28 September, 2026

KI-No?

Plakat für Harry Piels Technik-Dystopie, 1934.

Das Gehirn macht nachts Inventur. Es funkt nahe und ferne Körperregionen an, um das Feedback zu kartieren. So jedenfalls lautet eine Theorie, die „unwillkürlichen” Bewegungen Träumender zu erklären. Folgt man dieser Deutung, wäre der Traum selbst nur ein Feedback-Artefakt, ausgelöst von den Tests, nicht Auslöser, und allenfalls in der Nacherzählung interessant.

Das, was Filme mit uns machen, könnte man ähnlich beschreiben: das Kino, eine „Empathie-Maschine”, vermisst unsere Menschlichkeit, testet, was unser Gefühlshaushalt hergibt und erinnert an unsere eigene Unterentwicklung (Tomás Gutiérrez Alea lässt grüßen). Bis zu einem gewissen Grade schliesst also auch hier erst die Nacherzählung die Sinn-Lücke. 


Die Frage ist, wie beliebig der Traum, wie „egal” der Film ist, der dieser Nacherzählung vorausgeht. Vielleicht ist das sogar die wichtigste Frage unserer Zeit. Denn die Fantastilliarden, die gerade in LLMs und andere „generische” KI-Modelle gepumpt werden, haben Folgen, ja wir sind mittendrin in einer Revolution der Bild- und Textproduktion, mittendrin auch im Abschied vom fotografischen Bild als einem Bild, das jenseits der Spiegelachse mit dem Wirklichen verbunden ist.


Wenn es nicht darauf ankommt, wie ein Bild oder Satz geboren wurde, ob er gedacht oder gemacht wurde, wenn nur unsere subjektive Reaktion und interne Sinnproduktion zählt, dann kann man KI getrost umarmen. Wenn aber Künstler und Träumer (was gelegentlich zusammenfällt) und ihre Prozesse, die Erfahrungen verdichten, Bedeutung haben, ist KI der Feind. Ein Dazwischen sehe ich nicht.

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