12 August, 2026

Ausstellung & Werkschau @ n.b.k. & Kino Arsenal


Ausstellung Christoph Hochhäusler
10.9. bis 8.11.2026
Vernissage am Mittwoch, den 9.9.2026 ab 18 h

im Showroom des Neuen Berliner Kunstvereins (n.b.k.)
Chausseestr. 128/129, 10115 Berlin

Kurator: Marius Babias  Der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) präsentiert die erste Ausstellung des Berliner Regisseurs und Autors Christoph Hochhäusler (*1972 in München). Seine preisgekrönten Arbeiten sind Ausdruck ästhetischer, gesellschaftlicher und politischer Interessen, die sich in einem genuin filmischen Fluchtpunkt vereinigen. Sein neuer Kurzfilm DAS PARADIES VERTREIBT UNS (2026) ordnet Fotografien aus den 1950er und 1960er Jahren, die Hochhäusler auf einem Berliner Flohmarkt gefunden hat, in eine narrative Struktur ein. Die Ausstellung zeigt darüber hinaus Dokumente und Materialien zu Hochhäuslers frühen und aktuellen Werken – u. a. Storyboards, Setfotos, Filmplakate und Ausgaben der von ihm mitgegründeten Zeitschrift Revolver (seit 1998) – und gibt Einblick in das Oeuvre eines kompromisslosen Cineasten.


Siehe auch: https://www.nbk.org/de/ausstellungen/christoph-hochhaeusler




Werkschau Christoph Hochhäusler 

3. bis 24.9.2026 

Eröffnung am Donnerstag, den 3.9.2026 um 19.30 h


im Kino Arsenal

Plantagenstr. 30, 13347 Berlin 


Parallel zur Ausstellung im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) zeigt das Kino Arsenal eine Werkschau aller Filme von Christoph Hochhäusler. In seinen Geschichten geht es stets um Lügen und Intrigen, um Manipulation und Täuschung. Sie zeigen Betrug, Verrat und Begehren und sind nahe am Genrekino (Film noir, Krimi, Politthriller) inszeniert. Hochhäuslers im Kontext von Finanzkapitalismus, Politik, Medien und neuen Technologien angesiedeltes Kino gibt der Gegenwart und ihren komplexen Systemen eine Form. Das von Birgit Kohler (Arsenal Filminstitut) kuratierte Programm wird flankiert von Gesprächen mit dem Filmemacher und Einführungen von Esther Buss, Matthias Dell, Jan Künemund, Anne Küper und Sebastian Markt.   


Do, 3.9., 20 Uhr (Eröffnung), Anschließend Gespräch mit Christoph Hochhäusler, Moderation: Birgit Kohler & Mi, 23.9., 19.30 Uhr. LA MORT VIENDRA (Der Tod wird kommen), R: Christoph Hochhäusler, D/Belgien/Luxemburg 2024, OmdU 101'.


Fr, 4.9., 20 Uhr, Anschließend Gespräch mit Christoph Hochhäusler, Moderation: Birgit Kohler & Do, 17.9., 19.30 Uhr MILCHWALD (This Very Moment), R: Christoph Hochhäusler, D 2003, OmeU 87'.


Sa, 5.9., 20 Uhr, Einführung: Sebastian Markt (Leiter der Sektion „Generation” der Berlinale) & Mo, 21.9., 19.30 Uhr. FALSCHER BEKENNER (Low Profile), R: Christoph Hochhäusler, D 2005, OmeU 94', Vorfilm: FIEBER (Fever), R: Christoph Hochhäusler, D 1998, 35mm, dt. OF 13'.


So, 6.9., 20 Uhr, Einführung: Matthias Dell (Film- und Fernsehkritiker, Berlin) & So, 20.9., 20 Uhr. EINE MINUTE DUNKEL (One Minute of Darkness), R: Christoph Hochhäusler, D 2011, OmeU 89'.


Di, 8.9., 19.30 Uhr & Fr, 18.9., 20 Uhr, Einführung Anne Küper (Kulturwissenschaftlerin, Kritikerin, Künstlerin). UNTER DIR DIE STADT (The City Below), R: Christoph Hochhäusler, D 2010, OmeU 110'. Vorfilm: SÉANCE, R: Christoph Hochhäusler, D 2009, OmeU 9'.


Do, 10.9., 19.30 Uhr & Do, 24.9., 19.30 Uhr, Einführung: Jan Künemund (Filmkurator) BIS ANS ENDE DER NACHT (Till the End of the Night), R: Christoph Hochhäusler, D 2023, OmeU 120'.


