15 April, 2012

Robust?

Letzte Woche war ich in Dreux, um vor Schülern eine „leçon de cinéma” zu geben. Anhand von Ausschnitten – aus meinen und anderen deutschen Filmen, von Wenders bis Fleischmann – sollte ich zum Thema „Deutschland filmen” sprechen. Ich war also auch als Botschafter gefragt. Das Interessante war die Inbrunst, mit der ich unwillkürlich auf Ausschnitte hoffte, die die jungen Franzosen für das Kino meines Landes einnehmen würde. Nicht nur meine eigenen Filme, auch die der Kollegen wünschte ich mir weniger verletzlich, eindeutiger „gut”. Nach der Lektion bin ich darüber mit meinem Gastgeber (dem Kritiker Thierry Méranger) ins Gespräch gekommen. Wie fragil das deutsche Kino doch sei, meinte ich, ausweislich der gewählten Ausschnitte, und wie beneidenswert mir in diesen Augenblicken die amerikanische Stabilität erschiene. Er erzählte, dass es ihm bei der Zusammenstellung eines US-Independent-Programmes im letzten Jahr darum gegangen sei, amerikanische Filme zu zeigen, so „zerbrechlich wie unsere”. Dann sprachen wir von gelegentlichen Versuchen des französischen Kinos, zu einer „amerikanischen Robustheit” vorzustossen. Jacques Becker fiel uns ein, Jean-Pierre Melvile mit Abstrichen, Louis Malle in einigen Filmen. Vielleicht war Robustheit auch, was Truffaut suchte, auch wenn mich die härter gebackenen Filme nicht überzeugen. Und ist nicht Fassbinders Para-Hollywood der späten Jahre einer ähnlichen Sehnsucht geschuldet? Nichts „beschützt” einen Filmemacher so gut wie die Konvention - aber in der Konvention wirklich lebendig zu bleiben, das gelingt nur wenigen Europäern.

1 Kommentar:

  1. "In der Konvention wirklich lebendig zu bleiben" gelang meiner Meinung nach Benjamin Heisenberg mit "Der Räuber" sehr gut.
    Ich weiß noch das ich beim erstmaligen sehen völlig verblüfft von der selbstbewussten Inszenierung war

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