21 August, 2012

Vermischtes

Mein Spielfilmprojekt LICHTJAHRE (Arbeitstitel) befindet sich gerade in der Finanzierung und soll 2013 in Produktion gehen. Der Berlin-Thriller, der von einem Journalisten handelt, der in die Machtsphäre einer Lobby gerät, entsteht in Koproduktion mit dem WDR. Das Drehbuch habe ich zusammen mit Ulrich Peltzer geschrieben. Produktion: Bettina Brokemper, Heimatfilm Köln.

Die FFA hat mein Drehbuchvorhaben KALTE SCHULTER gefördert. Das Drama spielt 1941 in einer französischen Provinzstadt. Im Mittelpunkt steht eine Mutter, die sich – in der Absicht ihren Sohn zu schützen – auf einen Handel mit den Deutschen einlässt.

Der September „gehört” Dominik Graf. Eine Werkschau im Berliner Zeughauskino zeigt vom 1.-17. einen Querschnitt seines vielfältigen Werkes, 25 Filme insgesamt. Am 8. September um 20 h – zwei Tage nach dem 60. Geburtstag des Regisseurs – wird er dann auch persönlich anwesend sein, anlässlich der Vorstellung des Buches „Im Angesicht des Fernsehens” (hg. von Chris Wahl, Marco Abel, Jesko Jockenhövel, Michael Wedel), das aus 16 unterschiedlichen Perspektiven ein vielschichtiges Werkporträt Grafs entwirft. Ich habe ein Vorwort beigesteuert.

Am 15. September findet im Rahmen der Revolver-Veranstaltungsserie Hands on Fassbinder ein neues Revolver Live statt, im CHB. Zu Gast sind Milena Gregor, Birgit Kohler und Stefanie Schulte Strathaus (Arsenal – Institut für Film und Videokunst). Der Arbeitstitel des Gespräches – das ich zusammen mit Ekkehard Knörer moderieren werde – lautet: „Bedingungen, Ziele und Widersprüche einer modernen Kinemathek”. Mehr dazu demnächst.

Am 26. September erscheint eine neue Ausgabe der Zeitschrift Neue Rundschau (Fischer Verlag), dieses Mal mit dem Schwerpunkt Comic. Ich habe einen Text über Hans Hillmanns graphic novel FLIEGENPAPIER geschrieben. Christian Petzold ist auch vertreten; er schreibt über „Hawaiian Getaway” von Adrian Tomine.

„Arbeit im ideologischen Feld”: Am 5. Oktober werde ich zusammen mit Dirk Cieslak und Anett Hardegen in der VIERTEN WELT über den britischen Filmemacher Adam Curtis sprechen. Ausgangspunkt ist dessen dreiteiliges Werk THE POWER OF NIGHTMARES, das am 20. September auch Thema einer Performance ist.

Kommentare:

  1. Bitte keinen "Berlin-Thriller, der von einem Journalisten handelt, der in die Machtsphäre einer Lobby gerät". Das sind alles New American Cinema Topoi, die nichts mit dem Hier und Jetzt zu tun haben. Wann hat denn bitte ein Journalist eine Lobby "enttarnt"? Ein Wallraff "enttarnt", was schon alle wissen: BILD lügt. In Deutschland gibt es keinen investigativen Journalismus des Typs Woodward. Lobbys sind für die Deutschen kaum ein Thema. Die Regierung, die EU sind auch Lobbys. Brisante Machtverhältnisse finden heute innerhalb von Unternehmen oder zwischen Unternehmen statt.

    Und Berlin und Thriller? Really? Es gibt kaum ein Wortpaar, das weniger Synergien und Reibungsfläche erzeugt. Was ist an "Berlin" "Thriller"?

    Bitte keine Geschichten, die allein aus anderen Filmen gespeist sind! Für ein bischen mehr Realität im deutschen Autorenfilm!!! Für einen Film über einen Filmblogger, der sich nicht für Politik interessiert! Yeah!!!

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  2. In welcher Hoffnung schreibt man so einen Kommentar? Warum anonym? C

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  3. In Hoffnung auf einen besseren Film. Weil ich Dein Blog als ernst gemeintes Kommunikationsangebot verstehe, und Du eine ehrliche Meinung verdient hast. Anonym, weil Kritik in dieser kleinen Branche schnell den Job kosten kann.

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  4. Ich verstehe nicht recht, wie es dich „den Job kosten” könnte, wenn du deine Meinung darüber äusserst, welche Filme man machen sollte / welche nicht. Das ist - hoffentlich - ein vorgeschobenes Argument. Freilich macht es mehr Arbeit, im eigenen Namen zu sprechen, schon weil man dann genauer argumentieren muss.

    Für mich und meinen Ko-Autor Ulrich Peltzer war Alan J. Pakulas Film übrigens wirklich eine wichtige Referenz. New American Cinema Topoi? ALL THE PRESIDENTS MEN blieb eine Ausnahme, vielleicht weil er an einer konkreten politischen Wirklichkeit interessiert war. Im Gegensatz zu PARALLAX VIEW zum Beispiel ist es kein Verschwörungsfilm. Was mich fasziniert ist, dass er ein - zugegeben einfaches - Modell der Macht entwirft („Follow the money”) und dieses Modell dann mit Hilfe einer Fülle enorm detailreich und komplex gezeichneter Charaktere durchspielt. Nicht ergebnisoffen, klar, aber auch nicht ideologisch, wie ich finde. Recherche und Mythos begegnen sich.

