07 November, 2009

(Wieder-) Gesehen:


POLICE (Maurice Pialat, F 1985)

Eine Empfehlung von Dominik Graf. Unglaublich, die Intensität, das Schauspiel, die Mischung aus Realismus und emotionaler Überhöhung. Depardieu ist hier wirklich ein Gott, gewalttätig, empfindsam, am Leben. Und noch nie habe ich im Kino eine „undurchsichtige” Frau so differenziert gesehen: Sophie Marceau ist fantastisch als pathologische Lügnerin. Für mich eine erschütternde Entdeckung. Unbedingt ansehen!

Auf Youtube gibt es einen sehenswerten Film über die Dreharbeiten: PIALAT, 17 è JOUR DE TOURNAGE, in zwei Teilen: 1 und 2.


HALF NELSON (Ryan Fleck, USA 2006)

Ein ganz neuer Typ von Mann, aus dem Ryan Gosling ein Ereignis macht. Süchtig, klug, auf eine existenzielle Weise einsam - und sehr witzig. Auf eine seltsame Art erinnert mich Gosling an Eroll Flynn (der mich in Walshs SILVER RIVER so begeistert hat).


IL BIDONE (Frederico Fellini, Italien 1955)

Der unversöhnlichste Fellini-Film, den ich kenne. Das Übervorteilen erweist sich als das schäbige Grundprinzip einer ganzen Gesellschaft. Bitter - und überzeugend.


ACCIDENT (Joseph Losey, GB 1967)

Loseys elegantester Film, ganz nahe am Nichts und damit mit Antonionis BLOWUP verwandt; genial montiert von Reginald Beck. Dirk Bogarde ist sensationell. Für mich einer der größten Schauspieler des 20. Jahrhunderts.


THE RECKLESS MOMENT (Max Ophüls, USA 1949)

James Mason, für den ich mich ähnlich begeistern kann wie für Bogarde, spielt hier einen Erpresser, der Gefühle für sein Opfer, Joan Bennett, entwickelt. Ophüls erzählt das zwingend und subtil; aus der Gefahr, die in das Leben der Hausfrau hineinbricht, wird mehr und mehr eine Chance zur Selbsterkenntnis. Am Ende ist es der Erpresser, der unser Mitleid hat. Mit LETTER FROM AN UNKNOWN WOMAN mein Lieblings-Ophüls.

1 Kommentar:

  1. Bogarde sah ich zuletzt, unendlich seltsam, in Fassbinders sowieso vielleicht merkwürdigstem, entrücktestem, künstlichstem Film "Despair". (Und das will alles was heißen.)

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