04 Dezember, 2009

Milo Rau:

„Dieser neue Stil – nennen wir ihn ruhig spirituell – setzte sich so schnell und allgemein durch, dass er uns heute als Merkmal der Jahrtausendwende erscheint. In seinem fast schmerzhaft empfundenen Wunsch, einfach und doch tiefsinnig zu sein (...) etablierte er einen seltsam störrischen Minimalismus, der sich in vieldeutigen Schweigsamkeiten gefiel.”

Passt ganz gut zu der Diskussion um Knörers „Monokultur”-These: Ein Aufsatz von Milo Rau über „die Wiederkehr des Authentischen” am Beispiel der „Berliner Schule”. Der Text ist beinahe zwei Jahre alt, aber (nicht zuletzt als Provokation) lesenswert, finde ich: Teil Eins,Teil Zwei, Teil Drei.

Kommentare:

  1. Sorry, Christoph, und bei allem Respekt für Deinen Willen zur Selbstkritik: Aber das ist doch total ungenauer Quatsch, was der da schreibt. Mir war ja bei meiner Verallgemeinerung und der Rede von der Monokultur schon etwas übel (und das ganze war nicht zuletzt die Ziehung eines Rahmens, in dem Puenzos Film, um den es mir da eigentlich geht, interessant wird) - aber ein so brutal zugreifender Generationendurchzieher, da sträubt sich bei mir alles. (Und dann noch Dante der Tarantino des Mittelalters: jetzt echt mal.)

    Was Rau da doch (mindestens) sehr geflissentlich übersieht, ist der Wille zum Stil, der in wirklich allen Filmen der "Berliner Schule" steckt. Und das ist kein Wille zu Askese und Reinheit, sondern - im besten Fall - zu Genauigkeit und Materialität und Bildern für Ambivalenz und, wenn schon, Umgang mit dem Wissen um die Unmöglichkeit von Reinheit, das alles in sehr genauer Kenntnis des filmgeschichtlich Vorangehenden.

    Ein bisschen zu streberhaft manchmal, ja. Zu wenig experimentierfreudig manchmal, ja. Zu wenig auch mal einfach drauflos, ja. Zu eng im Radius der vorkommenden Milieus, ja. Aber aus der Pubertät nicht rauskommende Träumerle, die sich an Bresson verschluckt haben und jetzt gern mit dem Kino ins Kloster gingen? Ich bitte Dich.

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  2. Hallo Ekkehard,

    ich finde natürlich nicht, dass Milo Rau recht hat, fühle mich im Gegenteil gründlich missverstanden, aber seine Pointierung provoziert in mir produktiven Widerspruch... Ich will dich aber durchaus nicht in einen Topf mit ihm werfen. Ich weiss ja, dass du deine Kritik anders gemeint hast. Interessant an Raus Text finde ich den Hinweis auf die Fotografie --- in der Linie Stephen Shore - Becher-Schule: Gursky, Hütte, Ruff, Struth etc sehe ich eine Parallele zu unserer Arbeit. Auch was er über Julia Hummer schreibt, fand ich treffend. usw.

    C

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