    Natürlich geht es mir nicht darum, diesen Film nachzuäffen. Unsere politische Wirklichkeit ist eine völlig andere. Und das Medium Film hat sich verändert. Der Fall, den wir schildern, ist fiktiv, auch wenn reale Begebenheiten Eingang in unsere Fiktion gefunden haben. Hier und jetzt? Unbedingt. Und gleichzeitig geht es um mehr als Aktualismus.

    Dass Lobbyismus an Bedeutung gewonnen hat, in Deutschland und Europa, ist glaube ich nicht von der Hand zu weisen. Dass die Deutschen das Thema nicht ernst nehmen, wäre das allein nicht schon ein Grund, den Film zu machen? Erzählen heißt für mich immer auch, ein brauchbares Modell zu entwerfen. Was ist wirklich? Diese Frage treibt mich an (was natürlich kein Plädoyer für „Realismus” ist).

    Der Thriller ist ein Genre, das mit strategischer Informationsverknappung zu tun hat; eine Technik, eine Geschichte zu erzählen. Ob der Schauplatz Berlin oder Mönchen-Gladbach ist, spielt keine Rolle. usw.

    Na ja, ich weiss, vergebliche Liebesmüh, meine Erklärungen. Richtig interessant wird das Gespräch erst, wenn der Film gemacht ist. Bis dahin dauert es noch.

    Grüße,

    C



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  5. Klar schreiben Lobbys heute Gesetzesvorlagen. Oft auch nicht verbotenerweise. Gesetze entstehen im Austausch von Lobby und Palamentarier, in der es einen Dritten wie den Journalisten, der für Öffentlichkeit und Moral steht, nicht (mehr) gibt. Nenn einen Skandal der letzten 20 Jahre, der durch die Arbeit der Presse offen gelegt wurde. Journalismus ist für die Macht keine Gefahr, kein Thema mehr wie zur Zeiten der Spiegelaffäre.
    Der Journalist zehrt als Figur von einem aufklärerischen Ideal, das heute oft naiv und unrealistisch wirkt. Wir lieben Serien wie The Wire, Mad Man oder Boardwalk, weil sie von der Geschlossenheit von Welten handeln. (Die Medien-Staffel von The Wire erzählt, dass die Medien primär von ihren eigenen, inneren Notwendigkeiten bestimmt werden, und nur zweitrangig vom Anspruch der Darstellung der Welt.) So sind diese Serien eine richtige, notwendige, spannende Revision der zu gefälligen, gut gemeinten Moral eines Films wie "All the President's Men". Die Siebziger Jahre waren die Zeit des Marsch durch die Institutionen, heute kommt die Kritik von Außen, siehe Piraten, siehe Wikileaks. Und man darf nicht vergessen, dass der investigative Journalismus eines Woodward/Bernstein ein US-amerikanisches Phänomen ist.

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  6. Nichts gegen Serien, aber ihr Problem ist die Unendlichkeit. Oder anders gesagt: was den Film so interessant macht ist die knappe Zeit, die dazu zwingt, Haltung zu zeigen. Ganz bestimmt hat ALL THE PRESIDENT'S MEN (der in meinen Augen über das „gut gemeinte” weit hinausragt) bestimmte Illusionen, die „Vierte Gewalt” betreffend, genährt. In unserem Projekt findet eine „Rettung” durch Öffentlichkeit nicht mehr statt. Was nicht heisst, dass Medien keine Macht mehr hätten. Nur eindeutig aufklärerisch ist sie nicht... „Kritik von Aussen” verstehe ich nicht. Gibt es ein Aussen? Ausgerechnet bei den Piraten? Wikileaks ist interessant, aber nicht annähernd so interessant wie guter Journalismus (und ja, es gibt ihn, auch hierzulande). Da wären wir wieder bei der Logik der Serie. Einfach alle geheimen Papiere zu veröffentlichen, die man bekommen kann, beschädigt letztlich den öffentlichen Sinn für Proportion, ohne den „Skandale” nicht denkbar sind. Angeblich war Assanges Ziel ja auch nicht „Aufklärung” sondern eine „Funktionsstörung” in der Kommunikation der Geheimdienste... Kurz und gut, ich hoffe, einen zeitgemässen Film zu machen. Grüße, C

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  7. Super. Ich finds total wichtig, dass in Deutschland (mehr) Thriller, gerade auch fürs Kino, gemacht werden, und nicht zuletzt mit einer - wie auch immer gearteten - (politischen) Haltung. (Ob Film nun politisch ist - oder ob nicht doch alle Kunst wiederum irgendwie politisch ist, will ich hier nun nicht nebenbei diskutieren, deshalb in Klammern.) Wenn der Film "nur" die bisherige Peltzer-Zusammenarbeit fortschreibt, habe ich keinen Zweifel, dass ein toller Film dabei rauskommt und dass ich den sehr gerne sehen werde. Lobbyismus finde ich darüber hinaus ein Thema, über das gerne mehr gemacht werden darf.

    Ich hatte eher bei "Drama 1941" gedacht "Oh, nee, nicht auch noch der Hochhäusler... (Nachdem die historischen Filme von Petzold, Graf usw. mich nnicht interessierten.) Aber das nur als kleine Anmerkung mit Humor. Natürlich steht es mir nicht zu, darüber vor dem Film zu urteilen.
    Viele Grüße, ijb

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  8. Hallo ijb,

    Dein "Oh,nee" im Anbetracht der Ankündigung "Drama 1941" kann ich gut verstehen. Hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Aber der Stoff ist gut und durchkreuzt hoffentlich deine schlimmen Erwartungen ...

    c



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  9. Deine Bemerkung über Serien spricht mir aus dem Herzen...

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