui peut (la vie) und bei Passion in "vielfältiger Weise" mitgewirkt (oder zugeguckt, wie man es nimmt…). Aus reinem Interesse fragt,
    Axel

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  5. Coppola, gewissermassen der technologische Ziehvater von George Lucas (der eine Weile lang sein Assistent war), hat sich schon früh für neue Technologien interessiert. RAIN PEOPLE ist zum Beispiel der Versuch gewesen, einen Film „on the road” zu machen, mit miniaturisiertem High-Tech-Equipment, was damals zum Beispiel die Nagra war. Ende der Siebziger, auf einer Welle fast grenzenlosen Erfolges reitend (mit zwei goldenen Palmen, drei Oscars und dem größten Kassenerfolg seiner Zeit hinter sich), hielt Coppola dann die Zeit für gekommen, das Ende des alten Hollywood zu verkünden. Er meinte das in erster Linie technisch - formal-inhaltlich waren die meisten Projekte seines American Zoetrope Studios geradezu restaurativ. Der erste Film der verkündeten neuen Ära des „Electronic Cinema”, (was damals natürlich nur Videotechnik hiess, made by Sony), war ONE FROM THE HEART. Kennst du den? Mit Nastasja Kinski, Harry Dean Stanton und Fred Forrest. „Künstlerischer Berater” war Gene Kelly! Tatsächlich ein vor allem technisch interessanter Film, finde ich. Coppolas Scheitern hatte aber durchaus nicht nur mit der dünnen Geschichte zu tun, sondern mit einem Bündel von falschen Annahmen, vor allem, was die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts und die daraus resultierenden Kostenersparnisse betrifft --- aber die „alte” Industrie hat ihn natürlich auch sehr gerne straucheln gesehen nach so großen Worten... Ich habe dazu mal eine Arbeit geschrieben an der Hochschule, kann ich dir bei Gelegenheit zukommen lassen.

    Grüße,

    C

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  6. Danke für die schnelle Antwort. So wie du das beschreibst hört sich das allerdings gar nicht so originell an wenn man bedenkt das (abgesehen vom klassichen Studiofilm) es wohl immer im Interesse der Macher liegt so flexibel wie möglich zu agieren - und so eine Mitchell schleppt man ja nicht grad mal so mit wenn man einen kleinen Ausflug aufs Lande macht… Gibt es da etwas besonderes/originelles bei 'Electronic Cinema' welches dieses von Astrucs caméra-stylo, direct cinema und so weiter unterscheidet? Leider bin ich nicht so der New Hollywood Afficionado und Kenner (mal abgesehen von den üblichen Verdächtigen (nicht der Film) die man mit 16-24 Jahren einfach cool finden muss (!) - ich bin jetzt 32) somit würd mich das schon interessieren.
    ONE FROM THE HEART ist auf Video gedreht? Kann mich aber ehrlich gesagt gar nicht erinnern ob ich den gesehn habe (oder ob mir auf Grund der Darsteller irgendwelche Fetzen von Paris, Texas im Hirn herumschwirren - einen Film den ich im übrigen nicht mag wie auch vieles andere von Wenders, aber das passt ja jetzt nicht hier hin). Das aus dem anfänglichen Video Hype trotz viel versprechender und sehr origineller Filme leider nichts geworden ist finde ich auch sehr schade (falsche Annahmen). Da war so ein wunderbarer Moment, sicherlich auch historisch beeinflusst, wo man Grenzen überschreiten konnte und vor allem auch wollte und das auch im Sinne von "Kino" und nicht "Videokunst" (ich will da jetzt keine Unterscheidung/Wertung machen sondern benutze die Begriffe nur zur Veranschaulichung). Die zugegeben abstrakte Bezeichnung "historisch beeinflusst" scheint mir auch dasjenige zu sein, was mir an Dogma95 gefehlt hat, also einen wirklichen Grund, eine Legitmation dafür wieso man aus "inhaltlichen" Gründen auf DV aufnemen muss. (Die technischen/finanziellen Vorteile liegen auf der Hand - sind/waren aber meiner Meinung nicht besonders originell). Aber das Thema ist ja auch schon sowas von durch…. Bei dieser Gelegenheit muss ich aber mal ein ganz großes Kompliment an deine Bilder in Falsche Bekenner machen - hab die DVD noch mal geschaut und muss sagen, das das ein Film ist den man mit 32 Jahren cool finden muss!
    Viele Grüße,
    Axel

