01 April, 2009

Summa summarum

Plötzlich kam mir der Gedanke, dass alle in der Nazizeit spielenden Filme zusammengenommen womöglich länger dauerten als die 12 Jahre, die Hitlers Regime an der Macht war.

Rein summarisch fiele die Bilanz dieser Filme wohl ziemlich hoffnungsfroh aus: Helden, Retter und Widerständler aller Orten.

Als sei es ein systemimmanenter Zwang, falsche Vorstellungen zu produzieren.

Das Kino will vom Überleben erzählen, zu jedem Preis.

Kommentare:

  1. "Kino will vom Überleben erzählen" – da fällst du aber in dasselbe Muster wie die Produzenten der falschen Vorstellungen. Du suggerierst, dass Widerstand zum Überleben gehöre, zum reinen Leben. Doch Widerstand zu leisten ist doch eine Handlung, die meist deutlich über die reine Selbsterhaltung hinausgeht, oft idealistisch und unopportun ist, Organisierung erfordert und realpolitische Kompromisse. Filme wie "Dresden", die einen heiklen Konflikt in eine Liebespaarkonstellation pressen, um ihn darin reibungsarm auflösen und emotionalisieren zu können, operieren genau mit dieser sentimentalen Vorstellung: Dass die unschuldigen, unpolitischen Bedürfnisse der Menschen eine Kraft sind, die den Unterschied macht.
    Es sind falsche Vorstellungen und faule Kompromisse, die Filme produzieren, die wiederum falsche Vorstellungen verbreiten. Man sollte das nicht dem Kino an sich ankreiden.

    P.S. ein analytischer Zusammenschnitt einiger dieser Filme findet sich auf http://vimeo.com/3838294. Falls man keine zwölf Jahre für schlimme Filme erübrigen will, ist das eine brauchbare Kurzfassung.

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  2. Lieber Karl Schreier,

    diese Überspitzung: „das Kino will...” ist zweifelhaft, das gebe ich zu. Es muss immer darum gehen, eine Form zu finden, die dieser Falle entkommt... Dass das so selten gelingt, geht aber über den bösen Willen erinnerungspolitischer Revanchisten hinaus, denke ich. Das Erzählkino üblicher Bauart tut sich einfach schwer mit über-persönlichen Geschichten, oder vielleicht sollte ich schreiben: Geschichte. Individualpsychologie führt geradewegs zum „survival picture”, weshalb es auch keine Spielfilme zum Holocaust geben kann. Und die anderen Filme, die „möglich” scheinen, sind angesichts der Auslassung obszön...

    Grüße!

    C.H.

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