16 Dezember, 2025

Jetzt?

Judy Garland singt „Mister Monotony”, ein Outtake aus EASTER PARADE (USA 1948).

Ich will mein Leben nicht ans Warten verschwenden, nicht alles auf eine Karte setzen, vorbereitet sein, wenn sich eine Gelegenheit ergibt. Auch deshalb entwickle ich parallel mehrere Projekte, mit verschiedenen Ko-Autoren und in unterschiedlichen Genres und Budgetklassen. 

„Inspiration gibt es,” soll Picasso gesagt haben, „aber sie muss dich bei der Arbeit finden.” Zwar macht die Übung nicht so zuverlässig zum Meister, wie man sich das manchmal wünscht, beinahe jede Filmografie ist eine Berg- und Talfahrt. Trotzdem ist Bewegung gut, und jedes neue Projekt könnte dasjenige sein, bei dem endlich alles zusammenkommt: Erfahrung, Inspiration, Zeitgeist.


In guten Filmen findet Gegenwart Form, kristallisiert sich im Schnittpunkt zweier Fragen: „Was ist wirklich?“, „Was ist möglich?“. Fritz Lang hat vom Film als „Zeitkristall” gesprochen, den wir in Gedanken drehen, wenden, befragen können. 


Das Kino ist nicht nur ein zeitgebundenes Medium, Timing ist der Schlüsselbegriff unserer Kunst. Jede Handlung muss sich zur richtigen Zeit, im richtigen Augenblick, in der richtigen Geschwindigkeit, innerhalb einer Einstellung, einer Szene, einer Sequenz, aber natürlich auch auf der Ebene der Verwirklichung und Veröffentlichung des Filmes selbst vollziehen. Wir alle haben im Ohr, ein Film wäre „zu früh” oder „zu spät” gekommen. Nichts ist schöner als den richtigen Film zur richtigen Zeit zu sehen.


Dieser letzte Punkt scheint sich besonders selten zu verwirklichen im deutschen Kino. Die vielteilige Finanzierung der meisten Projekte braucht Jahre, und die wirklich aktuellen Stoffe erledigen sich entweder im Prozess oder werden vorauseilend aussortiert. 


Nichts gegen „zeitlose Dramen”, aber dem Zeitgeist ganz zu entsagen ist ungesund. Je direkter der Zusammenhang aus Neugier und Experiment, desto besser. Die Zuschauer suchen zu Recht Antworten auf ihr Jetzt, wollen sich und den historischen Moment, den sie durchleben, erkennen. 


Von den Defiziten unseres Film-, Fernseh- Förderkomplexes scheint mir die erzwungene Langsamkeit das größte Problem.

2 Kommentare:

  1. Einerseits das Hier und jetzt wichtig, andererseits gibt es eine ganze Philosophie, die gegen die Präsenz, die für den Aufschub und die Verzögerung plädiert. Das ist das Vermächtnis von J. Derrida. Wenn man Film von der Präsenz ablöst ... die er permanent und liebsten suggerieren möchte - landet man sofort bei der Geschichtlichkeit. Das ist aber insofern zu einfach, weil es gar keine Präsenz gibt. Es gibt kein Hier und jetzt - dass nicht bereits einer Verzögerung unterworfen wäre. Der Aufschub findet immer schon statt. Generiert er sich allerdings zu einem "Warten auf Godot" --( wie z. B. in meinem Fall ) darf man sich schon fragen, woran das eigentlich liegt - bzw. eben auch gelegen hat. Also lautet die Devise: lieber "Warten auf Godard - als Warten auf Godot - der erste kam dann nämlich auch mal vorbei. Früher.

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  2. Ja, alles ist einer Verzögerung unterworfen, und Film ist eher kein spontanes Medium. Aber ich wünschte, die Rhythmen wären (stärker) selbstbestimmt. Das bürokratische, a-rhythmische Hü und Hott ist besonders schwer zu nehmen, finde ich.

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