11 November, 2009

Schall und Rauch

Weil wir gerade bei Preisen sind: Kennen Sie den „Club der Berliner Filmjournalisten”? Ich auch nicht, aber dieser Club, der keine Website hat, verleiht jährlich den „Ernst-Lubitsch-Preis”. Markus Tschiedert, laut Tagesspiegel eines der Mitglieder des Vereins, hält dann knappe Laudatios („durch und durch Komödiant”) und überreicht eine „Pan-Statuette” für die „beste komödiantische Leistung im deutschsprachigen Film”. Unter den Gewinnern findet man Namen wie Sönke Wortmann, Harald Juhnke oder Katja Riemann, was erst mal, sagen wir, Geschmackssache ist. Zufällig war ich anwesend, wie der Preis im Februar (im Rahmen des Berlinale-Medienboard-Empfangs) an Til Schweiger verliehen wurde, für KEINOHRHASEN. Um es also kurz zu machen: Der Name ist ein Etikett, das einfach nicht zum Inhalt passen will. Als Verehrer der Filme von Ernst Lubitsch tut mir das weh, um es vornehm auszudrücken. Schmerzen dieser Art haben in Deutschland aber Tradition. Auch die Bernhard-Wicki-, Friedrich-Wilhelm-Murnau- und Max-Ophüls-Preise machen ihren Namen selten Ehre. Warum? Wahrscheinlich ist das Erbe des deutschen Films einfach nicht lebendig. Die große Mehrheit kennt Lubitsch, Ophüls, Murnau gar nicht, weiss nichts von dem Besten, was der deutsche Film je hervorgebracht hat - und kann deshalb auch nicht „Einspruch” schreien...

Kommentare:

  1. Klar, am besten man würde Christoph Hochhäusler der Lubitsch Preis verleihen, für seine grossartig pointierten Dialoge, seinen lebensbejahenden Humor und seine ganz und gar uneitle und unelitäre Art, das Filmhandwerk zu betreiben! Oh mein Gott. Hochhäuslers ausgetrocknete, kraftlose, pseudopoetische Filme sind so ungefähr das Gegensätzlichste zu Lubitsch ( oder auch Billy Wilder ) Filmen, was man sich überhaupt nur vorstellen kann. Kein Charme, keine Timing, kein Ahnung von Schauspielführung, kein Humor, keine Eleganz, kein Gefühl für Pointen, keine Leichtigkeit. Stattdessen Berliner Schule, bzw. Vorschule. Ein um sich selbst kreisendes, humorloses, triefendes, kunstgewerbliches Hohlprodukt. Dann noch lieber Schweiger als Hochhäusler. Pretentiöser gehts einfach nicht mehr als dieser Blog. Da kann man sich nur fremdschämen.

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  2. Es ist ja richtig, meine Filme sind von Lubitsch weit entfernt. Aber warum soll ich ihn deshalb nicht lieben? Und was dieses Blog betrifft: Lesen ist freiwillig...

    Grüße,

    C

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