06 Dezember, 2008

Der Traum von Kontrolle


Weil wir in den Kommentaren gerade darauf gekommen sind. Hier meine HFF-Technikarbeit (2003) zum Thema „Previsualisierung” am Beispiel von Coppolas ONE FROM THE HEART. Vielleicht interessiert es den einen oder anderen.

Kommentare:

  1. Danke für den aufschlussreichen Text! Das Zitat am Ende fasst ja auch ganz gut meine Vorbehalte bzgl. Form/Technik und Inhalt(ung) zusammen - wobei ich nicht an eine Maschine "glaube" die am Ende einfach wunderbare neue Dinge ausspuckt. Somit finde ich es nur logisch und nachvollziehbar das diese technischen Innovationen fast ausschließlich dem Spektakelkino 'zugute' gekommen sind. Welche technischen zu interessanten inhaltlichen Innovationen führen könnten, das wäre interessant im Detail zu diskutieren - aber darüber müsste man reden - und dafür reicht meine technische Innovation Computer hier nicht aus.

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  2. Geht es nicht immer darum wie viele Informationen man für sich sinnvoll miteinander verbinden kann?
    Technik/Erzählung/Darstellung stehen in Beziehung zu Schwingung/Emotion/Linie. Die Kunst ist auf diesem Weg seit Picabia und Duchamp dabei zur Auflösung der Materie zu gelangen und quasi die Technik ganz unpersönlich für sich sprechen zu lassen. Der Autor ist dann halt kein Autor mehr, sondern Akteur innerhalb einer kollektiven Intelligenz.
    Es geht hier um ein neues Künstlerbild, dem Du ja auch schon in Deinem Beitrag über Image Tagebücher nachgegangen bist.
    Wir befreien und jetzt kollektiv vom romantischen Künstlerbild, nach dem Kunst Selbstausdruck ist.
    Kunst tritt jetzt als etwas hervor, was Ausdruck von etwas ist, was weit über den Menschen hinausgeht.
    Ich beschäftige mich gerade damit, weil ich an einem Drehbuch darüber arbeite. So bin ich auch auf Deinen Blog gekommen. In diesem Drehbuch geht es um eine Gruppe von Menschen aus allen Generationen innerhalb einer Stadt, die durch verschiedene Begegnungen zusammengeführt wird und sie bemerken das sie alle etwas verbindet. Eine gemeinsame Suche. Und die Art wie sie zusammengeführt wurden ist für sie schon der erste Schlüssel beim Finden der Lösung.

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  3. "In diesem Drehbuch geht es um eine Gruppe von Menschen aus allen Generationen innerhalb einer Stadt, die durch verschiedene Begegnungen zusammengeführt wird und sie bemerken das sie alle etwas verbindet. Eine gemeinsame Suche. Und die Art wie sie zusammengeführt wurden ist für sie schon der erste Schlüssel beim Finden der Lösung."

    Nichts für ungut, aber das klingt wie wannabe like Altman, P.T. Anderson oder Inarritu. Ensemblefilme scheitern doch regelmäßig daran, dass entweder ein starker Autor die Figuren klammert und thematisch zusammenführt und dabei ins Klischee abgleitet, oder dass er dazu erst gar nicht in der Lage ist und es somit nur zu einem beliebigen Aneinaderreihen von Darstellern kommt. Ich wünsche Dir dennoch viel Erfolg!

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  4. www.implizit.blogspot.com/14 Dezember, 2008 13:29

    Damit die Figuren nicht erstickt oder beliebig werden, ist es, bei meinem momentanen Stand der Beobachtung, vor allem wichtig im Drehbuch nicht zwischen Abschweifungen und eigentlicher Erzählung zu unterscheiden. Dies ist etwa Fellini ein paar mal geglückt, ich meine diese Schwebe zu erreichen, in der der Betrachter von jener inneren Stimme getragen wird, die jenen lebendigen Dialog zwischen Anekdoten, sachlichen Informationen und undurchschaubaren Assoziationen erst möglich macht.
    Wohin trägt einem diese innere Stimme? Zu dem Stern in der Ferne? Ein neuer Blick auf Historie und unser Dasein, der uns aus dem Gefängnis der momentan in der Filmkunst gängigen Begrenzung führt, kann nur dann ermöglicht werden, wenn der Betrachter die Freiheit bekommt, eine für ihn stimmige Ordnung selbst zu finden. (In diese Richtung- der Leser der Prosa muss sich diese erst erarbeiten, als wäre sie Dichtung- hat natürlich etwa J.L.G. einige wichtige Experimente gemacht.) Die ordnende Rolle des Autors löst sich auf und statt dessen tritt eine implizite Ordnung im jeweiligen Moment hervor, die die Geschichte und Erzählung als solche ersetzt. Im Sinne neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse löst sich- uns befreiend- Zeit und Raum und festgeschriebene Geschichte auf und an ihre Stelle tritt die tiefe subjektive Ordnung der All-Verbundenheit. Sehen wir mal inwiefern uns PIX (Project Information Exchange) dabei unterstützt. In zwei Wochen gibt es ja einen Vorgeschmack bei Benjamin. Wo sich allerdings - lustige Umehrung von dem was ich eben gerade geschrieben habe - in der Erzählung die Auflösung von Zeit und Raum ereignet, und nicht -vordergründig- in der Darstellungsweise.
    (Ich habe zu all dem ein paar Notizen auf einen neuem Blog begonnen zu posten. www.implizit.blogspot.com/)
    Schöne Zeit, und achte auf den hellen Stern am Himmel.
    Grüsse
    Thorsten