Fr, 11.9., 20 Uhr, Einführung: Esther Buss (Film-und Kunstkritikerin) & Di, 22.9., 19.30 Uhr DIE LÜGEN DER SIEGER (The Lies of the Victors), R: Christoph Hochhäusler, D 2014, OmeU 112'. Vorfilm: DAS PARADIES VERTREIBT UNS (Paradise Lost & Found), R: Christoph Hochhäusler, D 2026, OmeU 11'.



Siehe auch: https://www.arsenal-berlin.de/kino/filmreihe/hier-und-jetzt-die-filme-von-christoph-hochhaeusler/


Eintrittspreise: Gäste: 10 €, Arsenal-Mitglieder: 5 € 

Kartenvorbestellung: https://kinotickets.express/arsenal-berlin/ 

Zwanzig Jahre

Seit zwanzig Jahren betreibe ich dieses Blog. Den ersten Post habe ich am 26.08.2006 abgesetzt, um 16.34 h. Über die Jahre habe ich mal mehr (2011: 112 Beiträge), mal weniger (2019: 9) geschrieben, war phasenweise umtost von Kommentaren (knapp tausend in den Jahren 2008-2018), inzwischen veröffentliche ich weitgehend geräuschlos, auch wenn die Zugriffszahlen über die Jahre erstaunlich stabil geblieben sind. Falls man der Google-Statistik trauen kann und falls die Aufrufe keine Irrtümer oder Suchmaschinen-Fails waren, gab es über alle Zeiten hinweg angeblich 1168385 Besucher, pro Monat durchschnittlich also mehr als 4500, mit Ausreißern nach oben und unten. Danke für das Interesse! Ich mache vorerst weiter, weil mir das Schreiben hilft, meine Gedanken zu ordnen und das Blog als Archiv von Aktivitäten, Interessen und Irrtümern meinen horror vacui in Schach hält. Weiter geht's.

19 Juni, 2026

„Das Paradies vertreibt uns” @ n.b.k., Werkschau @ Arsenal

Ein Bild aus dem Foto-Konvolut, das Ausgangspunkt des Kurzfilms bildet.

Ab 10. September (und bis 8. November) wird es im Showroom des Neuen Berliner Kunstvereins eine Ausstellung über meine filmische Arbeit geben, in deren Mittelpunkt ein neuer Kurzfilm von mir steht: DAS PARADIES VERTREIBT UNSKuration: Marius BabiasBegleitend richtet das Kino Arsenal eine Werkschau meiner Filme aus, die Birgit Kohler zusammengestellt hat. Ich freue mich sehr über dieses geballte Interesse!

Die Vernissage findet am Mittwoch, den 9. September 2026 um 18 h statt. n.b.k., Chausseestr. 128/129, 10115 Berlin (Showroom 1. OG). 

Auf der Webseite des n.b.k. heißt es:

Der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) präsentiert die erste Ausstellung des Berliner Regisseurs und Autors Christoph Hochhäusler (*1972 in München). Seine preisgekrönten Arbeiten sind Ausdruck ästhetischer, gesellschaftlicher und politischer Interessen, die sich in einem genuin filmischen Fluchtpunkt vereinigen. Sein neuer Kurzfilm Das Paradies vertreibt uns (2026) ordnet Fotografien aus den 1950er und 1960er Jahren, die Hochhäusler auf einem Berliner Flohmarkt gefunden hat, in eine narrative Struktur ein. Die Ausstellung zeigt darüber hinaus Dokumente und Materialien zu Hochhäuslers frühen und aktuellen Werken – u. a. Storyboards, Setfotos, Filmplakate und Ausgaben der von ihm mitgegründeten Zeitschrift Revolver (seit 1998) – und gibt Einblick in das Oeuvre eines kompromisslosen Cineasten.”

Details zur Werkschau im Arsenal gibt es demnächst. In der Pressemitteilung zur Programmvorschau des Kino ist zu lesen:

„Parallel zu einem Ausstellungsprojekt im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) zeigt das Arsenal [vom 3. bis 24. September 2026] eine Werkschau der Filme von Christoph Hochhäusler. In seinen Geschichten geht es stets um Lügen, Intrigen, Manipulationen, Täuschung, sie zeigen Betrug, Verrat und Begehren und sind nahe am Genrekino (Film noir, Krimi, Politthriller) inszeniert. Hochhäuslers im Kontext von Finanzkapitalismus, Politik, Medien und neuen Technologien angesiedeltes Kino gibt der Gegenwart und ihren komplexen Systemen eine Form. Das Programm wird flankiert von Einführungen und Gesprächen mit dem Filmemacher.”