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  7. ONE FROM THE HEART ist nicht auf Video gedreht, aber mit Hilfe von Videotechnik „previsualisiert” worden. Das ist erst mal arbeitstechnisch interessant --- und bedeutet, dass sich die Phasen der Produktion stärker überlagern.

    Aber Technik hat immer küntlerische Folgen... sie schreibt sich in die Arbeit ein. Mit Klavier kann man sich vielfältiger ausdrücken als mit dem Spinett. Ich bin kein Musikhistoriker, aber ich vermute, die moderne Oper hätte ohne die „Preaudiolisierung” durch das Klavier nicht entstehen können.

    Originell an Dogma war, die Armut produktiv zu überwinden, indem man sie zum asketischen Ideal erhebt --- ohne dabei seinen Humor zu verlieren.

    C

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  8. "Previsualisiert"? Was heisst das? Ein Videobild vor dem Filmbild? Mir ist der technische Ablauf leider nicht klar da ich wie gesgat den Begriff und die Definition von Electronic Cinema nicht kenne. Was genau bedeutet Previsualisiert hier?
    Deswegen dachte ich ja an das Beispiel von Scénario du film 'Passion' wo quasi der Film in Bildern vor-gedacht wird was ja auch einer Überlagerung der Produktionsphasen bedeutet, aber bei Coppola scheint es ja was anderes zu sein, oder?
    Technik schreibt sich in die Arbeit ein, ja. Eine Vielzahl von Möglichkeiten schafft aber erstmal eine Quantitative Vielfalt und nicht per se eine Qualitative. Eine materialistische Betrachtungsweise liegt mir nicht fern - aber im Zusammenhang mit gestalterischer 'Leistung' ist mir das "wo-zu" doch immer noch wichtiger als die "Dinge an sich". Das man als Gestalter immer die Technik im Auge behalten sollte ist klar - und das sich aus technischer Innovation auch gestalterisch Innovatives produzieren lässt ist auch klar, aber das kann man auch mit dem Spinett. Ich bin auch kein Musikhistoriker, beschäftige mich aber mit Bildern - würdest Du zum Beispiel auch sagen das ein bestimmter Pinsel ein vielfältigeres Bild schafft als ein anderer? Oder sagen wir das ein (Öl) Gemälde von Ingres vielfältiger erscheint als ein karge Skizze von wem auch immer? Man könnte auch das Beispiel High und Low Definition anbringen wie es Godard letztens gemacht hat und fragen ob dann Ingres High Definition sei und die Skizze Low Definition? Er sagte High Definition bräuchte man wenn 'nur' für den Reisepass - denn was würde passieren wenn man dort ein Passfoto gezeichnet von Van Gogh hätte…

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  9. Ich schätze das Klavier nicht „höher” ein als das Spinett, aber es hat sich zweifellos gegenüber dem Spinett durchgesetzt wegen seiner größeren Bandbreite ... Genauso gründet der Erfolg des Computers auf der Vielseitigkeit dieses Werkzeugs. Ein Künstler kann natürlich mit gutem Grund entscheiden, auch heute noch Spinett zu spielen etc. --- die Frage der künstlerischen Mittel ist aber immer auch eine der Produktionsmittel.

    Zum „Previsualisieren”... ich kann dir gerne meinen Text zu diesem Thema schicken.

    Coppola hat damals tatsächlich vorgehabt, einen Film von Godard zu produzieren, meines Wissens kam es aber letztlich nicht dazu. Welche Einflüsse es da gegeben haben könnte, weiss ich nicht.