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  5. Visionen…die DVD von War of the Worlds bietet im Making-of ein etwas beängstigendes Beispiel für die wortgetreue Umsetzung der Pre-Visualization. Spielberg wird als hemdsärmeliger craftsman of digital spheres dargestellt, der mit seinen Jüngern das Storyboard in Computerbilder umrechnet und eine “rohe” Version des Films bereits vorproduziert hat, bevor der klassische Produktionsprozess überhaupt angelaufen ist. Er weiß wie der Film aussieht bevor er ihn gedreht hat. Die Abstraktionsleistung entfällt. Die Freude des Kontrolleurs ist ihm dabei anzusehen. Die Fehlerquote wird auf ein Minimum reduziert, das Ergebnis vorausberechnet – warum nicht gleich mehrere Filme gleichzeitig auf diese Weise herstellen? Bogdanovichs Bild vom “Stummfilm an der Stange” in `Nickelodeon´ - die Filme werden zur selben Zeit gedreht, in kleinen Boxen nebeneinander aufgereiht; mitunter verirrt sich dann auch ein Mime im falschen Bühnenbild - erfährt eine wundersame Wiederbelebung. Bald müssen nur noch die Schauspieler eingefügt werden - Die Entwurzelung des Dargestellten schreitet voran.
    (Kann es sein, dass Assayas die Verlustängste des Schauspielers um den Raum, in Irma Vep bereits angedeutet hat…?
    Helmut Färber hat vor einigen Jahren auf einer Veranstaltung Bedenken geäußert über den großen Einfluß der Onlinerecherche auf die Arbeit der Geisteswissenschaften. Er wies darauf hin, dass Walter Benjamin beispielsweise nur durch den persönlichen Aufenthalt in einer Bibliothek im Stande gewesen sei seine Kunst des Zusammenhangs, des Alles mit Allem Verbindens, zu vewirklichen, dank der Möglichkeit die Erkenntnisse der Menscheitsgeschichte in Bücherregalen manuell zu durchforsten; ich nehme an das beinhaltete auch, immer wieder von Zufällen gelenkt vorher Ungedachtes miteinander zu verknüpfen. Die örtliche Gebundenheit von Auge und Papier hat das nur ermöglicht. Wie wird die Pre-Visualization die Inszenierung eines Films verändern? Die Emotion? den Raum? Wenn Dinge, die früher gemeinsam gedacht und ausgeführt wurden, in Zukunft getrennt geschehen. War es nicht John Ford, der gemeint hat, die besten Sachen in einem Film seien dem Zufall zu verdanken? Das war nicht nur Koketterie.)

    Sobald es die Kapazität der Kabel und Röhren zulässt und genug digitale Brosamen über illegale Kanäle aus den preproduction Büros der größten Filmproduktionen abfallen, wird der Found Footage Film eines Tages vielleicht zum Laboratorium der Miniatur-Studiofilme, zur Zweitverwertungsstelle, die ihre persönlichen Piraten-Versionen der Blockbuster aus digitalem Schrott hervorbringt.
    Da werden verborgen oder bei Lichte, zeitgleich zum offiziellen Kinostart im Cyperspace die privaten Batmans und Bournes kursieren.

    another quote by Coppola/digital (1991):

    "One day, some little fat girl in Ohio is going to be the new Mozart and make a beautiful film with her father’s camera, and for once this so-called professionalism about movies will be destroyed forever, and it will become an art form.”

    (Bertolucci hat sich in ähnlicher Weise mal über Korine geäußert…)

    "(...)was möglich ist, will wirklich werden(...)",

    that´s nice. Die Beantwortung der Frage wie etwas "wirklich" dargestellt wird, und was das denn heißt, bleibt natürlich weiterhin das große Geheimnis.

    Gruß, Akos

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  6. Mehr zur aktuellen Debatte wohin die Final Cut Filmtechnik geht auf
    http://www.apple.com/finalcutstudio/action/button/?sr=hotnews

    Grüsse
    Thorsten

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