31 Mai, 2026

Bis ans Ende... @ ARD Queer Reihe

Auf BR, MDR, RBB und WDR laufen ab 18.06. insgesamt sechzehn Filme im Rahmen der ARD-Queer-Reihe, darunter auch mein Film BIS ANS ENDE DER NACHT (D 2023), der am 16. Juli um 23.45 h im WDR ausgestrahlt und in Folge bis 16.08. in der Mediathek abrufbar sein wird.


Mit Timocin Ziegler, Thea Ehre, Michael Sideris, Rosa Enskat, Aenne Schwarz, Ioana Iacob, Gottfried Breitfuss, Ronald Kukulies, Sahin Eryilmaz, Andreas Grusinski, Kasem Hoxha u.a. Regie: Christoph Hochhäusler, Drehbuch: Florian Plumeyer, Besetzung: Ulrike Müller, Kamera: Reinhold Vorschneider, Szenenbild: Renate Schmaderer, Kostümbild: Ulrike Scharfschwerdt, Maskenbild: Elisabeth Dietrich, Montage: Stefan Stabenow, Ton: Jörg Kidrowski, Sounddesign: Matz Müller & Rainer Heesch, Mischung: Hubertus Rath, Musik Supervision: Martin Hossbach, Colorist: Dirk Meier. Produktion: Bettina Brokemper, Heimatfilm. Redaktion: Frank Tönsmann (WDR), Daniela Muck (ARTE). In Koproduktion mit WDR & ARTE, gefördert durch Filmstiftung NRW, BKM und HessenFilm.

22 Mai, 2026

Essentials & Filmgespräch @ Filmhaus Nürnberg


Doppelprogramm im Filmhaus Nürnberg: Am Samstag, den 13.04.2026, 19.30 h stelle ich Jean-Pierre Melvilles L'ARMEE DES OMBRES (F 1969) im Rahmen der „Essentials”-Reihe vor, am Sonntag, den 14.04.2026, 20 h wird mein Gangsterfilm LA MORT VIENDRA (D/LUX/B 2024) gezeigt – für den Melvilles Film eine wichtige Referenz war – gefolgt von einem Filmgespräch, das Lukas Foerster mit mir führen wird. Ich freue mich!

18 Mai, 2026

Vielleicht?

Maya Sansa in Marco Bellocchios BUONGIORNO, NOTTE (Italien 2003).

Im Gespräch über die Grenzen dessen, was Spielfilme zeigen oder anschaulich machen können, hat sich die These herausgeschält, die politischen Pole würden sich am Abgrund menschlichen Verhaltens magnetisieren. 

Die Linke will daran glauben, dass sich Menschen erziehen lassen und wendet sich der Katastrophe unserer Geschichte auf eine weitgehend rationale Art zu – und verfehlt so womöglich den Kern des Problems. Denn menschliche Grausamkeit geht nicht auf in einer Kosten-Nutzen-Rechnung. Der NS war zum Beispiel keine „Konsequenz” eines entfesselten Kapitalismus’ (wie man oft liest), mit materialistischen Kategorien ist den Widersprüchen der Geschichte nicht beizukommen.


Die Rechte dagegen wähnt sich „realistisch“, weil sie den Menschen nicht bessern möchte - Idealisten sind für sie immer Heuchler - und begründet so gleichzeitig die Notwendigkeit „strenger Zucht“. Die organisierte Gewalt wird als Ordnung verklärt, in der ein Wir zum Glühen kommt, gegen einen Feind, der letztlich beliebig ist. 


Das „pädagogische” Insistieren auf die Fehler (die Schande) unserer Geschichte findet die Rechte obszön, sie leugnet, verharmlost, deutet die Geschichte lieber um, um die Selbsterzählung so angenehm wie möglich zu machen. Wenn sich die Rechte zwischen Wahrheit und Macht entscheiden muss, wählt sie immer die Macht, während es zumindest der Anspruch der Linken ist, die Wahrheit zu wählen.


Aus dem defensiven „Es war nicht alles schlecht” der extremen Rechten ist ein „stolz auf 1000 Jahre erfolgreiche Geschichte” geworden, den auch der „Fliegenschiss” des NS nicht verderben könne (Alexander Gauland). Aber inzwischen reicht auch das nicht mehr, man will sich auch und gerade auf diesen Teil der deutschen Geschichte positiv beziehen. Das katastrophale, totale Scheitern des NS-Experiments hat Rechtsaußen beinahe 70 Jahre wirksam delegitimiert. Nun, da die letzten Zeugen sterben und sich die Maßstäbe global verschieben, haben „alternative“ Erzählungen eine neue Chance.