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  10. In der tat gab es Ende der 70er/Anfang 80er einige Zusammentreffen zwischen Coppola, Godard und Tom Luddy. Wie du ja bereits sagtest hatte Coppola einiges mit American Zoetrope vor - hat sich da aber wie jeder weiss gehörig verzettelt. Godard sollte unteranderem Bugsy Siegel für American Zoetrope verfilmen und es gab etliche Gespräche mit Major Actors bzgl. Rollenverteilung - dann ist das ganze leider geplatzt. Das Videoscenario ist übrigens auf der Sauve qui peut (la vie) DVD von Artifical Eye drauf - falls es jemanden interessiert - Sehr sehenswert und hat bestimmt was mit Previsualisierung zu tun. Über deinen text würd ich mich freun - per skype? Da findest du mich über toutvabien76 als Axel. Gruß aus Köln, Axel

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  11. ich bin zwar etwas spät dran mit meinem kommentar, aber ich würde gerne noch einmal auf den zugriff auf drehbücher zurückkommen.

    es ist in der tat leichter geworden, drehbücher zu bekommen. aber wie es das schnelllebige medium will, sind es zumeist nur die neuen, oder weniger allgemein: die großfilme bzw. die kommerziell erfolgreichen, die man im netz finden kann. perlen wie NORTH BY NORTHWEST bedürfen da schon tieferen perlenschürfens. ich zum beispiel bin immer noch auf der suche nach william goldmans script von THE MARATHON MAN. ich finde es einfach nicht (tipps sind sehr willkommen).

    einerseits finde ich es lobenswert von der deutschen filmakademie, drehbücher öffentlich zu machen. mir ist andererseits jedoch schleierhaft, warum das etwas kosten soll, und dann auch noch so viel, wie ein regulärer kinobesuch. setzt man dem interessierten leser damit nicht eine zusätzlich hürde? bedauerlich. es muss doch nicht alles immer bares bringen. wenn es jedoch uns drehbuchschreibern zufiele, würde mich das sehr überraschen. aber das geld versandet ohnehin wieder im nirgendwo... oder auch in einem von vilsmaiers fördertöpfen.

    ich habe mich unlängst mit einem dt. produzenten unterhalten, der mir gesagt hat, dass er kaum noch originalstoffe dreht. alle sind adaptionen, und alles bestseller. was ist der grund? kompelxität. literarische vorlagen dürfen den zuschauer fordern, manchmal auch überfordern, während man bei originalstoffen als kreativer häufig gegen wände läuft. zu kompliziert sei die geschichte, zuviel figuren usw. dann wird vereinfacht, gestrichen und am ende bleibt kaum mehr etwas übrig. das soll nicht weinerlich sein, bloßer erfahrungswert. natürlich gibt es ausnahmen, die aber selten. bei adaptionen muss man - zumindest wenn man es ernst nimmt - an dem gerüst der vorlage festhalten, die figuren und ihre konflikte ernst nehmen. denn der zuschauer war (evtl.) vorher leser und hat seine erwartung an die geschichte. außerdem hat er ein natürliches misstrauen, und den auspruch parat: der film ist nicht so gut wie das buch. aber die hemmschwelle der redaktionen, auch darauf einfluss zu nehmen, sinkt stetig.

    im studium haben wir gelernt, keine geschichten zu erzählen, in denen die hauptfigur unsympathisch ist, evtl. sogar noch eine frau und rückblenden, an sich schon obsolet, wären ein totales no-go. dass das alles humbug war - eh klar - beweist so eine serie wie DAMAGES, die alle diese regeln auf den kopf stellt. sie ist ein gelunges beispiel dafür, das fernsehen einerseits anspruchsvoll und unterhaltsam sein kann, und noch dazu auch als drehbuch eine spannende lektüre.
    wer also auch einmal interesse daran hat, gute pilotbücher erfolgreicher serien zu lesen, dem sei diese seite empfohlen:

    http://tvwriting.googlepages.com/pilotschool

    dort finden sich ein haufen lesenswerter drehbücher zu diversen amerikanischen serien, so auch perlen, wie die erste folge zu TWIN PEAKS oder interessantes aus der cliffschmiede von 24.

    und das beste daran... sie kosten nichts. viel vergnügen!

