27 November, 2010

Der Kosmos als Kino

„Richtigerweise nahm [Felix Eberty] an, dass ein Lichtstrahl, der die Erde am Karfreitag des Jahres 30 n.Chr. Geburt verlassen hat – ideale Beobachtungsbedingungen vorausgesetzt –, sich noch immer im Kosmos vorwärts bewegt, und zwar von uns weg. Insofern sei alle Vorgeschichte im Weltall aufbewahrt auf den Schienen des Lichts. Die ganze Weltgeschichte sei folglich als BEWEGTE BILDFOLGE (das Wort Kino kannte Eberty nicht) im Kosmos unterwegs.”

Aus: „Der Kosmos als Kino”, eine Geschichte in Alexander Kluges „Geschichten vom Kino” (Suhrkamp 2007, S.44). Der Künstler Clemens von Wedemeyer zitiert diese Stelle in einem Text über seine Kino-Installation Sun Cinema in Mardin, Türkei. Ebertys Idee vom 'Kosmos als Kino' fasziniert mich - deshalb dieser Repost.

Kommentare:

  1. der dopplereffekt wäre dann der rotstich?

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  2. Musste erst einmal Wikipedia befragen, was der Doppler-Effekt ist:

    „Der Dopplereffekt wurde nach dem österreichischen Physiker und Mathematiker Christian Doppler benannt, der ihn 1842 voraussagte. Doppler wollte die unterschiedlichen Farben der Sterne durch ihre Eigenbewegung erklären. Auch wenn er damit falsch lag – die Farben entstehen hauptsächlich durch unterschiedliche Oberflächentemperatur der Sterne – war seine Berechnung im Prinzip richtig.”

    Und der Rotstich? Tut mir leid, Thomas, als physikalischer Banause bleiben da Fragen offen.

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  3. mir war es um die rotverschiebung gegangen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Rotverschiebung#Rotverschiebung_aufgrund_einer_Relativbewegung

    licht, das von einem objekt ausgeht, das sich entfernt, erscheint beim betrachter leicht ins rötliche verschoben. da sich im universum (von einigen wenigen nahen nachbarn abgesehen) alles voneinander entfernt, ist der großteil des uns erreichenden lichts leicht rötlich. umgekehrt gilt dasselbe: wer unser "lichtspiel" empfängt, sieht uns sozusagen rotstichig.

    (eine ärgerlichkeit gibt es noch bei der analogie "kosmos als kinospeicher": das lichtsignal darf nicht betrachtet werden. wer sich unseren "film" im kosmos-kino ansieht, "löscht" damit auch den "film", weil der lichtstrahl zu einem ende gelangt, der betrachter ist buchstäblich im weg.) (das wusste sozusagen schon d.w. griffith 1909: http://www.youtube.com/watch?v=gjsfwWZ6thE )

    (eine zweite sache, die mir gerade noch einfällt: die "schiene des lichts" darf man weiterhin nicht linear denken. um das licht sequenziell betrachten zu können, müsste man weniger an eine schiene als an eine wurfbahn denken (glaube ich zumindest...). die position des betrachters darf relativ zur erde nicht statisch sein, sondern muss die bewegung der erde - schon um die sonne herum flotte 30 km/sek - selbst nachvollziehen.)

    (ich trauere ja immer noch dem friedrichshainer kino kosmos hinterher. andere geschichte...)

    grüße
    thomas

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  4. Spannend --- danke für die Aufklärung. C

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