Die Linke scheint mir überfordert angesichts dieser geschichtspolitischen Wende von rechts. Sie hofft noch immer auf den Schiedsrichter und kämpft überhaupt mit untauglichen, alten Werkzeugen. Der Universalismus der Menschenrechte muss verteidigt werden – wenn es sein muss, natürlich auch gegen Identitätspolitik und postkoloniale Theorie – aber über das Wie muss neu nachgedacht werden.


Welche Rolle könnte das Kino in diesem Zusammenhang spielen? Es könnte sich skeptisch zeigen, dass Menschen sich ändern lassen, ohne die Hoffnung ganz aufzugeben. Es könnte aufhören, in der physical action die Essenz zu suchen und anfangen, sich für die Verständigung zu interessieren – und gerade darin nicht kompromisslerisch sein. Es könnte die Pädagogik hinter sich lassen und sich bereit machen für eine Auseinandersetzung, die auch die Filmemacher selbst einbezieht. Es könnte öfter „Vielleicht” sagen.

14 Mai, 2026

Auskämmen

ADDRESS UNKNOWN (William Cameron Menzies, USA 1944).

Es gibt nichts Traurigeres als das Auskämmen eines alten Adressbuchs. Lebt nicht mehr, ist weggegangen, macht jetzt etwas anderes, Kontakt verloren, Email kommt zurück, Nummer nicht vergeben. Aber vielleicht das Schlimmste sind die „Karteileichen“, Namen, die man nicht mehr erinnert. Waren wir uns einmal nahe? Warum hätte ich mir sonst mehrere Adressen notiert? Oder einen Spitznamen? Manche hätte ich vielleicht gerne gekannt, aber außer Anbahnung – „Gib mir doch mal deine Adresse” – hat nichts stattgefunden? Ich lese die Namen laut vor, aber es klingelt nichts bei mir. Verpasste Chancen, manchmal auch Erinnerungssplitter, die sich nicht mehr genau zuordnen lassen: der Nachhall eines Arguments, ein Lächeln, eine Blödelei. Geister, abgelegt, verlassen, gelöscht.

Siehe auch *

03 Mai, 2026

Zwischen Traum und Trauma: „Marnie” @ Filmpodium

Im Rahmen der großen Hitchcock-Retrospektive im Filmpodium Zürich werden die Filmwissenschaftlerin Renata Helker und ich über Alfred Hitchcocks MARNIE (USA 1964) diskutieren, und zwar am Donnerstag, den 21.05.2026 um 18.30 h. Das Publikum ist herzlich eingeladen, mitzusprechen.

„Formal auf Augenhöhe mit VERTIGO (1958), PSYCHO (1960) und THE BIRDS (1963), aber unter den Meisterwerken in Hitchcocks Spätwerk vergleichsweise unbekannt, verstört MARNIE (1964) in der Art, wie direkt hier die Obsessionen des Regisseurs zu Tage treten. Die Berliner Filmwissenschaftlerin Renata Helker und der Filmemacher Christoph Hochhäusler sprechen über die Frage, welche „verbotenen” Übergänge zwischen Traum und Trauma der Film ebnet und wer den Preis dafür zahlt.”

(Update: Leider ist mein Flug ausgefallen, Ersatz war nicht zu bekommen, weshalb die Veranstaltung zu meinem großen Bedauern ohne mich stattfinden musste.)

05 April, 2026

Revolver Live! (65): Jan Bonny – Standbein, Spielbein


Ich freue mich sehr, am Samstag, den 25.04.2026 wieder ein Revolver Live! im Roten Salon der Volksbühne machen zu können.

Zu Gast ist der Regisseur und Autor Jan Bonny, ein Kollege, dessen Arbeit ich schon lange begeistert verfolge und der insofern überfällig war. Ich will mit ihm über seine polyphone Praxis zwischen Kino, TV, Theater, Werbe- und Kunstkontext sprechen und darüber, warum er sich immer wieder selbst überraschen muss. Ziel ist wie immer ein offener Diskurs. Interessierte sind herzlich eingeladen, mitzusprechen. 


