15 November, 2013

Realismus ...

... ist billig.

... ist ein Genre (wie der Fernsehkrimi).

... liebt die Straße.

... ist unrealistisch.

... ist ein Mißerfolgsrezept.

... ist offen für den Zufall (wenn er „poetisch” ist).

... ist rationalistisch.

... wird immer gelobt.

... tut weh.

... braucht kein Drehbuch.

... heißt Handkamera.

... vertraut dem Prozeß.

... behauptet die Abwesenheit von Gestaltung.

... ergreift für Aussenseiter Partei.

... ist das Projekt einer abstiegsbedrohten Mittelklasse.

... hat keine Fantasie.

... ist eine Frage der Technik.

... kann sich nicht entwickeln.

... ist naiv.

... ist negativ.

... ist Anti.

... ist improvisiert.

... ist Ausdruck eines politischen Erwachens.

... kommt ohne Musik aus.

... ist eine ausgereifte Lüge.

... ist anti-intellektuell.

... ist so gut wie seine Darsteller.

... braucht den Mainstream.

... ist schmutzig.


Stichwortkatalog, zur Vorbereitung der Veranstaltung „Neue Realistische Schule?”, auf der Nicolas Wackerbarth und ich 2005 versucht haben, mit den KollegInnen Maren Ade, Silke Enders, Henner Winckler und Sören Voigt über „Realismus” zu streiten.

Kommentare:

  1. Mit vielen dieser Aussagen musste ich mich in den letzten Monaten plagen, darum macht mich dieser Post so unglücklich gerade. Auch oder gerade weil er nicht sollte. Touché.

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  2. ... ist nicht einfach.
    ... hat Methode(n).
    ... ist schon alt (aber so alt auch wieder nicht).
    ... ist im Auge des Betrachters.
    ... heißt für jede(n) was anderes.
    ... ist ein schönes Thema für eine Doktorarbeit.

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  3. Jasmin Krakenberg25 November, 2013 21:39

    Na, nach der Diskussion am Samstag im Deutschen Haus könnte man dem abwesenden "happy end" noch die abwesenden "happy people" hinzufügen.

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  4. @Jasmin: ich finde ja nicht, dass man die Filme der BERLINER SCHULE unter „Realismus” subsummieren kann. Aber Happy People gibt es durchaus. Der schöne Tag? Mein langsames Leben? Mein Stern? c

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  5. Ja, da stimme ich natürlich zu (Der Schöne Tag ist ein gutes Beispiel). Und doch werfen viele der Filme dann in Diskussionen immer wieder diese Fragen auf: Was verstehen wir eigentlich unter Realismus? Was heißt es, glücklich zu sein? Interessant an den Filmen ist ja grad diese Spannung zwischen Beobachten und "Realismus" auf der einen, und Stilisierung und artifice auf der anderen Seite.

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