24 Dezember, 2009

Spekulatius

Eine besondere Sorte Spekulation, Klatsch zweiten Grades sozusagen, sind Fast-Besetzungen. Gerade lese ich, dass Fellini die Hauptrolle in IL BIDONE um ein Haar mit Humphrey Bogart besetzt hätte (es wurde dann Broderick Crawford). Visconti wiederum war nahe dran, Marlon Brando und Ingrid Bergman in SENSO zu vereinen - angeblich hat das nur Roberto Rosselinis Eifersucht verhindert (Farley Granger und Allida Valli machen ihre Sache aber sehr gut, finde ich). Ernst Lubitsch wollte immer wieder Cary Grant besetzen - unter anderem als Leon in NINOTCHKA, eine Rolle, die dann Melvyn Douglas gespielt hat. Oskar Werner war in Stanley Kubricks NAPOLEON für die Titelrolle vorgesehen - der Film kam bekanntermassen nie zu Stande (dazu passt Kubricks andere Beinahe-Besetzung, Johanna ter Steege, die die Hauptrolle in ARYAN PAPERS spielen sollte - mehr dazu hier). Gena Rowlands war anscheinend in der engeren Wahl für Billy Wilders THE SEVEN YEAR ITCH. Zur Erinnerung: es ist Marylin Monroe, die sich den Rock blasen lässt. Nicht Kim Novak, sondern Vera Miles sollte ursprünglich Judy / Madeleine in VERTIGO spielen (Miles' Schwangerschaft hat Hitchcocks Plan vereitelt). Harvey Keitel hat zwei Wochen mit Coppola APOCALYPSE NOW gedreht, bevor dann doch Martin Sheen den Fluss hinauf fahren durfte. Mick Jagger und Jason Robards waren eine Weile lang FITZCARRALDO, bevor Herzog sprach: „Kinski, übernehmen Sie...” usw. usw.

Wissen, das die Welt nicht braucht - und doch ein faszinierender Zeitvertreib, der den fragilen Charakter der Kino-Fiktion offenbart. Was wäre wenn...

Kommentare:

  1. Ich nehme an, Oskar Werner ist gemeint? Google jedenfalls sagt mir, dass Anton Werner 2008 die ADAC-3-Städte Rallye gewonnen hat, von Kubricks Napoleon-Projekt weiß Google nix.

    Noch eine Kleinigkeit: APOCALYPSE NOW ist ein Flussaufwärts-Film, kein Flussabwärts-Film. Siehe Wolfgang Schmidts schöne Überlegung zu NIGHT OF THE HUNTER: »Flussabwärts-Filme scheinen zu Annäherungen an Frauen zu führen (African Queen; River of no Return), Flussaufwärts-Filme zu erstarrten Männern, die sich nur mehr selbst zerstören können, und zur Eliminierung jeglicher Weiblichkeit (Apocalypse Now). Filme, die sich auf Fließgewässern hin- und herbewegen, behandeln die Dynamik von Beziehungen (L’Atalante; Unter den Brücken).«

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  2. Volker, danke, du hast natürlich recht. OSKAR Werner, Flussaufwärts. Die Fluss-Film-Typologie finde ich super, auch wenn mir spontan kein anderer Fluss-hinauf-Film einfällt. Ich hab's korrigiert! Anton v. Werner, so heisst der Propagandist des wilhelminischen Deutschland, der Bismarck a-historisch eine weisse Galauniform gemalt hat in seiner Versailles-Spiegelsaal-Szene. Grüße!

    C

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