SAMSTAG, 25.04.2026, 20 UHR @ ROTER SALON (Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, D-10178 Berlin)


Tickets via Volksbühne oder an der Abendkasse. Siehe auch: 

https://www.volksbuehne.berlin/de/events/revolver-live-65-jan-bonny-standbein-spielbein?id=17596


Über den Gast:

Jan Bonny, geb. 1979 in Düsseldorf. 1999 Workshop an der New York Film Academy. 2000 bis 2006 Regiestudium an der Kunsthochschule für Medien (KHM) in Köln. Diplom mit dem Spielfilm-Drehbuch GEGENÜBER, Grundlage für den gleichnamigen Debütfilm (2007, Quinzaine des Réalisateurs, Förderpreis Deutscher Film für das Beste Drehbuch). Seither Arbeiten für Kino, TV und Theater, sowie im Werbe- und Kunstkontext. 


Filmografie (Auswahl): 

GEGENÜBER (2007), DER TOD MACHT ENGEL AUS UNS ALLEN (TV, 2013), ÜBER BARBAROSSAPLATZ (TV, 2015), WINTERMÄRCHEN (2018), DAS GESPENST DER FREIHEIT (TV, Polizeiruf, 2018), WIR WÄREN ANDERE MENSCHEN (TV, 2019), ICH HAB IM TRAUM GEWEINT (TV, 2020), KING OF STONKS (TV-Serie, 2022), FREIHEIT IST DAS EINZIGSTE WAS ZÄHLT (TV, 2024), DER PANTHER (TV, 2024). Werbefilme für BMW, Amazon, Audi, u.a. Kunstprojekte zwischen Performance und Film gemeinsam mit Alex Wissel, z.B. SINGLE (2015), JUPP WATT HAMWER JEMAHT (2016), VON DA AN (2017), H.A.M.K.B.H (2025). Theaterprojekte u.a. in Basel, Berlin, Düsseldorf; zuletzt: „Eisenfaust”, Schauspielhaus Köln (2025).


Der Rote Salon am 25.04., in Erwartung der Gäste.

Jury Spielfilm @ Achtung Berlin


Zusammen mit Christina Große und Mariam Shatberashvili werde ich im Rahmen der 22. Ausgabe des Festivals „Achtung Berlin” (15.-22.04.2026) der Jury für den Wettbewerb Spielfilm angehören. Ich freue mich.

26 März, 2026

Alexander Kluge (1932-2026)

„Die Kategorie Zusammenhang ist immer in der Krise.” A.K.

Alexander Kluge, der Filmemacher, Erzähler, Denker, Rechtsanwalt und Unternehmer, ist tot. Ein bundesrepublikanischer Leibniz, der wie kein Zweiter das geistige Leben dieses Landes geprägt und begleitet hat. Er hatte eine unnachahmliche Art, Dinge, Gedanken und Menschen zu verbinden. Immer wieder war er Geburtshelfer von Gruppen, ohne je selbst in einer aufzugehen. Als Adornos Assistent kam er in Berührung mit Fritz Lang, an der Ulmer HfG hat er sich zusammen mit Edgar Reitz an einem Bauhaus des Films versucht, als Autor von Kurzgeschichten („Lebensläufe”, „Chronik der Gefühle”, „Die Lücke, die der Teufel lässt”) war er mit der Gruppe 47 verbunden, war Mitinitiator und Mitverfasser des Oberhausener Manifests, mit Oskar Negt hat er am Schnittpunkt von Soziologie und Philosophie gearbeitet (2001 erschien als schöne Summe verschiedener gemeinsamer Bücher „Der unterschätzte Mensch”). Er war treibende Kraft hinter Kollektivfilmen wie DEUTSCHLAND IM HERBST (1978), DER KANDIDAT (1980), KRIEG UND FRIEDEN (1982) und mehreren Portmanteau-DVDs wie NACHRICHTEN AUS DER IDEOLOGISCHEN ANTIKE (2008) und FRÜCHTE DES VERTRAUENS (2009); an letzterer durfte ich, zusammen mit Christian Petzold, mitwirken. Das kollektiv verfasste, von ihm herausgegebene Buch „Bestandsaufnahme: Utopie Film“ (1984) ist bis heute ein zentrales Referenzbuch für mich, viele seiner dort formulierten Thesen haben sich als prophetisch erwiesen. Mit dem Fernsehunternehmen DCTP, das erst durch seine listenreiche Lobbyarbeit als „Kulturfenster” im Privatfernsehen möglich wurde, hat er gewissermaßen eine neue alexandrinische Bibliothek errichtet aus Interviews und essayistischen Fernsehformaten; „Themengärten”, die heute online frei zugänglich sind. Zu Gast waren Wissenschaftler, Intellektuelle, Künstler, immer wieder Heiner Müller, Christoph Schlingensief, Peter Berling, Hannelore Hoger, Helge Schneider und zahllose andere, die er mit seiner ruhelos-sanften Flüsterstimme produktiv überforderte, auch weil er weniger Fragen stellte als freie Assoziationsketten auszubreiten. Unter seinen Kinofilmen leuchtet für mich sein programmatisch betiteltes Debüt ABSCHIED VON GESTERN (1966) am hellsten; Mit DER ANGRIFF DER GEGENWART AUF DIE ÜBRIGE ZEIT (1985) hat er den vielleicht schönsten und originellsten Filmtitel deutscher Sprache erfunden. Zu meinem Glück bin ich Kluge immer wieder begegnet, zwei mal habe ich ihn (mit-) interviewt, er hat Kino-Geschichten in Revolver veröffentlicht, unsere Zeitschrift war sogar einmal Gegenstand einer seiner SendungenAlle seine Filme, Gespräche und Bücher haben etwas ermunternd Vorläufiges und sagen: Fortsetzung folgt. Von nun an ohne ihn. Unvorstellbar, aber wir müssen es trotzdem versuchen, seine Gedanken im Gepäck.