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  12. Was du schreibst über Adaption vs. Originalstoffe ist gruselig.

    MARATHON MAN weiss ich leider nicht... Aber ALL THE PRESIDENT'S MEN gibt es auf Script-o-rama. Für mich der beste Film mehr oder weniger aller Beteiligten: Goldman (Drehbuch), Pakula (Regie), Redford (Bob Woodward), Hoffman (Carl Bernstein).

    Einige der Drehbücher für Hitchcocks Filme gibt es in dem wirklich wunderbaren Hitchcock-Archiv hitchcockwiki.com

    Grüße,

    C

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  13. Danke an die Beteiligten hier, dass endlich das Thema aufgegriffen wird, wie schlecht und ignorant hierzulande mit dem Nachlass der Drehbücher umgegangen wird. Die Archive sind berstend voll davon. Alleine das Deutsche Filmmuseum in Berlin hat 20.000 historische Drehbücher und Texte und veröffentlicht davon nichts, aber auch gar nichts. WAS EIN SKANDAL IST!!! In den neunziger Jahren wurden mal vier historische Drehbücher aus den zwanziger Jahren publiziert. Mitlerweile längst vergriffen. Wenn die weiter in diesem Valium-Tabletten-Tempo arbeiten, dauert das noch läppische 40.000 Jahre, bis sie den Gesamtbestand publiziert haben. WARNUNG UND TIP! Gebt nie eure Drehbücher oder sonst was in den Nachlass eines der hiesigen Filmmuseen, denn dann verschwindet es für immer in der Versenkung. Besser auf einer eigenen Website zeigen, selbst printen oder archivieren. Ist vielleicht besser.

    Die Amerikaner sind Galaxien vorraus, wie andere hier schon bemerkten. Und auch unsere europäischen Nachbarn schlafen nicht und tun wenigsten etwas mehr, als unsere Kuratoren hierzulande. Wer die Krakeleien eines Film-Genies sehen will, der schau sich das mal an:

    http://www.bifi.fr/public/ap/article.php?id=15

    Auf sowas muss man hier wohl noch weitere Jahrzehnte warten.

    Martin

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  14. Und anbei noch ein guter Link zu schönen und bisher kaum gesehenen französichen Filmstills und Produktionsfotos. Auch sowas würde ich mir mal aus den großen Sammlungen hiesiger Museen wünschen, als die immer wieder müden Bilder von "Metropolis", "Calagari" und Co.

    http://www.toutlecine.com/images/star/0007/00072262-brigitte-bardot.html

    Martin

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  15. Further reading:

    http://www.weeklyscript.com/

    http://www.script-o-rama.com/table.shtml

    http://sfy.ru/

    http://www.imsdb.com/

    http://www.simplyscripts.com/

    http://www.dailyscript.com/

    http://www.aellea.com/?page_id=3

    http://www.moviescriptsandscreenplays.com/

    http://humor.about.com/gi/dynamic/offsite.htm?site=http://snltranscripts.jt.org/index.phtml

    http://underdog.typepad.com/wandering_outloud_/screenwriting/index.html

    http://www.roteirodecinema.com.br/scripts/titles.htm

    http://www.makhmalbaf.com/
    (the “Coppolas of Persia”)

    Natürlich bilden die immer gleichen Drehbücher eine beträchtliche Schnittmenge, aber es lohnt sich nach konkreten Titeln auf jeder Site einzeln zu suchen.
    (Dass jetzt die Deutschen ausgerechnet mit einem Pay-per-read Modell antanzen passt natürlich ins bedauerliche Bild.)
    Im Übrigen eine Empfehlung meinerseits: zuerst Drehbuch lesen, danach ins Kino… das kann von pädagogischem Wert sein (Beispiel: There will be Blood), und im nächsten Moment wiederum große Enttäuschung auslösen (Burn after Reading). Woran sich auch mit Überlegungen zum Verhältnis von Drehbuch und Umsetzung anküpfen ließe …(wie wärs Christoph!). Im zweiten Fall ist die schriftliche Lektüre bei weitem unterhaltsamer ausgefallen, als das fertige Produkt. Ein Phänomen, das auch die Qualitäten eines Regisseurs in neuem Lichte erscheinen (oder eben auch verblassen) lässt.

