Unter den Meistern der Suggestion gibt es viele, die nach Filmen größter Intensität nur mehr Travestien ihrer eigenen Erfindungen zu Wege bringen. Die „Kategorie Zusammenhang” gerät in die Krise und die Methoden der Verführung werden zur Kenntlichkeit entstellt.
Lynchs INLAND EMPIRE ist so ein Film: eine zerdehnte Variation seiner bekanntesten Motive, ein schlampiges Übermalen nach Zahlen - ohne einen Hauch von Sinn. Der Magier ist müde und wir durchschauen jeden seiner Zaubertricks.
Ich fühlte mich unangenehm an 2046 von Wong Kar-Wai erinnert - oder auch an MR. ARKADIN von Orson Welles. Gerade den Zauberern, die mich für Momente vollkommen getäuscht und verzückt haben, verzeihe ich ihre Schwäche nicht.
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Nachtrag:
Ich habe den mythologischen Weihrauch eines Anselm Kiefer immer als schwebende Metapher verstanden; als ein Verweis auf das Uralte, mit dem sich nebelhaft die Illusion einer Entfernung von der Gegenwart erzeugen lässt. Ob man tiefere Einsichten in seine Kunst gewinnt, wenn man nachliest, was es (zum Beispiel) mit den Argonauten und dem goldenen Fliess wirklich auf sich hat? Gut möglich. Aber auch wenn es sozusagen „leere” Rethorik wäre (und die Verweise Hochstapelei), wäre es wirksam im Sinne des Kunstwerks; gerade die Tatsache seiner Unergründlichkeit begründet die Wirkung des Nebels.
Wie die historistische Architektur für die Bahnhofshalle die Formensprache der gotischen Kathedrale belieh, ohne wirklich ein „Gotteshaus” der Bewegung zu meinen (Blasphemie hatten die Architekten nicht im Sinn) so arbeitet auch der Film oft - weder ironisch noch „heilig” - mit „Kathedralen-Bildern”. Lynch ist so ein Fall - und seine Methode scheint mir nur zu funktionieren, solange der Nebel noch nicht ganz verflogen ist.