P.S.: Auf NDR Kultur und Deutschlandfunk Kultur habe ich versucht, in knapper Form über Alexander Kluge Auskunft zu geben.

22 März, 2026

(Wieder-) Gesehen [27]

 Paare.

ANTOINE & ANTOINETTE (Jacques Becker, F 1947)

Jacques Becker hat eine unvergleichlich stabile Art, Filme zu machen. Jede Szene, jede Kamerabewegung ist überlegt. Ich muss an Holzbau denken, wenn ich seine Filme beschreiben soll, die Einstellungen wirken wie sich gegenseitig aussteifende Elemente eines Fachwerks, und ihre Handwerklichkeit nimmt mich für sie ein. Das Überraschende ist, dass seine Stoffe und Erzählvorhaben in dieser formalen Solidität nicht aufgehen; er beschreibt mit diesen Mitteln eben auch ganz fragile Dinge, Alltäglichkeiten, flüchtige Momente. In diesem Widerspruch bewegt sich Beckers Kunst, und ANTOINE & ANTOINETTE ist ein besonders schönes Beispiel dafür. Im Mittelpunkt stehen hier zwei Liebende im Paris der unmittelbaren Nachkriegszeit, ihr Umfeld und Alltag zwischen Arbeit, Besorgungen, Müßiggang und Eifersucht. Erst spät schürzt sich ein dramaturgischer Knoten um ein verloren geglaubtes Los der Lotterie. Die Aufregung lässt die Charaktere, die wir zuvor sozusagen in Friedenszeiten kennengelernt haben, noch einmal plastischer werden, es ist aber durchaus nicht so, dass der Plot deshalb zur Hauptsache wird.


TAKING OFF (Milos Forman, USA 1971)

Was, wenn die Rattenfänger der Jugend recht haben?



PETER IBBETSON (Henry Hathaway, USA 1935)

Gemeinsam einen Traum träumen: die ultimative Zweisamkeit?


LE PARC (Damien Manivel, F 2016)

Zwei Zonen durchquert der Film, die sich wie Tag und Nacht verhalten, hell und dunkel. Löschen sie sich aus?



LUST OCH FÄGRINNG STOR (Bo Widerberg, Schweden 1995)

Erotische Erziehung: entlang eigener Erfahrungen kann Widerberg der Affäre zwischen Lehrerin und Schutzbefohlenen einiges abgewinnen, bevor die Asymmetrie eben doch problematisch wird. Oder lese ich den Film zu moralisch?


HOBSON’S CHOICE (David Lean, GB 1954) 

Wie viel Spaß sozialer Aufstieg machen kann. Social mobility als Gesellschaftsgymnastik?


SEX (Dag Johan Haugerud, Norwegen 2024)

Was bedeutet Begehren?


CHÈRE LOUISE (Philippe de Broca, F 1972)

Wenn schon sugar mamma, dann Jeanne Moreau?


THE DRESSER (Peter Yates, GB 1983)

Theater als Leben und Ersatz?


GATE OF HELL (Teinosuke Kinugasa, Japan 1953)

Zerstörerische Projektion, die nur einer für Liebe hält. Toxisch aktuell?