    Zum horror digitalis: hatte selber nie das Vergnügen, aber als “grausig” beschrieben vor 2 Jahren in einem online Interview der Cahiers: Antonionis digitale Versuche mit “Mystère d´Oberwald” (1981).
    (das war eine Gesprächsrunde u.a. mit Barbet Schroeder. Ich glaube im Monat Februar, 2007 oder 2006. Thema: digitales Kino)
    Und ausgesprochen spielerische Versuche vordigitaler Natur, die aber bereits Ästhetiken des nachfolgenden Jahrzehnts zu antizipieren wussten: Godard “Sauve qui peut”, (1980).

    Gruß, Akos

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  16. Auch spät, aber hier passt es wahrscheinlich am besten hin:
    Ein schöner Artikel, wie Fernsehen ins Kino eingreift hier: http://www.zeit.de/2008/51/Kino-und-TV?page=all
    Ich denke, auch wenn es ein etwas anderes thema ist, der Fakt, dass das möglich ist, ist zu einem Gutteil auch der Tatsache geschuldet, welche Relevanz der schriftlich fixierte Film in Form des Drehbuchs erhalten hat. Wim wenders soll einstmals allein ein Exemplar von handkes Novelle "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" eingereicht haben, um den Film machen zu dürfen.
    Insofern euer Bedürfnis nach Drehbuchlektüre in allen Ehren, aber Basis jeglichen Filmschaffens sollte/könnte doch sein, eine visuelle Vision durch die Institutionen zu tragen und sich nicht durch einen schriftlich fixierten "Vertrag" korrumpieren zu lassen.

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  17. Noch mal zurück zum Anfang und damit zu den Drehbüchern von Dörrie und Akin. Würde mich interessieren, ob in den Büchern wenigstens die genaue Angabe gemacht wir, um welche "Fassung" des Drehbuchs es sich jeweils handelt. Und ob es wirklich die Drehbücher sind oder nur sog. Filmprotokolle (auf US-Amerikanisch "film-transcript"). Ich wette es handelt sich um die "Praktikanten-Fassung" des Drehbuchs, will sagen um die Filmprotokolle, die eine schlecht oder gar nicht bezahlte Praktikantin mühsam von den fertigen Filmen anfertigen musste. Also im Grunde um wissenschaftlich wertloses Zeug. Der Diogenes-Verlag hat jahrelang die angeblichen Drehbücher von Woody Allen auf Deutsch verlegt (Übersetzt von Hellmuth Karasek). In Wahrheit waren es lediglich die Filmprotokolle (film-transcipts) der abgedrehten Filme. So wird aus einem guten Film ein schlechter Text, den keiner lesen sollte, weil er wissenschaftlich völlig wertlos ist. Sollte die Deutsche Filmakademie solchen Schund wie "Filmprotokolle" herausbringen, disqualifiziert sie sich in meinen Augen selbst. Dann lieber gleich sämtliche Fassungen der Drehbücher von Dörrie und Akin raus bringen, um den Entstehungs- und Veränderungsprozess des Drehbuchs zum Film zu zeigen.

    LESETIPP: James Cameron "Titanic-Storybook - Illustriertes Drehbuch". Schön und anschaulich gemacht. Das ursprüngliche Originaldrehbuch mitsamt der nachfolgenden Änderungen. Allemal besser als ein Filmprotokoll.

    Jeffrey Meyers hat einige wunderbare Drehbücher von Billy Wilder und Charles Brackett vor Jahren als schöne Faksimile-Ausgaben herausgebracht. Für ein paar Euro zu haben. "Sunset Boulevard" u.a. Lesen und dann die Filme schauen und so Meilensteine des Drehbuchschreibens und des Films erfahren.

    Gruß
    Martin

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